PR-Eigentor: Apple gegen Apple-Fans

Es ist ein Kampf David gegen Goliath: Die Gerüchteseite Think Secret wird von Apple verklagt, und der Betreiber hat nicht einmal Geld für einen Anwalt. Es geht um die Frage, was schützenswerter ist: Pressefreiheit oder Firmengeheimnisse?

Nicholas Ciarelli, 19 Jahre, Harvard-Student: Von Apple verklagter Apple-Fan
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Nicholas Ciarelli, 19 Jahre, Harvard-Student: Von Apple verklagter Apple-Fan

Mit einem öffentlichen Hilferuf macht Nicholas Ciarelli auf sich aufmerksam: Der Betreiber des Apple-Gerüchteportals Think Secret sucht kostenlosen Rechtsbeistand für den drohenden Prozess gegen den Computerkonzern Apple.

Der 19-jährige Harvard-Student, der die Website unter dem Pseudonym Nick dePlume betreibt, hatte wiederholt über Produktneuheiten aus dem Hause Apple berichtet, bevor sie öffentlich vorgestellt wurden - und mit seinen Informationen meist ins Schwarze getroffen. Nachdem Think Secret bereits vor der Macworld Expo ausführlich über den Mac Mini und den iPod Shuffle mit Flash-Speicher spekuliert hatte, reichte es Apple: Das Unternehmen reichte Klage ein wegen Beihilfe zum Verrat von Geschäftsgeheimnissen. Der Konzern ist in jüngster Vergangenheit offenbar besonders klagefreudig - auch in Deutschland.

Online-Petition soll Ciarelli unterstützen

Ciarelli müsse eine Quelle im Unternehmen haben, die interne Informationen ausplaudert, vermutet man beim Computergiganten aus Cupertino, Kalifornien. Ciarelli selbst jedoch ist sich keiner Schuld bewusst, er beruft sich auf die Presse- und Meinungsfreiheit.

In einer E-Mail an die Harvard-Universitätszeitung "The Crimson" rechtfertigte sich der Student, er arbeite wie alle Journalisten: "Ich rede mit Quellen, gehe Hinweisen nach, folge Anhaltspunkten und bestätige Details." Der Nachrichtenagentur Reuters sagte er, er sei sicher, dass seine Berichterstattung "mit den Rechten und Privilegien übereinstimmt, die das erste Amendmend verleiht". In diesem Zusatz zur US-Verfassung ist das Recht auf freie Meinungsäußerung festgeschrieben.

Inzwischen wurde sogar eine Online-Petition für Ciarelli gestartet: Die Unterzeichner bitten Apple, die Klage fallen zu lassen und sich außergerichtlich zu einigen. "Das ist ein Kampf David gegen Goliath. Wir flehen Apple an, seine Macht nicht gegen eine Einzelperson zu verwenden, die sich so wenig selbst verteidigen kann", heißt es im Petitionstext. Zudem habe Think Secret den Apple-Produkten große Publicity verschafft.

Ob wirklich Firmengeheimnisse verraten wurden, muss nun ein Gericht prüfen. Aber sicher ist: Apple wird seinem Ruf keinen Gefallen tun, indem es weiterhin seine eigenen Fans verklagt.

Angelika Unger

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