PR-Atlantiküberquerung Boot gesunken, Opera-Chef gescheitert

Der Schwimmausflug von Norwegen nach Amerika endete für den Opera-Chef schon am zweiten Tag. Sein PR-Manager bewahrte ihn vor den tückischen Atlantikstürmen, indem er das Begleitschlauchboot noch vor der norwegischen Küste absaufen ließ.


Hauptsache die Fahne bleibt trocken: Tetzchner (r.) planscht mit PR-Mann Sivertsen

Hauptsache die Fahne bleibt trocken: Tetzchner (r.) planscht mit PR-Mann Sivertsen

Gesagt ist gesagt - das wusste auch Opera-Chef Jon Tetzchner, als er Ende vergangener Woche eine riskante Wette einging. Wenn der neue Webbrowser Opera 8 in den ersten 100 Stunden eine Million Donwloads erreichen sollte, dann wolle er von Oslo nach Amerika schwimmen, hatte Tetzchner erklärt.

Sein Pech: Die Millionenmarke wurde geknackt. Nun wartete die Welt auf die Einlösung seines Versprechens. Würde Tetzchner es tatsächlich wagen? Oder aber, wie sollte er sich aus der Affäre ziehen, ohne nasse Füße zu bekommen?

Für derart heikle Fälle beschäftigen Unternehmen PR-Manager. Der von Opera heißt Eskil Sivertsen, und er tat das, wofür er bezahlt wird: seinem Chef aus der Patsche zu helfen. Angeblich soll er die Sache dem Opera-CEO ja sogar eingebrockt haben, als er die intern geäußerte Wette publik machte.

Verpasst: Mamas heiße Schokolade, die  Opera-Chef Tetzchner auf Island erwartete

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Wie dem auch sei, am Montag kam die Stunde der Wahrheit. Der Opera-Boss, ein Schlauchboot und ein PR-Manager wurden zu Wasser gelassen. Nichtschwimmer Sivertson, dessen einzige Schwimmversuche als Kind in einer 90 Zenitmeter tiefen heißen Quelle auf Island stattgefunden haben sollen, übernahm die Ruder am Schlauchboot, das mit norwegischer und US-Flagge geschmückt war. "Schaut auf mich, ich schwimme, ich schwimme" - das waren laut Opera-Website die letzten Worte, die Zuschauer an Land von CEO Tetzchner zu hören bekamen, während er sich Richtung Amerika davonmachte.

Glaubt man der Geschichte auf opera.com, dann verbrachten Tetzchner und Sivertson die "knackig-kalte, sternenklare" Nacht gemeinsam im Schlauchboot. "Die sanften Bewegungen der Wellen ließen uns einschlummern", dichtete PR-Mann Sivertson. Am nächsten Morgen, Tag zwei des Atlantik-Trips, will er seinen Boss mit zwei Schokoriegeln und einer Minikarotte versorgt haben, bevor dieser zurück ins Wasser sprang.

Ganz schön mutig: Start zur angeblichen Atlantiküberquerung

Ganz schön mutig: Start zur angeblichen Atlantiküberquerung

Eine Stunde später habe das Schlauchboot dann plötzlich schnell Luft verloren. "Es war kalt und nass und ich hatte riesige Angst", berichtete Sivertson. Sein Chef kam ihm zu Hilfe. "Ich verdanke ihm mein Leben. Hoffentlich feuert er mich nicht, weil ich seinen Traum vom Schwimmen nach Amerika ruiniert habe." Die beiden Schiffbrüchigen erreichten schnell wieder die norwegische Küste. Ein Bauer soll das dramatische Luftlassen des Boots mit einem leistungsfähigen Teleobjektiv vom Ufer aus dokumentiert haben.

Tetchzner ließ es sich nicht nehmen, seinen Kollegen im Nachhinein noch einmal ordentlich abzuwatschen. Das Boot und der PR-Manager seien zwei Zeitbomben gewesen, die dummerweise zugleich hochgegangen seien. "Er macht einen guten Job, wenn er nur das macht, womit er sich auskennt", sagte der CEO. "Ich sehe keinen Grund, ihn rauszuwerfen." So weit das PR-Theater.



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