Prism-Skandal: Google will Geheimdienstabfragen vollständig offenlegen

Der Internetkonzern Google wehrt sich gegen das Geheimhaltungsgebot in der Prism-Affäre. Mit Verweis auf die US-Verfassung verlangt der Konzern jetzt offiziell, konkret veröffentlichen zu dürfen, wie oft die NSA Daten anfordert.

Google-Zentrale (in New York): "Rückschritt für die Anwender" Zur Großansicht
REUTERS

Google-Zentrale (in New York): "Rückschritt für die Anwender"

Hamburg/Washington - Beim Besuch von US-Präsident Barack Obama in Berlin wird es auch um die Abhör- und Schnüffelaktivitäten von US-Geheimdiensten gehen. Der Präsident selbst bezeichnete das Verfahren, nach dem sich die National Security Agency (NSA) Zugriff auf Nutzerdaten verschafft, in einem Interview noch am Wochenende als "transparent". Die betroffenen Internetkonzerne, für die die Prism-Enthüllungen ein PR-Albtraum sind, sehen das anders.

Google hat nun beim amerikanischen Foreign Intelligence Surveillance Court (Fisa) einen besonderen Antrag eingereicht. Der Internetkonzern fordert das für Geheimdienstfragen zuständige Gericht auf, ihm zu erlauben, Angaben über die Zahl von Auskunftersuchen durch US-Geheimdienste zu veröffentlichen. Bislang sind diese Daten als geheim eingestuft.

In seinem Schriftsatz beruft sich der Konzern unter anderem auf den Ersten Zusatzartikel zur amerikanischen Verfassung, der das Recht auf Redefreiheit schützt.

Andere Internetunternehmen wie Apple, Facebook, Microsoft und Yahoo haben bereits Zahlen zu Auskunfts- und Löschanfragen veröffentlicht, ohne dabei jedoch ins Detail zu gehen, wie viele Anfragen beispielsweise von welcher Behörde kamen. Google hatte dieses Verfahren kritisiert und als einen "Rückschritt für die Anwender" bezeichnet, weil es die Daten verwässere. Erst wenn die Erlaubnis vorliegt, die Gesamtzahlen nach Antragstellern aufzuschlüsseln, will der Konzern seine Zahlen nennen.

Ein Google-Sprecher sagte, größere Transparenz sei nötig. "Also haben wir heute den Foreign Intelligence Surveillance Court gebeten, uns zu erlauben, genaue Zahlen darüber zu veröffentlichen, wie viele Geheimdienstanfragen wir bekommen und wie viele davon vom Fisa-Gericht stammen." In dem Antrag beklagt Google, schon jetzt seien Ruf und Geschäft durch die Berichterstattung der Medien beschädigt. Die "Washington Post" und der "Guardian" werden explizit als Quellen "irreführender" und "falscher" Berichterstattung genannt. Beide Zeitungen hatten zunächst berichtet, die NSA habe direkten Zugriff auf Googles Server.

Snowden will nach Island

Unterdessen hat Edward Snowden, der Mann der den Skandal um das NSA-Überwachungsprogramm Prism öffentlich machte, einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge informell um Asyl in Island gebeten. Der isländische Journalist und WikiLeaks-Aktivist Kristinn Hrafnsson schreibt im "Frettabladid", er habe bereits am 12. Juni eine entsprechende Nachricht von Snowden erhalten.

Die isländische Regierung bestätigte Hrafnssons Hinweis, machte aber keine Angaben dazu, ob sie der Bitte nachkommen wolle. Bislang liege kein formeller Asylantrag vor, Hrafnsson habe lediglich Mitarbeiter von Ministerien persönlich kontaktiert.

Er wolle nicht direkt nach Island reisen, hatte Snowden am Montag dem "Guardian" erklärt. Das Land mit nur 320.000 Einwohnern könnte sich verstärktem Druck seitens der USA ausgesetzt sehen, ihn auszuliefern. Dieser Druck "könnte schneller und härter sein, als die Öffentlichkeit imstande ist, sich eine Meinung zu bilden".

meu

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 29 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. vorteilhaft ausnutzen
RogerT 19.06.2013
Zitat von sysopREUTERSDer Internetkonzern Google wehrt sich gegen das Geheimhaltungsgebot in der Prism-Affäre. Mit Verweis auf die US-Verfassung verlangt der Konzern jetzt offiziell, konkret veröffentlichen zu dürfen, wie oft die NSA Daten anfordert. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/prism-skandal-google-will-nsa-anfragen-veroeffentlichen-a-906582.html
Ok, das wäre der offizielle Weg - aber Google ist stark genug hier etwas mehr Zivilcourage zu zeigen und die Anfragen einfach zu veröffentlichen. Ich glaube kaum, dass die NSA oder sonstwer in den USA heute noch an Google einfach so vorbei kommt bzw. denen einfach mal so ans Bein pinkeln könnten; die haben bei Google inzwischen eine ganz schöne Macht angehäuft, das kann man auch mal vorteilhaft ausnutzen.
2. Erst die Kunden anlügen
carolian 19.06.2013
und nun, da es nicht mehr zu verheimlichen ist, das anbieten, was alle schon wissen. Dabei geht es darum überhaupt nicht mehr. Es geht um die Betriebssoftware Android und ob Google mit Updates über das Betriebssystem selbst (und den beschafften ID-Nummern) den US-Geheimdiensten direkten Zugang zu allen Geräten, die über Android laufen, verschafft hat. Dafür brauchen die Geheimdienste Google nicht mehr, nun klinken sich selbst über die ID ein. So kann man die Mikrophone der Smartphones als Wanzen für die gesamte Umgebung nutzen und die Kameras für intimere Details für Erpressungen. Der Spiegel wird den Teufel tun, hier investigativen Journalismus zu betreiben und seinen besten Zahler zu verprellen. Es ist ja nun wirklich auffällig , dass ca. seit dem Kosovo-Krieg der Spiegel keinen Journalismus mehr betreibt, sondern nur noch gefällige Nachrichten veröffentlicht.
3. Man sägt den Ast auf dem man sitzt.
take02 19.06.2013
Seit PRISM wird als Suchmaschine eben https://duckduckgo.com/ verwendet, auf Cloud-Dienste sowieso verzichtet, MS Office-Produkte sobald als möglich in unserer Firma ersetzt und als Mobiltelefone nebst OS werden kanadische verwendet Obama soll doch nicht so blöd sein und denken ich finanziere seine Abhörmaßnahmen gegen mich auch noch mit. Und das alles im Zuge der Terrorismusbekämpfung, dass ich nicht lache.
4. So oder anders
Bengurion 19.06.2013
Zitat von take02Seit PRISM wird als Suchmaschine eben https://duckduckgo.com/ verwendet, auf Cloud-Dienste sowieso verzichtet, MS Office-Produkte sobald als möglich in unserer Firma ersetzt und als Mobiltelefone nebst OS werden kanadische verwendet Obama soll doch nicht so blöd sein und denken ich finanziere seine Abhörmaßnahmen gegen mich auch noch mit. Und das alles im Zuge der Terrorismusbekämpfung, dass ich nicht lache.
das ist die eine Möglichkeit, die andere, es zum "Information-Overload" kommen zu lassen: Jeglichen Beitrag im Netz, jegliche Email mit entsprechendem Text in der Signatur würzen und die Datensammler dieser Welt an Ihrem Dreck ersticken lassen. Beispiel: "Jene, die Freiheit aufgeben, um eine vorübergehende Sicherheit zu erwerben, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit.“ (Benjamin Franklin, 1706–-1790) - Bei dem Wetter hat man eine bombige Stimmung, nachher mal in einer Eisdiele aufschlagen, um eine Eis-Bombe zu ordern, dann ein Anschlag an der Haustür: bin entweder im kalten Bunker oder im Schwimmbad!"
5. Google - Be evil
tatwort 19.06.2013
Neben den "Prism"-Anfragen, von denen Google ja gemäss eigenen Aussagen nichts weiss, gibt es noch die Server-Räume, wie sie Klein für AT&T beschrieben hat - jene Räume, in welche die Daten gespiegelt werden. Von daher macht der Ausdruck "Prism" Sinn und verdeutlicht, dass es hier um mehr als ein paar Anfragen geht - es geht darum, die Datenströme aufzuteilen. Google, Apple, Microsoft, Yahoo und all die anderen US-Firmen, welche mit der NSA zusammenarbeiten, können auf das schlechte Gedächtnis der UserInnen zählen. Und Medien, die sich statt auf Recherche auf das Rapportieren der neuesten Schweiss-Flecken irgend welcher Stars konzentrieren, spielen als willfährige Helfer mit - es sei nur daran erinnert, wie SPON sich beim Aufdecken des PRISM-Skandals wie ein Jubelperser verhielt und sofort eine Google-lebe-hoch-als-Arbeitgeber-Story online stellte.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Web
RSS
alles zum Thema NSA-Programm Prism
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 29 Kommentare

Netzwelt auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel.



Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon kaufen.