Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Behördenanfragen: Telekom und Posteo veröffentlichen Transparenzberichte

Telekom-Zentrale (Archivbild): Transparenzbericht veröffentlicht Zur Großansicht
DPA

Telekom-Zentrale (Archivbild): Transparenzbericht veröffentlicht

Fast 50.000 Telekom-Anschlüsse wurden vergangenes Jahr von Behörden überwacht. Das hat das Unternehmen am Montag bekanntgeben. Auch der E-Mail-Anbieter Posteo bemüht sich mit einem Bericht um Transparenz.

Im Stil von US-Konzernen wie Google und Facebook haben nun auch der E-Mail-Dienst Posteo und die Telekom eigene Transparenzberichte veröffentlicht. Die Berichte sollen die Kunden informieren, wie oft die Unternehmen Daten an deutsche Behörden weitergeben. "Die Telekom ist gesetzlich verpflichtet, Sicherheitsbehörden unter bestimmten Voraussetzungen Auskunft zu erteilen und Überwachungsmaßnahmen zu ermöglichen", heißt es in der Einleitung des Telekom-Berichts.

"Jahresbericht - Auskunft an die Sicherheitsbehörden" betitelt das Unternehmen die online veröffentlichte Statistik, laut der im Jahr 2013 49.796 Anschlüsse von Behörden überwacht wurden. 463.331 Mal wurden sogenannte Verkehrsdatensätze an die Behörden weitergegeben, also beispielsweise Infos zu den übermittelten Datenmengen und den genutzten Nummern, 28.162 Mal Teilnehmerbestandsdaten, zu denen etwa Geburtsdaten, Adressen und Kontodaten zählen.

Zum zivilgerichtlichen Verfolgen von Urheberrechtsverletzungen gab die Telekom außerdem 946.641 Mal Auskunft darüber, wer Inhaber einer bestimmten IP-Adresse ist. Offen bleibt, wie viele Anfragen das Unternehmen bekommen und abgelehnt hat. Auf der Info-Webseite heißt es lediglich, dass die Telekom Auskunftsanfragen ausländischer Behörden nicht beantwortet: Solche Anfragen müssten von einer zuständigen inländischen Stelle an das Unternehmen gerichtet werden.

Einige Tage vor der Telekom hatte bereits der E-Mail-Anbieter Posteo einen Transparenzbericht angekündigt, der bereits seit dem frühen Morgen im Netz steht. Demnach haben sich die Strafverfolger im letzten Jahr sieben Mal mit Auskunftsersuchen bei Posteo gemeldet - an dieser Zahl zeigt sich, dass es sich um einen noch relativ kleinen Anbieter handelt. In sechs Fällen sei es bei den Anfragen um Bestandsdaten von Nutzern gegangen, ein Mal um die Beschlagnahmung und Überwachung eines Postfachs. Nach eigenen Angaben kooperierte Posteo lediglich bei der Überwachungsanfrage. In einem FAQ gibt die Firma Einblick in ihren Umgang mit Behördenanfragen.

In nächster Zeit könnten weitere Anbieter mit eigenen Transparenzberichten nachziehen. Ein Sprecher von GMX und WEB.DE sagte "Zeit Online", man arbeite "an einem Modell, hier für Transparenz zu sorgen". Ein Vodafone-Sprecher schrieb der Nachrichtenseite, die Veröffentlichung eines länderübergreifenden Transparenzberichtes der Vodafone Group sei aktuell in Vorbereitung.

