Preisvergleich im Netz Jäger des vermeintlichen Schnäppchens

Preisvergleichsportale im Internet versprechen die automatisierte Suche nach dem besten Angebot. Aber halten sie auch, was sie versprechen? Und ist billig wirklich immer besser? Jörg Noll hat Preisdetektive ausprobiert - und sich dabei dusselig gesucht.


Irgendwie sind wir alle ein bisschen Lukas: Lukas liebt Schnäppchen. Die Schnäppchen-Dealer lieben Lukas, den imaginären Prototypen des Online-Shoppers. Und doch: Glücklich werden sie nicht miteinander.

Preisvergleichsseiten: Automatisch sparen?
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Preisvergleichsseiten: Automatisch sparen?

Sagen wir, der Lukas in uns allen möchte sich ein neues Telefon kaufen. Er liebäugelt mit dem iPhone. Das ist mächtig teuer, und Lukas hat wenig Geld. Also durchforstet er das Internet, auf der Suche nach günstigen Angeboten. Immerhin buhlen zig Preisvergleichsportale um seine Gunst.

Seine erste Anlaufstelle ist die Produktsuche von Google. Lukas gibt "iPhone" in die Suchmaske ein - und erschrickt über die Treffermenge. Bis vor wenigen Tagen waren hier auf den vorderen Listenplätzen ausschließlich Zubehörartikel anzutreffen. Die annoncierte "Sortierung nach Relevanz" fand nicht statt. Inzwischen häufen sich auch Angebote für das Handy selbst. Doch erstens muss man das Teil unter all den anderen erst einmal finden, und zweitens ist es teuer, denkt Lukas, und lässt die Resultate nach Kaufpreis absteigend sortieren: Im Falle des teuren Handys ist das logisch, weil so die billigen Zubehörteile, für die er sich nicht interessiert, erst auf den hinteren Seiten erscheinen.

Das Resultat: Lukas bekommt prompt einen Porsche 911 angeboten, für schlappe 129.000 Euro. Für Lukas ist das zu viel, für Google in Ordnung, schließlich besitzt das Gefährt eine - wie auch immer geartete - "iPhone-Vorbereitung". Intelligenz ist bei Maschinen und Software eben ein relativer Begriff und keine Schnäppchenseite und Produktsuche so gut, wie sie zu sein vorgibt.

Zugute halten könnte man der Produktsuche, dass sie sich noch immer in der Beta-Testphase befindet. Und wenigstens teilweise löst sie ihr Versprechen auch ein: "Über die Google Produktsuche können Sie alles finden - von gewöhnlichen Produkten zum günstigsten Preis bis zu den außergewöhnlichsten Produkten."

Auf der Preisvergleichseite der "PC Welt" fiel das Ergebnis ebenso düster aus. Zwölf Zubehörteile aus der Kategorie "Kopfhörer" fand sie im Test - aber kein Telefon. Wenigstens die "Auto-Halte-Vorrichtungen" fand Lukas (ohne Abbildungen) bei der Preissuchmaschine wieder. Beim Idealo-Preisvergleich gab es auch Handytaschen als Antwort auf die Suchanfrage "iPhone" - auch schön, aber leider irrelevant. Das Layout von Guenstiger, Geizkragen, Preistrend und den Preispiraten ließ ihn schnell weiterklicken. Auch der Besuch des Schottenlands war deprimierend; hier sparte man an Vorschaubildern und Kategorieübersichten.

Es geht besser

Aufgeräumter und übersichtlicher präsentierten sich andere Sites. Bei Heise hieß es etwa: "Es wurden Treffer in mehr als 10 Kategorien gefunden, bitte suchen Sie innerhalb der folgenden Kategorien oder verfeinern Sie Ihre Suche mit mehr Suchbegriffen."

Die Auflistung der Kategorien erspart dem Suchenden immerhin die Auto-Halterungen und Häkeltaschen. Billiger.de arbeitet ähnlich. Auch nicht verkehrt bezüglich Übersichtlichkeit die Ergebnisse von Evendi.de, Preis.de, Getprice.de und Preisvergleich. Ärgerlich ist beim letztgenannten jedoch, dass man aufgrund mehrzeiliger Sponsored-Links den Nutzer zum Scrollen zwingt.

In der Theorie ist das alles anders und einfacher - bei Google frohlockt man etwa: "Fast sofort, nachdem Sie einen Suchbegriff eingegeben haben, sehen Sie Fotos von relevanten Produkten und Links zu Shops, die diese Produkte verkaufen. Klicken Sie auf ein Produkt und lassen Sie sich direkt zu der Website leiten, auf der Sie das Produkt kaufen können."

Das nennt man wohl Optimismus.

Eine Meta-Suchmaschine täte Not. Dem Namen nach macht das Meta-Preisvergleich. Interessanter Ansatz, aber magere Ausbeute: Für das iPhone wurden "286 Ergebnisse aus 19 Quellen" gefunden (siehe Bildergalerie).

