Porno-Plagiat Google in der Booble-Falle

Booble macht gar keinen Hehl daraus, eine "lustige Parodie der größten und bekanntesten Suchmaschine der Welt" sein zu wollen. Doch den sonst als humorvoll bekannten Googlern bleibt das Lachen im Halse stecken, denn Booble ist eine Schmutz-Suchmaschine - und damit will Google nichts zu tun haben.


Booble, ganz nah am Original-Design: Parodie oder cleverer Trittbrettfahrer?

Booble, ganz nah am Original-Design: Parodie oder cleverer Trittbrettfahrer?

Eigentlich, behauptet Bob, sei alles nur ein Witz gewesen: Vor rund einer Woche zog er mit seinen Webdesignern die "Booble-Seite" auf. Ganz bewusst als "Parodie" auf Google, in einem Design, das viel näher an dem des Originals kaum sein könnte. Auch die angebotene Dienstleistung ähnelt Google: Suchen und finden will Booble, und zwar besser als andere. Stolz verweist die Seite auf "6000 Webseiten" im Datenbestand.

Das ist zwar eine lächerlich kleine Zahl, dafür aber handverlesene Ware: Im Gegensatz zu anderen Suchdiensten sei nämlich die Qualität der Booble-Ergebnisse redaktionell geprüft. Und Bobs Team zeigt sich ziemlich spezialisiert: Booble findet Pornografie - und sonst gar nichts.

Eine Woche lang stand der Dienst im Web und keinen interessierte es. Dann wurden Googles Anwälte aufmerksam - und der Aufstieg des Pornosuchers begann.

Booble zwingt Google in die Rolle des "bösen Buben"

Denn Bob, der seinen vollen Namen nicht nennen will, weil er seine eigentliche Firma und Webseite nicht mit Pornografie in Verbindung bringen will, bekam Post. Die kam von Google und machte klar, dass auch der erfolgreichste Suchdienst der Welt mit solchem Schmuddelkram nichts zu tun haben wolle. Bob veröffentlichte das Schreiben der Google-Anwälte prompt auf seiner Booble-Seite. Umgehend kletterten die Nutzerzahlen auf die astronomische Zahl von einer Million "visitors" am Tag.

Bob, der im übrigen wirklich so heißt, beharrt darauf, dass sein Booble eine Parodie, eine Satire sei und somit geschützt. Er gibt allerdings zu, dass die Seite bereits Umsätze generiere, die die Betriebskosten deckten. Auch erschöpft sich bei Booble die Parodie auf die Gestaltung der Website, denn die Dienstleistung ist echt.

Die Anwälte von Google bestreiten darum, dass es sich bei Booble überhaupt um eine Parodie handele. Vielmehr nutze Booble nur ein Google-ähnliches Design und einen Domainnamen, der mit Google verwechslungsfähig sei, um einen Suchdienst anzubieten. Also verbindet Google mit der Forderung nach einer Einstellung des Dienstes auch die nach einer Herausgabe der Domain.

...und sorgt so dafür, dass die Google-Anwälte "Werbung" für den Pornodienst machen

Der vermeintlich unschuldige Web-Witzbold Bob jedenfalls macht das Beste aus der plötzlichen, aber wohl willkommenen Popularität. Längst bietet er Booble-Merchandize wie bedruckte Stringtangas, T-Shirts und Kaffeetassen an, während man im Booble-Store einschlägige DVDs, Videos und "Spielzeuge" erstehen kann. Inwiefern das unter den Begriff "Parodie" fällt, fragt man sich nicht nur bei Google.

Keine Parodie ist jedenfalls die Suchmaschine: Die findet genau das, was sie verspricht - Pornografie. Im Gegensatz zur Pornosuche bei "Mainstream-Suchmaschinen" falle Booble dabei nicht auf Seiten mit "Viren, Pop-ups und Kreditkarten-Betrügereien" herein, da alle Suchergebnisse "per Hand" eingeordnet und klassifiziert worden seien.

Zwei, drei Stichproben bestätigen das werbende Versprechen zumindest zum Teil: Ja, Booble baggert nur pornografisches zusammen. Ob das jedoch von besserer "Qualität" ist, als das, was "Mainstream-Suchmaschinen" zu Tage fördern, wollen wir gar nicht herausfinden. Denn was Booble zutage fördert, muss man erst einmal bezahlen - und zwar per Kreditkarte. Aber - dafür bürgt Bob ja mit seinem unvollständigen Namen - ohne dabei betrogen zu werden (sagt Booble).

Ein Schmutzfink, wer böses dabei denkt.

Frank Patalong



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