Projekt Dragonfly Google-Mitarbeiter protestieren gegen zensierte Such-App für China

Google-Angestellte fordern die Unternehmensführung auf, das Projekt Dragonfly nicht weiter zu verfolgen. Die angeblich geplante zensierte Such-App für China würde einen "gefährlichen Präzedenzfall schaffen".

Protest von Amnesty International gegen Googles Projekt Dragonfly
Fernando Alvarado/EPA-EFE/REX

Protest von Amnesty International gegen Googles Projekt Dragonfly


Erneut regt sich bei Google interne Kritik an hauspolitischen Vorgängen. Im Frühsommer hatten mehrere Tausend Mitarbeiter eine Petition gegen Googles Kooperation mit dem US-Verteidigungsministerium im Project Maven unterzeichnet, einige deswegen sogar gekündigt. Anfang November hatten Zigtausende Angestellter in aller Welt aus Protest gegen Googles Umgang mit Sexismusvorwürfen kurzzeitig die Arbeit niedergelegt. Nun verlangen Google-Mitarbeiter zum wiederholten Mal die Beendigung von "Project Dragonfly" - der Entwicklung einer zensierten Such-App für China.

Mehr als 200 Ingenieure, Designer und Manager haben dazu einen offenen Brief unterschrieben, in dem sie Googles Führung dafür kritisieren, bisher nur unzureichend auf die Bedenken von Mitarbeitern sowie Menschenrechtsorganisationen eingegangen zu sein.

"Wir lehnen Technologie ab, die den Mächtigen hilft, die Verwundbaren zu unterdrücken, wo auch immer sie sein mögen", heißt es in dem Brief. Die chinesische Regierung sei "sicherlich nicht die einzige, die bereit ist, die Meinungsfreiheit zu unterdrücken". Das Projekt Dragonfly könnte einen "gefährlichen Präzedenzfall schaffen, der es Google schwerer machen würde, anderen Ländern ähnliche Zugeständnisse zu verweigern".

"Wir verdienen es zu wissen, was wir entwickeln"

Die App für das mobile Betriebssystem Android soll angeblich den Zensurvorschriften der kommunistischen Führung in Peking entsprechen und in China gesperrte Websites und Suchbegriffe etwa zu Menschenrechten, Demokratie oder Religion sperren. Googles normale Suchmaschine ist in China seit 2010 offiziell nicht mehr verfügbar, weil sie den Vorgaben der Regierung entgegensteht. CEO Sundar Pichai hat indes nie einen Hehl daraus gemacht, dass er auf dem großen chinesischen Markt präsent sein will.

Viele der Unterzeichner würden für Google arbeiten, weil sie angenommen hätten, das Unternehmen würde seine Werte über den Profit stellen, heißt es in dem offenen Brief weiter. Das sei aber offenbar nicht länger der Fall. Google sei zu mächtig, um nicht zur Verantwortung gezogen zu werden: "Wir verdienen es zu wissen, was wir entwickeln, und wir verdienen ein Mitspracherecht in so wichtigen Entscheidungen".

Bereits im August hatten mehr als 1000 Mitarbeiter der Geschäftsführung einen Brief geschrieben, in dem sie ihre Bedenken zu dem China-Projekt äußerten. Auch mehrere US-Abgeordnete hatten Informationen zu dem Projekt verlangt.

Googles Management wiederholte auf Anfrage von US-Medien, was es schon zuvor mitgeteilt hatte: Man sei nicht kurz davor, ein Suchprodukt auf den chinesischen Markt zu bringen. Auch von chinesischer Seite heißt es bisher stets, ein entsprechender Google-Dienst sei in absehbarer Zeit unrealistisch.

pbe/Reuters



insgesamt 2 Beiträge
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jana45 28.11.2018
1. google ist gut
Die chinesischen Suchmaschienen - vielleicht funktionieren sie für chinesische Seiten (vermutlich auch nicht sehr gut) - Ergebnisse für anderen Sprachen sind jedoch immer extrem schlecht und unzureichend. So ist es in China etwas schwierig sich aus nichtchinesischen Quellen zu informieren. Das normale Google funktioniert nicht in China (ausser über VPN). Wenn China ein Google zulässt, wenn auch nur zensiert, wäre dies aber trotzdem eine Verbesserung der Informationsfreiheit für die chinesischen Bürger. Sie sind wie die Googlemitarbeiter auch Menschen wie wir alle Menschen sind - Individuen. Es reicht schon, dass der chinesische Staat paranoid und kontrollsüchtig ist - Google sollte dies auch nicht unterstützen - jedoch unter den gegebenen Umstände - ist ein zensiertes Google immernoch besser als kein Google.
MartinS. 28.11.2018
2. ...
Zitat von jana45Die chinesischen Suchmaschienen - vielleicht funktionieren sie für chinesische Seiten (vermutlich auch nicht sehr gut) - Ergebnisse für anderen Sprachen sind jedoch immer extrem schlecht und unzureichend. So ist es in China etwas schwierig sich aus nichtchinesischen Quellen zu informieren. Das normale Google funktioniert nicht in China (ausser über VPN). Wenn China ein Google zulässt, wenn auch nur zensiert, wäre dies aber trotzdem eine Verbesserung der Informationsfreiheit für die chinesischen Bürger. Sie sind wie die Googlemitarbeiter auch Menschen wie wir alle Menschen sind - Individuen. Es reicht schon, dass der chinesische Staat paranoid und kontrollsüchtig ist - Google sollte dies auch nicht unterstützen - jedoch unter den gegebenen Umstände - ist ein zensiertes Google immernoch besser als kein Google.
Immer wieder interessant zu sehen, was man hierzulande denn für schräge Ansichten von China hat. Zwar offensichtlich nicht wirklich viel Ahnung, aber wenigstens eine Meinung. Das ist ja auch schon mal was wert. Ja, google ist geblockt.... aber auch der gemeine Chinese kann sich durchaus englischsprachiger Suchmaschinen bedienen. MS Bing beispielsweise ist zugänglich. Ja, die Ergebnisse werden gefiltert, aber google ist überraschenderweise nicht alleine auf der Welt. Ihnen ist bestimmt auch bewusst, dass auch der Deutsche Staat eine Kontrolle und Zensur von Inhalten fordert. Denn das ist es, worauf die immer wiederkehrende facebook-Problematik im Grunde hinausläuft. In Deutschland sollen Inhalte blockiert werden (gelöscht werden? lol), die andernorts frei zugänglich und legal sind. Aber klar - das sind ja nur die "bösen" Inhalte, bei denen wir beschlossen haben, dass die schlecht sind.
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