Tatsächlich ist die Schnäppchensuche eine mühsame Angelegenheit. Wo Preise günstig erscheinen, findet man sie kaum, wo die Treffermenge praktisch aufbereitet ist, sind Auswahl oder Ersparnis oft unzureichend. Es ist ein Elend.

Mancherorts wird die Verfügbarkeit des Produkts beim Händler nicht angezeigt respektive schlecht synchronisiert. Oder es fehlen Angaben zu den Versandkosten. Alles auf einen Blick? Das ist offenbar zu viel verlangt.

Es kommt einerseits auf die Größe an, in diesem Fall auf die Anzahl der Treffer, aber auch auf die Technik, in diesem Fall auf die Relevanz der Ergebnisse und ihre übersichtliche Sortierung. Und Geschwindigkeit alleine bringt nichts. Beispiel Preisroboter: Binnen 0,7 Sekunden findet der 3558 Ergebnisse für den Suchbegriff. Lässt man pro Seite zehn anzeigen, klickt man 356 Mal, um sicher zu sein, kein Schnäppchen zu verpassen. Aber ist es das, was man will? Wohl kaum.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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Seite 1
spotzel 29.09.2008
1. Ich vermisse geizhals.at
Ich benutze seit Ewigkeiten http://geizhals.at/deutschland/ als preissuchmaschine und bin eigentlich sowohl was die gefundenen Preise als auch die suchfunktionen, zB die inzwischen implementierten Filter, angeht, äußerst zufrieden. Insofern hätte man die Seite durchaus auch noch testen können ;)
RogerT 29.09.2008
2. Vieles kann man nur noch im Internet kaufen
---Zitat--- Wer das Glück hat, einen guten Händler seines Vertrauens zu kennen, wird ihm treu bleiben wollen, nicht zuletzt wegen unbezahlbaren Services und Kulanzleistungen. ---Zitatende--- Viele Dinge, die nicht so alltäglich bzw. Massenware sind, kann man mittlerweile fast nur noch im Internet kaufen. Es gibt bei den Fachhändlern vor Ort keine Spezialitäten mehr, nur noch Massenartikel, die sich schnell abverkaufen. Sei es eine Digiknipse der etwas teureren Art oder ein TV Gerät abseits des Massenschrotts...ich wäre durchaus bereit, dafür etwas mehr zu bezahlen, wenn ein Händler die Geräte auch vorrätig hätte und ich die gleich mitnehmen könnte. So muss ich im Internet kaufen, sonst bekomme ich die Sachen nicht. ---Zitat--- Lukas jedenfalls kauft sein Telefon in seinem Stammshop im Internet. Man muss es auch einmal gut sein lassen, der Bequemlichkeit den Vorzug einräumen. ---Zitatende--- Es ist nicht nur eine Sache der Bequemlichkeit, sondern auch der Sicherheit. Wer zweimal hintereinander bei "seriösen" Händlern reingefallen ist, kauft nur noch bei Händlern, die er kennt und denen er vertraut - die dürfen dann auch mal etwas teurer sein, als ein vermeintliches Schnäppchen...
Crom 29.09.2008
3. idealo.de
Weiß nicht, was der Autor für ein Problem mit Idealo.de hat, hier kann man auch nach Kategorien suchen und danach bequem nach Preis sortieren lassen. Beispiel iPhone: http://www.idealo.de/preisvergleich/ProductCategory/4533.html Das doch übersichtlich, warum allerdings das LG auch abgebildet ist, weiß ich nicht.
MarioGraul 29.09.2008
4. jaja die Intelligenz
Intelligenz ist bei Maschinen und Software eben ein relativer Begriff. Aber anscheinend nicht nur dort. Wie sonst kommt man auf die Idee gerade nach dem iPhone, das es in Deutschland offiziell nur von den Telekomikern und nur per Vertrag gibt. Das heist es gibt einen einzigen Anbieter und 3 Tarife. Das die Preissuchmaschinen nur Zubehör ausgeben erscheint da irgendwie logisch oder? Preissuchmaschinen eignen sich sowiso nur für Internet-Versandartikel. Besonders gut, bei Computerzubehör und diversen Video und Fotokram. Ich habe schon viel damit gespart manchmal zeigen sie aber auch auf, das die Digitalkamera beim Elektronikmarkt um die Ecke nur 20 Euro teuer ist und man spart sich die Versandkosten und kann sich das Teil vorher noch mal anschauen. Die Intelligenz, sollte sich vor allem beim Nutzer der Preisvergleichsportale abspielen, eine gute Abfrage und ein vorheriges Nachdenken, siehe iPhone, ist da die halbe Miete.
NorQue, 29.09.2008
5. Layout?!
Bitte?! Was ist das denn für ein Test, wenn Seiten aufgrund des Layouts ausgeschlossen werden? Mit den ausgeschlossenen Seiten habe ich jedenfalls früher gute Erfahrungen gemacht. Wie verquer muss man eigentlich denken um so zu testen? Warum erwartet der Autor nur mit 08/15-standard-Web-2.0-Layout gute Ergebnisse? Dem Fazit kann ich mich zwar anschließen, das Ausschlusskriterium "Layout" jedoch hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack.
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