Digitales Make-up Das könnt ihr euch app-schminken

Ein neuer Look auf Knopfdruck? Ein japanischer Künstler zeigt, wie das gehen könnte: Er projiziert in Echtzeit digitales Make-up auf das Gesicht eines Models.

Projektionskunst auf den Gesicht eines Models: Sekundenschnelle Wandlung
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Projektionskunst auf den Gesicht eines Models: Sekundenschnelle Wandlung

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Dieses Video ist faszinierend und gruselig zugleich: Ein Frau sitzt ruhig auf einem Stuhl. Mit geschlossenen Augen bewegt sie langsam ihren Kopf hin und her. Plötzlich erscheinen zwei grüne Lichtstrahlen, scheinen ihr Gesicht zu scannen. Als sie Sekunden später erneut erscheinen, geschieht etwas Unerwartetes: Das Gesicht der Frau verändert sich, plötzlich erstrahlen auf ihrem eben noch ungeschminkten Gesicht Lippenstift, Rouge und Make-up. Sekunden später sieht sie schon wieder ganz anders aus.

Das Video ist eine Arbeit des japanischen Filmproduzenten Nobumichi Asai. Seine Profession ist Projektionskunst, das sogenannte Projection Mapping. Eine Kunstform, die von ihren Machern künstlerische und technische Fähigkeiten erfordert.

Das Prinzip: Auf eine räumliche Form werden mit digitaler Hilfe Bilder projiziert, welche die Form verändern oder scheinbar zum Leben erwecken. Manche Künstler nutzen dafür vorgegebene Formen. Asai beispielsweise hat damit schon Gebäude und Werften zu leuchtenden Kunstobjekten gemacht. Andere bauen sich ihre dreidimensionalen Projektionsflächen selbst.

Die Projektionsflächen müssen für derartige Vorhaben exakt vermessen werden, die Daten werden in den Computer übertragen. Der Rechner steuert Projektoren mit Spezialsoftware.

Normalerweise nutzen die Projektionskünstler eckige Gebilde als Projektionsfläche. Deren Geometrie ist leicht in den PC zu übertragen, Farben sind leicht auf klar abgegrenzte Formen zu projizieren. Ein Gesicht dagegen hat eine viel komplexere Geometrie.

Vorher Abbild des Gesichts digitalisiert

Wohl deshalb hatte sich Nobumichi Asai gut auf den Drehtag vorbereitet und einige Vorarbeitet geleistet. So hatte er schon zuvor mit einem 3D-Scanner ein Abbild des Gesichts seines Models in dem Computer digitalisiert. Außerdem fertigte der Künstler aus den 3D-Daten eine Skulptur vom Kopf der Frau an, um daran zu testen, ob und wie gut die Projektion auf einem menschlichen Gesicht funktioniert.

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Projection Mapping: Viel Vorarbeit am Computer

Das Video, das jetzt im Internet zu sehen ist, drehte er schließlich mit einigen Freunden an nur einem Tag - und landete damit einem viralen Volltreffer. Binnen der ersten 24 Stunden wurde der Clip eine Million Mal abgerufen, nach zwei Tagen meldet der Videodienst Vimeo bereits 1,5 Millionen Abrufe.

Doch nur für den Ruhm hat Asai sein Video offensichtlich nicht produziert. Eher scheint es eine Art Beweis zu sein, was möglich ist. Denkbar wäre beispielsweise, die Technik im Theater einzusetzen, um Darstellern sekundenschnell ein neues Aussehen zu verleihen. Wie man die Projektionstechnik auf der Bühne einsetzen kann, hat Asai schon früher gezeigt - nur eben nicht so detailgenau, wie er es heute kann.

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