Pornografische Parodien Hackerseite droht Ärger mit MasterCard

Eine Satire-Aktion der Hackerwebseite Attrition.org könnte ein juristisches Nachspiel haben: Die Kreditkartenfirma MasterCard stört sich an schlüpfrigen Parodien der auch in Deutschland laufenden "Unbezahlbar"-Kampagne.


Eurocard-Fernsehspot: Schlüpfrige Variationen

Eurocard-Fernsehspot: Schlüpfrige Variationen

Die Hackerwebsite erhielt von Anwälten des Unternehmens eine E-Mail, in der den Betreibern mit juristischen Schritten gedroht wird. Sie hätten auf der Website Material gepostet und verbreitet, das die "Priceless"-Anzeigen und die "Priceless"-Marke von MasterCard verletze, warfen die Juristen den Hackern laut "Wired News" vor. Die MasterCard-Vertreter warnten vor "rechtlichen Maßnahmen" in näherer Zukunft.

Grund für die schwammigen Anschuldigungen sind einige JPEG-Bildchen aus dem Satire-Archiv von Attrition.org. Sie zeigen schlüpfrige bis pornografische Abwandlungen von MasterCards "Priceless"-Kampagne, der sich auch der Europapartner Eurocard in Anzeigen und Fernsehwerbung bediente. In einem der deutschen Spots ist ein junger Mann zu sehen, der an einer gut aussehenden jungen Frau vorbeigeht. Einblendung: "Frühstück, Espresso: 9 Dollar. Boots: 120 Dollar. Merken, dass die Hose offen ist, bevor es jemand anderes tut: unbezahlbar."

Dieses Schema haben die Hacker in freizügiger Manier variiert. Auf einem der harmloseren Bilder ist eine Eiskunstläuferin mit verrutschtem Dekolletee zu erkennen. Kommentar der Hacker: "Das perfekte Outfit, um bei den olympischen Spielen zu laufen: 500 Dollar. Ohrringe von Wal-Mart: 2 Dollar. Vergessen, bei der nationalen Fernsehübertragung einen trägerlosen BH anzuziehen: unbezahlbar!"

Die Macher von Attrition.org zeigten sich von der Warnung der Anwälte unbeeindruckt: "Hören Sie auf, Ihre und unsere Zeit zu verschwenden", antworteten sie in einer E-Mail. "Hören Sie auf, uns undeutliche Androhungen rechtlicher Schritte zuzusenden, ohne ihre Einwände genau zu dokumentieren." Weitere Maßnahmen, so meinen die Hacker, hätten ohnehin keinen Erfolg: Die Parodien seien durch den Verfassungszusatz First Amendment geschützt, der US-Bürgern eine großzügige Meinungsfreiheit garantiert.

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