"Ich habe gewählt" Obama profitierte von Facebook-Wahlaufruf

Am Tag der Präsidentschaftswahl dürfte Barack Obama auch eine Facebook-Aktion geholfen haben. Das weltgrößte Online-Netzwerk hatte neutral formulierte Wahlaufrufe an seine Mitglieder geschaltet. Unter den Anhängern der Demokraten war das Echo darauf am größten.

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Facebook-Webseite: Neun Millionen Menschen klickten auf "Ich habe gewählt"
REUTERS

Facebook-Webseite: Neun Millionen Menschen klickten auf "Ich habe gewählt"


Berlin - Wir machen gern, was unsere Freunde tun. Und was unsere Freunde mögen, gefällt uns in der Regel ebenso. Deshalb verbringen wir gern viel Zeit mit Freunden - und wenn das nicht geht - dann zumindest auf Plattformen wie Facebook.

Netzwerkforscher wie James Fowler haben untersucht, wie groß die Macht der Freunde ist und welchen Einfluss jeder einzelne von uns auf seine Freunde hat. Bei einer US-Wahl im Jahr 2010 konnte Fowler sogar zeigen, dass ein millionenfaches Bekenntnis auf Facebook ("Ich habe gewählt") Tausende Menschen an die Wahlurnen treibt, die das ansonsten nicht getan hätten. Fowlers Forscherteam hatte bei dem Experiment mit Facebook zusammengearbeitet, ohne tatkräftige Hilfe der Plattform wäre es überhaupt nicht möglich gewesen.

Bei der Präsidentschaftswahl am 6. November 2012 hat Facebook wieder den Button "Ich habe gewählt" geschaltet. Immerhin neun Millionen Facebook-Mitglieder klickten auf den Knopf, wie das Unternehmen nun in seinem Blog mitteilt. Und die Interpretation der Daten lässt kaum einen anderen Schluss zu: Die Aktion dürfte Barack Obama zusätzliche Stimmen beschwert haben.

Dass die Demokraten davon eher profitierten als die Republikaner, lässt sich aus den Statistiken nicht direkt ableiten - wohl aber indirekt. Zum einen sind Facebook-Mitglieder jünger und wählen daher eher demokratisch als republikanisch.

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Netzwerk-Experiment: Kumpel, geh wählen
Zum anderen offenbaren Millionen Mitglieder der Plattform ihre politische Einstellung in ihrem Profil. Mitt Romney hat fast 12 Millionen Fans weltweit, Barack Obama über 33 Millionen. Facebook konnte so bei seinen Nutzern in den USA messen, welche Anhängerschaft wie stark auf den Button "I voted" anspricht. Und das waren eindeutig die Fans der Demokraten. 18 Prozent der Obama-Anhänger klickten auf den Knopf, unter den Republikanern lag die Quote bei 15 Prozent.

Was bedeutet das? Unterstützer der Demokraten bekannten sich häufiger als Unterstützer der Republikaner dazu, gewählt zu haben. Wenn man zugleich annimmt, dass der Gruppendruck, wählen zu gehen, in beiden Lagern eine vergleichbare Wirkung entfaltet, dürften die neun Millionen Wahlbekenntnisse mehrheitlich Obama genützt haben und nicht seinem Herausforderer Mitt Romney.

Dass die Botschaft "Ich habe gewählt" tatsächlich mehr Menschen dazu bringt, ihre Stimme abzugeben, konnte Fowlers Team bei der letzten Kongresswahlen 2010 mit einer umfangreichen Datenanalyse beweisen. Den Forschern standen nicht nur die Daten von Millionen Facebook-Mitgliedern zur Verfügung, sondern auch Informationen aus öffentlichen Wählerverzeichnissen, zum Beispiel aus den Bundesstaaten Arkansas, Kalifornien, Florida und New York. So kannten die Wissenschaftler von Millionen Amerikanern Name sowie das Geburtsdatum und wussten, ob diese am 2. November 2010 tatsächlich wählen waren oder nicht. Schließlich konnten sie beide Datensätze übereinanderlegen und gezielt auswerten.

60 Millionen Mitglieder der Plattform hatten das Wahlbekenntnis am Tag der Kongresswahl im November 2010 auf Facebook zu Gesicht bekommen. Nach den Hochrechnungen der Forscher war die Wahrscheinlichkeit, wählen zu gehen, durch den Wahlaufruf um 0,4 Prozent erhöht. Das klingt nicht spektakulär, es handelte es sich dabei aber um mehr als 300.000 Menschen, die ansonsten nicht zur Wahl gegangen wären.

Dass der Effekt bei der diesjährigen Wahl größer als 300.000 Stimmen gewesen sein dürfte, legt der Vergleich zweier Zahlen nah: 2010 klickten rund 1,3 Millionen User auf den Button "Ich habe gewählt, bei den Wahlen 2012 waren es laut Facebook über 9 Millionen. Wenn man ähnliche Verhältnisse annimmt wie 2010, könnte der Aufruf also durchaus 2 Millionen zusätzliche Stimmabgaben provoziert haben. Obama holte bei der Wahl übrigens 3,5 Millionen Stimmen mehr als Romney.



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