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Privatsphäre: Unerwünschte Anrufe von Yahoo!?

Große Aufregung in der Netzgemeinde: Bei der Anmeldung für einen Yahoo!-Account muss jeder User einige persönliche Daten angeben. Doch darüber hinaus sammelt Yahoo! über seine Partner weitere Daten und hat nun die Sicherheitseinstellungen seiner User eigenhändig geändert.

www.yahoo.com ändert seine Geschäftsbedingungen und verärgert Verbraucherschützer

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Letzte Woche begann Yahoo!, E-Mails mit einer scheinbar lapidaren Nachricht an seine User zu schicken. Die Amerikaner informierten ihre Nutzer darin, dass der Anbieter die Kontoeinstellungen geändert hätte. Der User sei nun einverstanden, Spam-E-Mails, Briefpost oder Telefonanrufe zu empfangen. Die nötigen Daten, die der Provider unter anderem über seine Partner gesammelt hat, wurden dem Nutzerprofil hinzugefügt. Yahoo! weiß also mehr über den User, als der bei der Anmeldung angegeben hatte. Alles halb so wild, sagt Yahoo!. Die Privatsphäre sei nach wie vor gewährleistet und die Änderungen würden erst in 60 Tagen wirksam. Außerdem könne man die Änderungen ja wieder rückgängig machen.

"Respektlose Drecksäcke" oder eifrige Sammler?

Nicht rückgängig machen kann man allerdings die Aufregung, die diese scheinbar kleine Aktion verursacht hat. Es wird nicht ausgeschlossen, dass der Anbieter für die Änderung der Sicherheitseinstellungen verklagt wird. Jason Catlett von "Junkbusters" befürchtet gar, dass Yahoo! mit seiner Politik die gesamte kommerzielle Internet-Branche in Verruf bringen könnte. "Es ist eine Tragödie, wenn die Aktionen eines einzelnen Unternehmens die Leute zu der Schlussfolgerung zwingen, dass alle Internethändler ein Haufen penetranter, respektloser Drecksäcke sind." Die User könnten mehr Probleme als Nutzen im Internethandel sehen.

Unverblümt führt Yahoo! auf seiner amerikanischen Seite auf, was sie alles sammeln: persönliche Daten bei der Registrierung oder Nutzung von Yahoo!-Diensten. Auch wenn man die Seiten der Partner von Yahoo! Besucht, wird gesammelt, was der User eingibt. Mitunter werden die gesammelten Daten zu einem Satz zusammengefügt. So kann ein umfangreiches Bild des Users in der Datenbank entstehen: Name, E-Mail-Adresse, Geburtsdatum, Geschlecht, Postleitzahl, Beruf, Branche und persönliche Interessen können darin stehen. Eventuell gesellen sich auch die ganze Adresse, die Sozialversicherungsnummer und Angaben über das Vermögen dazu.

Kampf dem Spam

In den USA ist nun eine Debatte darüber entstanden, was die kommerziellen Datensammler dürfen und was nicht. Zwar ist es legitim, die Geschäftsbedingungen zu ändern. Doch Rechtsexperten meinen, dass die Geschäftsbedingungen gültig sind, die der User beim Einrichten seines Accounts akzeptiert hat. Auch ist strittig, inwieweit Informationen, die der User einem Partner von Yahoo! anvertraut hat, weitergegeben werden dürfen.

Die US-amerikanische Federal Trade Commission (FTC) gab unterdessen bekannt, wie sie gegen unerwünschte Post und Betrügereien vorgeht. Gemeinsam mit kanadischen Verbraucherschützern und einigen US-Bundesstaaten verwarnen sie die Urheber von Massen-E-Mails und führen Prozesse gegen Netzbetrüger. Darunter sind Anbieter, die das Anti-Anthrax-Mittel Cipro oder Krebsmedikamente ohne Rezept online anpreisen. Auch ein CD-Versand, der seine Lieferungen entweder verspätet oder unvollständig ablieferte, wurde von dieser "International Netforce" vor Gericht gebracht. Der Bedarf an einer solchen "Netforce" ist anscheinend groß: Seit 1998 hat die FTC zehn Millionen Spam-E-Mails auf ihre Sammeladresse weitergeleitet bekommen.

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