Online-Manipulationen Russland soll sogar auf "Pokémon Go" gesetzt haben

Russische Agenten sollen sich laut einem Medienbericht im Netz als Aktivisten der "Black Lives Matter"-Bewegung ausgegeben haben. Womöglich war sogar die Spiele-App "Pokémon Go" Teil ihrer Strategie.

"Pokémon Go"-Spieler
DPA

"Pokémon Go"-Spieler


Personen, die angeblich im Auftrag Russlands arbeiten, haben einem US-Medienbericht zufolge über mehrere Online-Plattformen versucht, in den USA Hass zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu schüren. Laut Recherchen des Senders CNN waren mutmaßlich russische Agenten dabei nicht nur auf Facebook, YouTube, Tumblr und Twitter aktiv, sondern hatten auch eine Idee, die das Smartphone-Spiel "Pokémon Go" betraf.

Die Verantwortlichen gaben sich dem Bericht zufolge als Mitglieder der Protestbewegung "Black Lives Matter" aus. Unter dem Kampagnentitel "Don't shoot us" ("Erschießt uns nicht") sollen sie auf verschiedenen Plattformen zu Protestaktionen aufgerufen haben, möglicherweise, um den schwelenden Konflikt nach Vorfällen mit Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA weiter zu schüren.

Um ihren angeblichen Protest im Internet zu verbreiten, haben die Hintermänner offenbar auch das Smartphone-Spiel "Pokémon Go" für ihre Zwecke missbraucht oder wollten dies zumindest tun. Bei Tumblr wurde demnach zu einem "Pokémon Go"-Wettbewerb aufgerufen. Die Spieler sollten sich dafür an Schauplätze begeben, an denen Polizeigewalt gegenüber Afroamerikanern ausgeübt wurde.

"Black Lives Matter"-Demonstration
Getty Images

"Black Lives Matter"-Demonstration

Dort sollten die Spieler den Namen ihrer Pokémon durch Namen der Opfer von Polizeigewalt ersetzen, eine Arena erobern und einen Screenshot davon an eine E-Mail-Adresse schicken. Die Veranstalter versprachen Amazon-Gutscheine für die Gewinner des Wettbewerbs.

Ein Anleitungsfoto bei Tumblr zeigte beispielsweise ein Hypno-Pokémon, das in Eric Garner umbenannt wurde. Der Afroamerikaner Garner starb, nachdem er von einem Polizisten in einen Haltegriff genommen und mutmaßlich gewürgt wurde.

Russisches Außenministerium reagiert mit Spott

Nach Angaben von CNN ist unklar, ob und - falls ja - wie viele "Pokémon Go"-Spieler an dem Wettbewerb teilgenommen haben und Screenshots an die Adresse geschickt haben. Ebenso sei nicht bekannt, ob die versprochenen Gutscheine wirklich verteilt worden seien.

Hinter der Kampagne soll dem Bericht zufolge die Internet Research Agency stecken, eine russische Organisation, die die Stimmung auf Online-Plattformen, in Kommentarbereichen und Foren im Sinne der russischen Regierung beeinflussen soll.

Das russische Außenministerium reagiert mit Spott auf den Bericht. "Wieder einmal sind die Russen schuld - und die Pokémon, die sie kontrollieren", schreibt die Sprecherin Maria Sacharowa bei Facebook.

Die meisten Profile der Kampagne bei Twitter, Instagram und Facebook sind mittlerweile offline, während die mutmaßliche Propaganda-Website Donotshoot.us und der Tumblr-Kanal noch erreichbar sind. Als Indiz für die Verbindung nach Russland gibt CNN an, dass die entsprechende Facebook-Seite zu den knapp 500 Accounts gehört haben soll, die nach Vorwürfen der Manipulation bei den US-Präsidentschaftswahlen gelöscht worden waren.

jbr



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