Comeback der Audio-Storys Biete guten Podcast, suche gute Bezahlung

"Serial", "The Message", "Invisibilia": Fans von Podcasts freuen sich über eine neue Blütezeit der Sparte. Die Macher der Formate suchen derweil nach Wegen, ihre Arbeit zu finanzieren.

US-Podcast "This American Life": Eins der beliebtesten Angebote

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Die Serie "Serial" machte 2014 den Anfang: Mit bis zu 3,5 Millionen Downloads pro Episode läutete die spannende Audio-Story um einen ungeklärten Teenagermord in Baltimore ein Revival des Podcasts ein. Millionen Hörer, auch weltweit, fesselte die Recherche der Reporterin Sarah Koenig. In Internetforen und Freundeskreisen wurde das Schicksal der ermordeten Highschool-Schülerin Hae Min Lee und ihres womöglich unschuldig verurteilten Ex-Freundes Adnan Syed diskutiert. Und "Serial" legte gleich noch den Grundstein für den Erfolg weiterer True-Crime-Formate wie "Making a Murderer" auf Netflix.

Seit dem Hype um "Serial" hat sich viel getan. "Die Podcasting-Szene wird explodieren", sagt der Digitalexperte Rex Sorgatz für 2016 voraus. Ein neues Universum faszinierender Geschichten und Erzählideen tut sich auf, Websites und Zeitungen versuchen ihre Nachrichten per Podcast zu vermitteln - und auch "Serial" ist mit einer zweiten Staffel wieder vorn dabei. Diesmal geht es um das Schicksal des mutmaßlich desertierten US-Soldaten Bowe Bergdahl, der 2009 seinen Posten in Afghanistan verließ, fünf Jahre in Taliban-Gefangenschaft geriet und nun in den USA vor Gericht steht. Sogar der Fall aus der ersten "Serial"-Staffel ist aktuell wieder in die Schlagzeilen gerückt.

Vor wenigen Wochen begeisterte eine neue, achtteilige Reihe ihre Hörerschaft und ließ Erinnerungen an die Erstausstrahlung von Orson Welles "Krieg der Welten" und das Jahr 1938 wach werden: ""The Message"" ist eine Art fiktionales "Serial" und berichtet im Stil einer dokumentarischen Radiorecherche von einer tödlichen Bedrohung aus dem All. Dabei führt der Versuch von NSA und einem Kryptologenteam, mit modernen Methoden eine 70 Jahre alte Funkbotschaft aus dem All zu dechiffrieren, in Richtung Katastrophe: Ein tödliches Virus wird in dem Code entdeckt und damit gleichzeitig freigesetzt - via Schallwellen.

"The Message" katapultierte sich mit seinen kurzen, oft nur 15-minütigen Recherchehappen im November an Platz eins der iTunes-Charts. Dort tummelte sich 2015 zeitweise auch "Invisibilia" - ein Podcast des öffentlichen Radionetzwerkes NPR, der sich erzählerisch und wissenschaftlich all den unsichtbaren Dingen widmet, die Menschen bewegen. Die sechs Episoden, etwa über Angst oder das Verhältnis Computer/Mensch, wurden insgesamt zehn Millionen Mal heruntergeladen.

Wo kommt das Geld her?

Das Problem, vor dem Podcasts jedoch nach wie vor stehen: Wie ist mit den bislang kostenlos im Web bereitgestellten Audio- und Video-Dateien Geld zu erwirtschaften? Neben den gängigen Sponsoren-Werbe-Jingles werden nun neue Wege erprobt.

Längst ist es nicht mehr nur die Podcast-App von iTunes, über die Podcasts ihre Hörer erreichen sollen. Neue Plattformen, wie Gimlet, Panoply, Howl oder Acast arbeiten daran, die inhaltliche Vielfalt zu erhöhen und den Zugang für Hörer, aber auch für Podcast-Produzenten zu vereinfachen. Ein Netflix-Pendant für die Ohren schwebt den Anbietern vor - zu buchen für einen monatlichen Festpreis.

Auch Musik-Plattformen wie Spotify oder Soundcloud setzen künftig auf Podcasts, sie werben dafür potente Radioleute ab - ein Zeichen dafür, dass sie in der Sparte der immer wieder totgesagten Podcast neues Leben sehen. Außerdem erweitern "BuzzFeed" und der Hörbuchanbieter Audible ihr Angebot, sogar Google wirft seinen Hut mit einem Update für Google Play Music zurück in den Ring.

"This American Life" ging eigene Wege

Einer der wenigen Podcast-Dauerbrenner und -Klassiker, die preisgekrönte NPR-Reihe "This American Life" mit ihrem Erfinder Ira Glass, hat sich von ihrem Vertriebspartner getrennt und selbstständig gemacht, um mit ihren Podcasts unabhängig von den Einschränkungen des großen Netzwerks Geld zu verdienen.

Auch ein weiterer langjähriger US-Podcast-Star, Marc Maron, vertreibt das Archiv seiner beliebten Reihe "WTF" - zu der unter anderem ein legendäres Interview mit Barack Obama in Marons umgebauter Garage gehört - inzwischen nur noch über Howl, und zwar kostenpflichtig.

Einen anderen Weg gingen die Macher von "The Message": Sie suchten sich den Elektrokonzern General Electric (GE) als Sponsor und platzierten das nostalgisch anmutende Logo "GE Podcast Theater" auf der "Message"-Website. Hintergrund: GE entwickelt unter anderem hochsensible Schalldiagnoseverfahren - und wurde damit sozusagen in die Grundidee der Entschlüsselungs-Story eingewoben.

Nicolas Quah, selbst bei Panoply, sieht ein "Ökosystem verschiedener Plattformen" entstehen, das auch ungewöhnlicheren Ideen Testläufe vor Publikum ermöglichen könne. "Die fundamentale Herausforderung an die Industrie bleibt dabei simpel und unverändert: Der Gesamtkuchen muss größer werden", schreibt Quah im Podcast-Blog des renommierten Nieman Labs. Immer noch gebe es Leute, die von Podcasts noch nie etwas gehört hätten.

Andrea Barthélémy, dpa/mbö

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insgesamt 3 Beiträge
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chukwumeze 09.02.2016
1. Ich hätte gern gewusst
warum Frau Sperber 12.255 Kilometer von Ost- zur Westküste brauchte. Schlangenlinien? Spiralen?
spon_2999637 10.02.2016
2. Podcastauswahl
... hihihi ... Alternativlos und WRINT gehören auch zu meinen absoluten Lieblingen (neben Logbuch Netzpolitik, Raumzeit, Freak Show, Methodisch Inkorrekt....).
apia 04.12.2016
3. Ich habe einen podcast gestwrtet
Ich kenne fast alle vorgestellten podcasts. In Deutschland hat das Medium noch viel Potential. Ich bin davon so begeistert dass ich selbst einen Podcast gestartet habe, über Menschen und ihre Berufe. Es macht viel Freude. http://berufsbilder.podbean.com
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