Politposse Wie Lord James die britische Wirtschaft retten wollte

Die britische Regierung braucht dringend Geld, da können ein paar geschenkte Milliarden nicht schaden. Das dachte sich ein Lord - und präsentierte im Oberhaus einen mysteriösen Wohltäter, der Britanniens Wirtschaft mit Gold retten wolle. Der Coup wurde schnell als Schwindel enttarnt.

House of Lords: Berüchtigt dafür, mitunter Kuriositäten zu produzieren
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House of Lords: Berüchtigt dafür, mitunter Kuriositäten zu produzieren


Im britischen Oberhaus herrscht kein Mangel an Exzentrikern, die ehrenwerten Lords sind bekannt für skurrile Auftritte. Doch was Lord James von Blackheath sich in der Debatte über das Sparpaket der Regierung geleistet hat, war selbst für britische Adlige außergewöhnlich.

In einer langen Rede erklärte der 72-jährige konservative Politiker am Montag, er habe über einen vertrauenswürdigen Mittelsmann aus der Londoner City ein Angebot erhalten: Eine reiche "Stiftung X" wolle der britischen Regierung fünf Milliarden Pfund schenken. Die Stiftung erwarte von der Regierung nichts im Gegenzug, sie wolle nur bei der Lösung der Wirtschaftskrise helfen. Bis Weihnachten, führte der Lord aus, stellten die uneigennützigen Gönner weitere 17 Milliarden Pfund für Schulen und Krankenhäuser in Aussicht.

Es sei nun allein an der britischen Regierung, das großzügige Angebot anzunehmen, sagte der Lord. "Ein ranghohes Regierungsmitglied muss nur die Einladung annehmen, den Vorsitzenden der Stiftung X anzurufen, und dann sind wir im Geschäft." Er sei ja nur "ein alternder, obsessiver Lord", fügte James hinzu. Aber dieses Thema sei zu groß, um es einfach zu ignorieren.

"Vollkommen echt und aufrichtig"

Lord James war offensichtlich begeistert von dem Beitrag, den er zur Haushaltssanierung der liberal-konservativen Koalition leisten konnte. In den vergangenen fünf Monaten habe er die "Stiftung X" geprüft und sei zu dem Schluss gekommen, dass sie "vollkommen echt und aufrichtig" sei, sagte er vor seinen verblüfften Kollegen im Oberhaus.

Damit nicht genug: Der umtriebige Lord ließ auch den Staatssekretär im Finanzministerium, Lord Sassoon, das Angebot prüfen. Er arrangierte ein Treffen eines Vertreters der "Stiftung X" mit dem Vorsitzenden des Oberhauses, Lord Strathclyde. Sogar der Gouverneur der Bank von England, Mervyn King, wurde mit der Sache befasst. Der habe ihm am Telefon jedoch gesagt "Get lost!" ("Lassen Sie mich in Ruhe"), sagte James.

Auch Lord Strathclyde war skeptisch. Er wandte ein, dass die Zahl der Goldbarren, die die Stiftung angeblich in Besitz hat, die Menge allen je geschürften Goldes auf der Welt übersteige. Dieses Argument sei jedoch falsch, sagte James im Oberhaus, das habe er im Internet gegoogelt. Wenn man sich die Reserven der Vatikanbank anschaue… - an dieser Stelle unterbrach der Sitzungsleiter den Redner und sagte, er sei in der fünfzehnten Minute und möge zum Schluss kommen.

James schaffte es immerhin noch, seine Qualifikation als Ansprechpartner für solche Milliardentransfers dadurch zu belegen, dass er schon Milliarden von Terrorgeldern der IRA und einer anderen Organisation gewaschen habe. Den Lachern im Oberhaus auf dieses Bekenntnis ließ er eine schräge Erklärung folgen, die er später in der Presse weiter vertiefte: Er habe im Auftrag von Regierung und Banken Scheinfirmen von Terrororganisationen abgewickelt und dabei aus deren schmutzigem Geld sauberes gemacht.

Eine Art gehobener "Nigeria-Scam"?

