Privatsphäre Die Gefahren des sozialen Netzes

Der Erfolg der großen sozialen Netzwerke beruht nicht zuletzt darauf, dass deren Nutzer mit Begeisterung Privates preisgeben. In einer aktuellen Studie warnt die European Network and Information Security Agency (Enisa) vor falschen Freunden und verfehlter Freizügigkeit.


Im Juni 2007 war MySpace mit 114 Millionen Besuchern laut Internetdienst Alexa eine der fünf meistaufgerufenen Seiten der USA. Das überrascht nicht wirklich: Soziale Netzwerke sind der Boom-Bereich des Netzes, sie bringen zusammen, was bislang nicht wusste, dass es zusammengehört. Sie schaffen eine ganz neue Form von zwischenmenschlichem Austausch, sind Tagebuch, Kalender, Kontaktbörse.

Von wegen anonym: Aus Bits und Bytes lassen sich so viele Informationen ziehen, dass das Bild einer Person entsteht
[M] / AP

Von wegen anonym: Aus Bits und Bytes lassen sich so viele Informationen ziehen, dass das Bild einer Person entsteht

Hier laufen die verschiedenen Netz-Identitäten der Surfer zusammen. Im sozialen Netzwerk entblößt sich der Surfer - in der Hoffnung auf Popularität und Anerkennung. Das Motto der digitalen Netzwerker heißt fast immer: Je mehr Freunde du in deiner Kontaktliste hast, desto wichtiger, einflussreicher und besser bist du. In ihrem Wunsch nach der längsten Freunde-Liste veröffentlichen die User jedoch oft sehr persönliche bis hin zu kompromittierenden Informationen über sich. Und das oft zusammen mit klar erkennbaren Profilfotos.

In der Diskussion um die Gefahren des sozialen Netzes fielen Themen wie ID- und Datenschutzprobleme zu lang unter den Tisch. Nachrichten über Sexualstraftäter mit MySpace-Profilen machten Schlagzeilen, die vermeintlich abstrakte Gefährdung durch die zu freizügige Offenlegung der Privatsphäre nicht. Ein Fehler, glaubt man bei der European Network and Information Security Agency Enisa: Die EU-Agentur legte nun ein 36-seitiges Positionspapier zum Thema vor.

"Nutzer sind sich oft nicht bewusst, wie viele Leute ihre Profile tatsächlich lesen. Das Gefühl von Intimität unter digitalen 'Freunden' führt oft zu unangebrachten oder schädlichen Enthüllungen", heißt es da. Das Enisa-Papier vergleicht soziale Netzwerke mit einer digitalen Cocktailparty - nur dass der Party im Netz vor allem uneingeladene Gäste beiwohnen. Allzu einfach könnten Dritte Netz-Dossiers über Surfer erstellen, dank moderner Techniken sogar ganz automatisch. Mithilfe von Bild- und Gesichtserkennung suchen sie netzweit relevante Informationen zu bestimmen Personen zusammen - das ist nicht nur für zukünftige Arbeitgeber ein Quell interessanter Einsichten.

Nicht, dass dieses Problem noch nicht erkannt worden wäre. Längst bieten Webangebote Dienste zur digitalen Imagepflege an. Allein: Die Pflege der Netz-Persona stößt an ihre Grenzen, wenn User ihre Community-Profile nicht löschen können - oder vermeintliche Freunde kompromittierende Kommentare, Bilder oder Verweise ohne das Einverständnis des Fotografierten veröffentlichen. Und selbst wer sorgfältig darauf achtgibt, möglichst wenig Spuren im Netz zu hinterlassen, scheitert mitunter an allzu kontaktfreudigen Freunden, welche die peinlichen Bilder der letzten Party mit Namen und Links markieren.

Vom Enisa-Papier sollten sich deshalb nicht nur Staaten und Unternehmen angesprochen fühlen, sondern ganz besonders die Nutzer selbst. SPIEGEL ONLINE fasst im Folgenden zusammen, was die EU-Studie als Hauptgefahren der Social Networks benennt.

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