Projekt "Dragonfly" Google soll zensierte Suche für China planen

Eine Android-App, die Suchbegriffe wie "Menschenrechte" und "Demokratie" blockiert? Mehreren Medienberichten zufolge will Google mit einer solchen Suchmaschine zurück auf den chinesischen Markt.

Googles Sitz in Peking (Archivbild)
REUTERS

Googles Sitz in Peking (Archivbild)


Google will Medienberichten zufolge eine Suchmaschine auf den chinesischen Markt bringen, die Suchbegriffe wie Menschenrechte, Demokratie oder friedliche Proteste zensiert und den Zugriff auf bestimmte Websites blockiert. Nach den Enthüllungen im US-Portal "The Intercept" bestätigten namentlich nicht genannte Quellen auch der "New York Times" sowie der Nachrichtenagentur Reuters die angeblichen Pläne.

Das Projekt "Dragonfly" habe Google im Frühjahr 2017 begonnen und seit einem Treffen zwischen Konzernchef Sundar Pichai und einem ranghohen chinesischen Funktionär im Dezember beschleunigt, schreibt "The Intercept" unter Berufung auf unternehmensinterne Dokumente und mit dem Vorhaben Vertrauten.

Angeblich gibt es internen Widerstand bei Google

Die App für das mobile Betriebssystem Android sei bereits chinesischen Regierungsstellen vorgeführt worden. Innerhalb der nächsten sechs bis neun Monate könnte Google sie auf den Markt bringen, sofern Peking die Genehmigung erteile, hieß es weiter. Die "New York Times" und Reuters berichten auch von internem Widerstand bei Google gegen das Vorhaben.

Eine zensierte Suchmaschine würde eine Wende in Googles Chinapolitik darstellen: Das Unternehmen hatte sich 2010 zumindest teilweise aus dem großen Markt zurückgezogen, um sich nicht weiter selbst zensieren zu müssen. Auch Facebook, Twitter oder WhatsApp werden dort blockiert. Google und Facebook suchen aber nach einem Zugang zu dem weltgrößten Internetmarkt mit 730 Millionen Internetnutzern.

Ein Google-Sprecher teilte nun mit, das Unternehmen biete eine Reihe von mobilen Apps in China an, unterstütze chinesische Entwickler und investiere in dortige Unternehmen. "Zu Spekulationen äußern wir uns nicht", fügte er hinzu.

EFF: "Google lässt sich benutzen"

Eine staatliche kontrollierte Zeitung in China schrieb laut Reuters allerdings, die Berichte seien nach Angaben "relevanter Stellen" unwahr.

Amnesty-International-Forscher Patrick Poon in Hongkong aber geht davon aus, dass die Berichte stimmen und befürchtet "einen Sieg für die chinesische Regierung". "Es sendet ein Signal, dass sich niemand mehr die Mühe macht, die Zensur herauszufordern." Er fragte auch, wie Google dann die Privatsphäre seiner Nutzer schützen werde: "Wird Google auch einknicken und persönliche Daten herausrücken, sollten die chinesischen Behörden das verlangen?"

Auch die Electronic Frontier Foundation (EFF), die sich für Grundrechte im Internetzeitalter einsetzt, übte Kritik. "Das ist äußerst enttäuschend", sagte Eva Galperin von EFF der "Wired". Die chinesische Regierung benutze Google dann "letztendlich als Propagandawerkzeug - und Google lässt sich benutzen".

Der Aktienkurs von Baidu, dem größten chinesischen Suchmaschinenbetreiber, fiel um 7,7 Prozentpunkte, obwohl die Quartalsergebnisse des Unternehmens besser als erwartet ausgefallen waren.

pbe/dpa/AFP/Reuters



insgesamt 16 Beiträge
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leonmarce 02.08.2018
1.
Google verhält sich opportunistisch. Ohne jedes Rückgrad. Und schleimt sich den Regimen der Welt an, über alle Grenzen von Recht und Anstand hinweg. Aber man muß ja nicht mit Google googeln. Es gibt ja noch Alternativen . . .
ned divine 02.08.2018
2. Wenn dem so ist....
Dass der ohnehin schon milliardenschwere Konzern die zensierte Suche plant, zeigt dass einmal mehr, dass die Werte von einst nichts mehr gelten. Es geht ausschliesslich nur noch um das Geld machen!! Aber das ist wohl der Lauf der Dinge.... Wahrscheinlich gibt's dann auch bald eine von Donald Trump in Auftrag gegebene Suche, die keine "bösen Suchtreffer", die mir ihm in Verbindung stehen, auswirft. Es bleibt spannend.
werner-brösel 02.08.2018
3. Wenn sich dann endlich eine signifikante Anzahl Nutzer fände,
die dann im Westen konsequent Google und Facebook durch Alternativen ersetzt, wäre viel gewonnen. Dann wäre endlich ein Bewusstsein geschaffen, was es bedeutet, wenn diese Konzerne in Ihrem Datenschutzbestimmungen behaupten, sie halten sich an 'geltendes Recht'. Dieses 'geltende Recht' ist nicht mehr wert, als der nächste Geschäftsbericht.
Darwins Affe 02.08.2018
4. Kuschen
Zitat von ned divineDass der ohnehin schon milliardenschwere Konzern die zensierte Suche plant, zeigt dass einmal mehr, dass die Werte von einst nichts mehr gelten. Es geht ausschliesslich nur noch um das Geld machen!! Aber das ist wohl der Lauf der Dinge.... Wahrscheinlich gibt's dann auch bald eine von Donald Trump in Auftrag gegebene Suche, die keine "bösen Suchtreffer", die mir ihm in Verbindung stehen, auswirft. Es bleibt spannend.
1) Google macht nach, was die Regierungen vormachen: Man kuscht für wirtschaftliche Vorteile. 2) Nicht Donald Trump sondern eure deutsche Regierung hat mit dem NetzDG ein Zensurgesetz erlassen. 3) Mad Donald versucht immerhin, den abgeschotteten chinesischen Markt aufzubrechen.
FritzR. 02.08.2018
5. „Don‘t be evil“ abgeschafft
Vielleicht haben sie deswegen vor einiger Zeit das bisherige Firmen-Motto „Don‘t be evil“ abgeschafft. Jetzt können sie böses tun, ohne gegen das eigene Firmen-Motto verstoßen zu müssen.
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