Es sei die "außergewöhnlichste Rede", die er je gelesen habe, schrieb der britische Blogger Hopi Sen, der sie am Dienstag öffentlich machte. Denn Lord James war bislang nicht als naiver Opa bekannt, der auf Internetbetrüger hereinfällt, sondern als ausgebuffter Finanzprofi mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Londoner City. Sein Urteil hat Gewicht, oder vielmehr, hatte Gewicht. Denn sein leidenschaftlicher Einsatz für die "Stiftung X" macht ihn nun zum Gespött im Londoner Parlamentsviertel Westminster.

"Es ist traurig, dass Lord James sich von einem ziemlich offensichtlichen und dummen Hoax hat hereinlegen lassen", kommentiert Polit-Blogger Hopi Sen.

Lord Myners von der Labour-Opposition nutzte die Gelegenheit, James nach Strich und Faden zu verspotten. Der ehrenwerte Kollege habe ohne Frage die Lösung für sämtliche Finanzprobleme der Regierung gefunden, sagte er im Oberhaus. Ob denn der Herr Staatssekretär erklären könne, wieso die Regierung nicht schon geantwortet habe. Darauf Staatssekretär Sassoon ironisch: "Natürlich nehmen wir jeden ernst, der in unsere Wirtschaft investieren will."

Noch mal 75 Milliarden obendrauf

In der britischen Blogospähre wurde sogleich vermutet, dass es sich bei der mysteriösen "Stiftung X" um das berüchtigte " United Nations Office of International Treasury Control" (UNOITC) handele. Die fiktive Organisation, die nichts mit der Uno zu tun hat, führt seit Jahren eine halbseidene, eigentlich lediglich virtuelle Existenz und macht Regierungen und Unternehmen unglaubliche Angebote - häufig in der Höhe von fünf Milliarden Dollar. Diese Summe bot die geheimnisvolle Organisation beispielsweise einst für den britischen Autobauer Rover - verkauft wurde der letztlich für etwa 50 Millionen Pfund.

Lord James hält jedoch an seinem Glauben fest, dass die "Stiftung X" eine legitime Organisation ist. "Ich bin überzeugt, sie ist echt", sagte er dem IT-Fachdienst ZDNet am Donnerstag. Es handele sich nicht um das UNOITC.

Gegenüber Sky News legte er noch einmal nach, stellte in Aussicht, dass "Foundation X" bis zu 75 Milliarden Pfund verleihen wolle, um Britanniens Schulden zu tilgen und dabei zu helfen, die Welt zu retten.

James beschrieb Stiftung X gegenüber Sky News als "riesige supranationale Ansammlung von Finanzmitteln", die Stiftung X über 100 Jahre angesammelt habe. Ihr Ziel sei es, die globale Wirtschaft und deren Mittel vor wachsender Instabilität zu retten. Als Leumund hätten sie eine "Liste, die Menschen von höchstem Profil auf der Weltbühne" umfasse, benannt. Deren Namen nennt der Lord genauso wenig wie den wahren Namen seiner "Foundation X".

Die skurrile Episode dürfte die Kritiker des Oberhauses in ihrer Forderung bestätigen, endlich die Lords auf Lebenszeit abzuschaffen. Für Blogger Hopi Sen besteht der eigentliche Skandal darin, dass eine einzige, gut vernetzte Person mehrere Schlüsselfiguren der Regierung dazu bewegen kann, sich ernsthaft mit einem Internetschwindel auseinandersetzen.

Der unglückliche Lord James hingegen verdiene keinen Spott, sondern Mitleid: Es sei offensichtlich, dass man ihn entweder hochgenommen habe - oder er "nicht mehr ganz dabei" sei.