mbö/AFP

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
ruediger 05.05.2014
Zitat von sysopDPAFast 50.000 Telekom-Anschlüsse wurden vergangenes Jahr von Behörden überwacht. Das hat das Unternehmen am Montag bekanntgeben. Auch der Mailanbieter Posteo bemüht sich mit einem Bericht um Transparenz. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/posteo-und-telekom-veroeffentlichen-transparenzberichte-a-967653.html
Ganz erschreckende Zahlen, insbesondere dann, wenn man sie mit den Zahlen amerikanischer Anbieter vergleicht (die ja eine deutlich grössere Bevölkerung haben oder gar weltweit operieren). Aber auch die Verlogenheit der Behauptung, Daten seien in Deutschland aus irgendeoinem Grunde sicherer wird daraus erkennbar.
2. Viel interessant ist
Volks.Hirn 05.05.2014
ob die Inhaber der betroffenen Anschlüsse und Konten NACH abschluss der Ermittlungen INFORMIERT worden sind so wie es das GESETZ VORSCHREIBT. Wenn nicht - DANN liegt hier ein noch nie dagewesener Rechtsbruch seitlich der staatlichen Organe vor.
3. in Deutschland? hihi...
mehrgedanken 05.05.2014
Zitat von Volks.Hirnob die Inhaber der betroffenen Anschlüsse und Konten NACH abschluss der Ermittlungen INFORMIERT worden sind so wie es das GESETZ VORSCHREIBT. Wenn nicht - DANN liegt hier ein noch nie dagewesener Rechtsbruch seitlich der staatlichen Organe vor.
Genau an dieser Information der Nutzer arbeiten Microsoft und Apple aktuell. aus Deutschland kommt nix-da ist alles vom Tisch! sagte Merkel dem Pofalla dem Volk. Basta!
4. ...gerade mal durchgelesen...
cruiserxl 05.05.2014
...was dort auf der Telekomseite steht. Was mir dabei ganz krass ins Auge gefallen ist - ging es nicht ursprünglich um Terrorabwehr? Wenn ich mir die ganzen Gesetze anschaue, die die Überwachung ermöglichen, geht es in denen um alle möglichen Straftaten...wie zum Beispiel Störung der öffentlichen Ordnung... soviel zum Thema Terrorabwehr
5. Abwehr aber vor welchem Terror ?
Demokrator2007 05.05.2014
Zitat von sysopDPAFast 50.000 Telekom-Anschlüsse wurden vergangenes Jahr von Behörden überwacht. Das hat das Unternehmen am Montag bekanntgeben. Auch der Mailanbieter Posteo bemüht sich mit einem Bericht um Transparenz. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/posteo-und-telekom-veroeffentlichen-transparenzberichte-a-967653.html
Wie wehrt man eigentlich diesen Staatsterror ab? Die Stasi war offenbar ein Kinderchor gegen das was heute so intermedial stattfindet. Trotzdem sollte sich keine Gesellschaft einbilden sich vor der Komplettüberwachung schützen zu können. Wer mir allerdings mit GoogleGlas kommmt frißt sein Gerät.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Grundsatzurteile zum Datenschutz
Informationelle Selbstbestimmung
15. Dezember 1983: Karlsruhe kippt mit dem erstmals ausgesprochenen "Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung" das Volkszählungsgesetz. Damit hätten Daten ans Melderegister, an Bundes- und Landesbehörden, an Gemeinden und deren Verbände weitergegeben werden dürfen. Das Volkszählungsurteil ist wegweisend für den Datenschutz.
Großer Lauschangriff
3. März 2004: Der sogenannte Große Lauschangriff verletzt nach Auffassung des Bundesverfassungsgericht die Menschenwürde und ist deshalb im Wesentlichen verfassungswidrig. Die 1998 eingeführte akustische Überwachung von Wohnungen muss an deutlich strengere Voraussetzungen geknüpft werden. Die Richter mahnen einen stärkeren Schutz der Privatsphäre an.
Online-Durchsuchungen
27. Februar 2008: Für Online-Durchsuchungen setzt das Bundesverfassungsgericht hohe rechtliche Hürden. Das heimliche Ausspähen der Computerfestplatte ist nur zulässig, "wenn tatsächliche Anhaltspunkte einer konkreten Gefahr für ein überragend wichtiges Rechtsgut bestehen". Eine entsprechende Befugnis des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes sei nichtig. Mit dieser Entscheidung schaffen die Richter ein Computergrundrecht, das "Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme".


Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: