Privatfotos im Netz Geheimdienstchef in Badehose

Facebook-Gate in Londons High Society: Weil die Ehefrau des britischen Uno-Botschafters John Sawers peinliche Badefotos für jedermann im Internet einsehbar machte, hat ihr Mann jetzt mächtig Ärger. Neuer Geheimdienstchef soll er aber trotz der Datenpanne werden.

Von


Sein Job verpflichtet zu absoluter Geheimhaltung, doch mit welchen Schauspielern er verkehrt, welche Badehose er trägt und wo er wohnt, weiß jetzt ganz Großbritannien: Sir John Sawers, britischer Uno-Botschafter und designierter Chef des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6, erlebte Ende der Woche einen privaten Datengau.

Ups! Die Frau des britischen Karrierediplomaten John Sawers machte die Badefotos ihres Mannes im Internet öffentlich
REUTERS

Ups! Die Frau des britischen Karrierediplomaten John Sawers machte die Badefotos ihres Mannes im Internet öffentlich

Sawers Ehefrau Shelley veröffentlichte in ihrem Profil des sozialen Netzwerks "Facebook" private Fotos und Informationen, die die Sicherheit des 53-jährigen Karrierediplomaten und seiner Familie gefährden könnten, schrieb die Tageszeitung "Mail on Sunday", die eine lange Reihe der Bilder in ihrer aktuellen Ausgaben abdruckte.

Einige Fotos zeigen Sawers in Badehose am Strand, auf einem weiteren Bild posiert er mit Weihnachtsmannmütze in New York. Zu sehen sind weiter Sawers Ehefrau und seine Tochter, die auf Stühlen stehen und eine Szene aus dem Musicalfilm "Cabaret" nachspielen. Außerdem machte Shelley Sawers ihre Freundschaft mit den britischen Schauspielern Moir Leslie and Alister Cameron öffentlich, ein Bild zeigt die beiden am Strand, laut der Bildunterschrift im gemeinsamen Urlaub mit den Sawers. Außerdem soll die Lage der Londoner Wohnung der Familie aus den Daten ersichtlich gewesen sein.

Außenminister Miliband nimmt den Diplomaten in Schutz

Shelley Sawers hatte ihre komplette Facebook-Seite allen Benutzern im 200 Millionen Mitglieder starken Netzwerk "London" zugänglich gemacht und in den Privacy-Einstellungen keine Einschränkungen gesetzt. Bis Freitag waren Bilder und Details über die Familie Sawers frei zugänglich, berichtet die Internet-Seite des "Guardian". Nachdem Journalisten das Außenministerium kontaktiert hatten, wurde die Seite allerdings gelöscht.

Einige Oppositionsabgeordnete sprachen von einem Verstoß gegen die Sicherheitsrichtlinien, andere nannten den Vorfall beschämend. Ein Sprecher der liberalen Partei forderte Regierungschef Gordon Brown auf, die Ernennung von Sawers zum Geheimdienstchef zu überprüfen.

Der britische Außenminister David Miliband nahm Sawers gegen die Angriffe in Schutz. Der ehemalige Sondergesandte im Irak und Ex-Botschafter in Kairo sei ein "herausragender Fachmann", sagte Miliband der BBC.

Der Außenminister ergänzte, es sei "kein Staatsgeheimnis, dass er eine Badehose der Marke 'Speedo' trägt". Er sähe nicht, dass wichtige Geheimnisse verraten worden seien und attackierte seinerseits die Medien, weil sie Sawers Familie in die Angelegenheit "hineingezogen" hätten.