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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
sic tacuisses 06.11.2010
1. Das hätte ich einigen unserer Politiker-Koniferen in Berlin
Zitat von sysopDie britische Regierung braucht dringend Geld, da können ein paar geschenkte Milliarden nicht schaden. Das*dachte sich ein Lord - und präsentierte im Oberhaus einen mysteriösen Wohltäter, der Britanniens Wirtschaft mit Gold retten wolle.*Der Coup wurde schnell als Schwindel enttarnt. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,727509,00.html
auch zugetraut. König Kurt von Rhld.-Pfalz hatte ja auch so einen Wohltäter und das Rheinland-pfälzische Finanzministerium war felsenfest von so einem Deal überzeugt. Der damalige Finanzminister Deubel: Alles seriös, absolut seriös.......................
Calex 06.11.2010
2. Aufklärung
Zitat von sysopDie britische Regierung braucht dringend Geld, da können ein paar geschenkte Milliarden nicht schaden. Das*dachte sich ein Lord - und präsentierte im Oberhaus einen mysteriösen Wohltäter, der Britanniens Wirtschaft mit Gold retten wolle.*Der Coup wurde schnell als Schwindel enttarnt. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,727509,00.html
Lieber Spiegel, anstatt den Lord als "Irren" dazustellen bitte ich als interessierter Leser darum folgendes zu recherchieren: 1. Warum trifft ein angesehener Lord, der als Finanzgenie bekannt ist solche Aussagen? Welche Motive hat er wirklich? 2. Wer ist diese Organisation "Foundation X" und welche Absichten hat sie? U.a. auch, wer ist die UNOITC und warum bietet sie oft und gerne diese Milliarden-Deals an? Warum dieser Schwindel? 3. Wer profitiert hier wovon? Wollte man den Lord reinlegen? Wollte man ihn in Mißkredit bringen, wenn ja, warum und wer? Welchen Sinn machen diese "Schwindelorganisationen" wer steckt dahinter und warum? Und es ist am Spiegel herauszufinden, wer das sein könnte. Ich denke aber, wir werden über diesen "VORFALL" nie wieder etwas hören. Ich erinnere mich an ein paar Asiaten, die mit Milliarden Bonds an der schweizer Grenze in Italien gefasst wurden. Von diesem Vorfall hörte man auch nie wieder. Es hieß, die Bonds wären gefälscht gewesen. Wer fälscht 1 Mio Dollar Kennedy Bonds? Und vor allem, wer fällt darauf rein, wenn Tankstellen nicht einmal 500 Euro Scheine annehmen wollen?
smoki 06.11.2010
3. 1-Millionen-Dollar-Scheine!
Zitat von CalexLieber Spiegel, anstatt den Lord als "Irren" dazustellen bitte ich als interessierter Leser darum folgendes zu recherchieren: 1. Warum trifft ein angesehener Lord, der als Finanzgenie bekannt ist solche Aussagen? Welche Motive hat er wirklich? 2. Wer ist diese Organisation "Foundation X" und welche Absichten hat sie? U.a. auch, wer ist die UNOITC und warum bietet sie oft und gerne diese Milliarden-Deals an? Warum dieser Schwindel? 3. Wer profitiert hier wovon? Wollte man den Lord reinlegen? Wollte man ihn in Mißkredit bringen, wenn ja, warum und wer? Welchen Sinn machen diese "Schwindelorganisationen" wer steckt dahinter und warum? Und es ist am Spiegel herauszufinden, wer das sein könnte. Ich denke aber, wir werden über diesen "VORFALL" nie wieder etwas hören. Ich erinnere mich an ein paar Asiaten, die mit Milliarden Bonds an der schweizer Grenze in Italien gefasst wurden. Von diesem Vorfall hörte man auch nie wieder. Es hieß, die Bonds wären gefälscht gewesen. Wer fälscht 1 Mio Dollar Kennedy Bonds? Und vor allem, wer fällt darauf rein, wenn Tankstellen nicht einmal 500 Euro Scheine annehmen wollen?
Auf 1-Millionen-Dollar Scheine sind auch schon Leute reingefallen: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,669272,00.html
Calex 06.11.2010
4. Und sie wissen die Hintergründe
Zitat von smokiAuf 1-Millionen-Dollar Scheine sind auch schon Leute reingefallen: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,669272,00.html
Soweit ich erkennen kann sind auch hier die Hintergründe nur mangelhaft bzw. gar nicht recherchiert. Die Betrüger bzw. Betrogenen werden als Idioten dargestellt.
monsterjagd 06.11.2010
5. Seltsam...
"Er habe im Auftrag von Regierung und Banken Scheinfirmen von Terrororganisationen abgewickelt und dabei aus deren schmutzigem Geld sauberes gemacht." Eine äusserst erstaunliche Behauptung, zumal sie mit dem 'Hoax' an sich nichts zu tun hat.
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