Wahlkampf über Reddit: Barack Obama beantwortet Fragen

"Hi ich bin Barack" - mit diesen Worten begrüßt Barack Obama die Nutzer des Internet-Forums Reddit. Für eine halbe Stunde stellt er sich den Fragen der Community -und die will einiges wissen. Von der schwersten Entscheidung bis zum Bier im Weißen Haus.

Reddit-Interview: Barack Obama über Bier und Basketball Fotos
@BarackObama

"Wer ist eigentlich Ihr Lieblingsbasketballspieler, Herr Obama?", schreibt karlfranks. Keine fünf Minuten später kommt die Antwort: Es ist Michael "Jordan - Ich bin ein Fan der Chicago Bulls". Sie kommt vom einem Nutzer namens PresidentObama.

Es ist der echte US-Präsident, der am Mittwoch im Internet-Forum Reddit, einem textlastigen Nerd-Paradies, Fragen der Nutzer beantwortete. "AMA" heißt so ein Interview, bei dem die Community Fragen tippt und der Gast antwortet, wenn er will. "AMA" steht für "Ask Me Anything", fragt mich alles. Barack Obama auf Tuchfühlung mit den aufgeklärten Netzbewohnern, das gibt gute Presse und ist fast schon ein Heimspiel für den Demokraten.

Reddit ist der Ort, von dem aus viele Videos und Artikel weltweite Aufmerksamkeit erlangen. Die Nutzer der Seite reichen einen Link ein, überlegen sich eine griffige Überschrift und überlassen den Rest der Community. Die kann das Video, den Artikel oder das Bild bewerten. Reddit gehört zum selben Medienkonzern wie Condé Nast, dem Verlag der "Wired".

"Hi, ich bin Barack Obama"

Der US-Präsident befindet sich in guter Gesellschaft, gerade erst beantworteten Nasa-Mitarbeiter Fragen zur Mars-Mission "Curiosity". Ursprünglich ging es bei den Fragerunden darum, dass sich Menschen mit interessanten Lebensläufen oder Erlebnissen ausfragen lassen: Ich bin ein Mensch, der durch Nordkorea reiste, ich bin ein Holländer, der auf einem Hausboot lebt, ich bin der legendäre Talkshow-Moderator Larry King, ich bin der Schauspieler Zach Braff.

Oder eben: "Hi, ich bin Barack Obama, der Präsident der Vereinigten Staaten. Fragt mich alles." Zum Beweis seiner Echtheit schickte er ein Foto über seinen offiziellen Twitter-Account. Rund eine halbe Stunde hat die Online-Fragerunde gedauert, zehn Fragen hat Obama beantwortet. Hier ein Auszug aus dem Schwarm-Interview:

"Die Ideen der anderen Partei funktionieren nicht"

Was wollen Sie tun, um den korrumpierenden Einfluss von Geld in der Politik zu bekämpfen?

Obama: "Es kann nicht sein, dass im Wahlkampf Schecks mit sechs- oder siebenstelligen Summen ausgestellt werden und der Spender ungenannt bleibt. Wir müssen endlich den 'Disclose Act' einführen, um Klarheit darüber zu besitzen, wer das Geld an wen gibt."

Was war Ihre schwerste Entscheidung?

Obama: "Die US-Truppen in Afghanistan aufzustocken. Jedes Mal, wenn man tapfere Männer und Frauen in den Krieg schickt, weiß man, dass einige davon nicht lebend zurückkehren werden, und das lastet zwangsweise schwer auf einem ... Der Einsatz wird bis 2014 beendet sein."

Ich habe gerade mein Studium beendet, ich bin jetzt Jurist. Ich bin trotzdem arbeitslos und habe einen Schuldenberg angehäuft. Was können Sie Leuten wie mir noch an Hoffnungen anbieten in Ihrer zweiten Wahlperiode?

Obama: "Die Gesundheitsreform erlaubt es jungen Menschen, über ihre Eltern versichert zu sein, bis sie 26 sind. Das Gesetz über Studenten-Darlehen nimmt jungen Leuten ein wenig von der Schuldenlast von ihren Schultern. Aber am wichtigsten ist ein wachsender Mittelstand ... Die Ideen der anderen Partei - mehr Steuerkürzungen für Reiche, weniger Vorschriften für die Wall Street - diese Ideen wurden bereits ausprobiert. Sie haben nicht funktioniert. "

Wie schaffen Sie es, die Balance zu halten zwischen Ihrem Präsidentendasein und ihrem Familienleben?

Obama: "Es ist schwer. Es gibt ehrlich gesagt nur eine Sache neben der Arbeit, die wichtig ist, und zwar Zeit mit meiner Frau Michelle und den Kindern zu verbringen. Aber mein großer Vorteil ist es, dass ich im oberen Stockwerk lebe - ich muss nicht pendeln!"

Was ist das Geheimrezept für das Bier, das im Weißen Haus gebraut wird?

Obama: "Das wird bald veröffentlicht! Ich kann aus erster Hand sagen, dass es lecker schmeckt."

Ist die Freiheit im Internet ein Bereich, den Sie auf die Agenda der Demokraten setzen werden?

Obama: "Ich weiß, dass die Freiheit im Netz etwas ist, für das ihr euch ausgesprochen aktiv interessiert. Das tue ich auch. Wir werden dafür kämpfen, dass das Internet ein offenes Forum für jedermann bleibt."

Eine Zusammenstellung von allen zehn Fragen und Antworten finden Sie hier (englisch).

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insgesamt 2 Beiträge
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1. White-House-Beer
spon-facebook-1169485720 30.08.2012
Das fehlte ja noch. Vernünftige Politik wäre ja auch was.
2. Four Years are not enough!
allesklaerchen 31.08.2012
Ich würde mir wünschen, die Amerikaner hätten den Mut und das Vertrauen Obama mehr Zeit zu geben um die begonnenen Veränderungen durchzusetzen. Vier Jahre sind ein sehr kurzer Zeitraum, seine Ideen umzusetzen, vor allem auch weil er ein schweres Erbe von Bush übernommen hat (der Schuldenberg, der ihm von der anderen Seite nun angekreidet wird, geht doch nicht allein auf sein Konto) und die Republikaner haben ihn durch Ihre Vormachtstellung im Kongress auch ständig blockiert. Die Amerikaner sollten in Ihr Herz schauen und nicht nur in den Geldbeutel. Davon abgesehen glaube ich nicht, dass der Durchschnittsbürger in Amerika durch Romney auch nur einen Cent mehr in der Tasche haben wird.
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