Der Chefposten beim MI6, für den der Karrierediplomat Sawers vor zehn Tagen nominiert worden war, ist der prominenteste Job im britischen Geheimdienstwesen. Der Dienst ist auch für die Terrorismusabwehr auf der Insel zuständig. Bis in die neunziger Jahre galt sogar der Name des MI6-Chefs, mit Codenamen "C" genannt, als Staatsgeheimnis.

mit Material von AP und dpa

Mehr zum Thema


Forum - Privates im Netz - ein Sicherheitsrisiko?
insgesamt 46 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Acalot 05.07.2009
1.
Zitat von sysopAusgerechnet der designierte Geheimdienstchef des britischen MI6 erlebte den privaten Datengau. Die Ehefrau des britischen Uno-Botschafters John Sawers stellte peinliche Badefotos für jedermann sichtbar ins Internet. Ab wann wird Privates im Netz zur Gefahr für öffentliche Personen?
Es ist auf jedenfall ein Sicherheitsrisiko wenn man persönlihce Daten ins Netz stellt. Die Tatsache die viel eher Schockiert ist das es gerade Leuten wie dem MI6 Chef nicht klar ist dass das gefährlich ist.
Putzer, 05.07.2009
2.
Zitat von sysopAusgerechnet der designierte Geheimdienstchef des britischen MI6 erlebte den privaten Datengau. Die Ehefrau des britischen Uno-Botschafters John Sawers stellte peinliche Badefotos für jedermann sichtbar ins Internet. Ab wann wird Privates im Netz zur Gefahr für öffentliche Personen?
Wieso beschränkt sich diese Gefahr nur auf "öffentliche Personen"? Das betrifft jeden, der im Internet unterwegs ist.
bürger mr 05.07.2009
3.
Zitat von AcalotEs ist auf jedenfall ein Sicherheitsrisiko wenn man persönlihce Daten ins Netz stellt. Die Tatsache die viel eher Schockiert ist das es gerade Leuten wie dem MI6 Chef nicht klar ist dass das gefährlich ist.
Hallo ?! , das war doch seine (dusselige) Frau, wer weiß denn aus welchen Gründen er Sie geehelicht hat ?. Wenn sich die Berufliche Zukunft eines Mannes ausschließlich über seinen verfehlten Frauengeschmack definiert, dann sollten wir den Laden aber bitte gleich dicht machen.
Acalot 05.07.2009
4.
Zitat von bürger mrHallo ?! , das war doch seine (dusselige) Frau, wer weiß denn aus welchen Gründen er Sie geehelicht hat ?. Wenn sich die Berufliche Zukunft eines Mannes ausschließlich über seinen verfehlten Frauengeschmack definiert, dann sollten wir den Laden aber bitte gleich dicht machen.
Oh, das mit der Frau hab ich übersehen....mein Fehler.
Silverhair, 05.07.2009
5.
Ein Sicherheitsrisiko? http://einestages.spiegel.de/external/ShowTopicAlbumBackground/a2298/l0/l0/F.html#featuredEntry Was so alles im Laufe der Jahrzehnte mit, oder ohne Zustimmung, als "moralisch verwerflich" oder nicht gebrandmarkt wurde war weniger ein "Sicherheitsrisko" als eher ab und zu ein "tiefer einblick" in die obstruse Gedankenwelt mancher Politiker. Ich denke da grad an Berlusconi .. und seine Partys mit "nicht ganz jugendschutzfreien" Bekleidungen .. Welche Obsession jemand pflegt, ist letztendlich seine Privatangelegenheit - daraus entsteht immer nur diverse moralische Entrüstung und Munition für die "Gegner" der Opposition. Aber auch die (Opposition) läßt da tief blicken in ihr eigenes Weltbild - siehe Pauli mit ein paar lack - Handschuhen. Interessant war da eher die geistigen Verknüpfungen die überall produziert wurden, so als hätten die Kritiker da extrem viel Erfahrung mit! PS: Keine Sorge .. Erfahrung haben die Wenigsten Politiker - aber davon mehr als im Übermaß! Vielleicht sollten die Medien echt mal weniger von der Show und moralischen Entrüstung bei "privatem" machen, und einen Blick auf die "Offiziellen Kontakte" werfen. Wenn eine Bätzing Treffen mit sog. Experten aus China + Korea hat - und das dann als Zensur - ups - nein Jugendschutz verkauft mit von handverlesenen Experten zu reden .. dann läßt sich da schon viel besser der Boden des geistigen Denkens und Handelns erkennen! Die privaten Bilder da .. nett, aber unwichtig würde ich sagen!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.