Promierkennung: Google patentiert Gesichtssuche - dementiert konkrete Pläne

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Google-Mitarbeiter beschreiben in einem Patentantrag, wie Gesichtserkennungssoftware Aufnahmen von Prominenten automatisch im Web erkennen kann. Google-Ingenieure haben das System bereits getestet - mit Fotos von tausend Promis, darunter Barack Obama, Brad Pitt und Britney Spears.

Google-Zentrale: Der Technologiekonzern patentiert ein Suchsystem für Promi-Gesichter Zur Großansicht
REUTERS

Google-Zentrale: Der Technologiekonzern patentiert ein Suchsystem für Promi-Gesichter

Einige Google-Entwickler arbeiten an neuen Methoden zum Einsatz von Gesichterkennung. Das geht aus einem nun veröffentlichen Patentantrag hervor. In dem 2010 eingereichten Dokument beschreiben Google-Mitarbeiter ein System, das automatisch Fotos zu den Namen von Prominenten sucht. Dazu wird zunächst ein Modell des Gesichts aus den im Web verfügbaren Fotos destilliert - diese Aufnahmen haben die Entwickler über die Google-Bildersuche eingelesen. Die Software soll zudem aus längeren Texten automatisiert die Namen von Prominenten extrahieren und passende Fotos dieser Personen im Web suchen.

Dem Patentantrag zufolge haben Google-Entwickler das System bereits intern getestet. Aus einer Datenbank mit 30.000 Prominentennamen habe man tausend für die Experimente ausgewählt. Der Patentantrag beschreibt beispielhaft Versuche mit Fotos von Barack Obama, Sarah Palin, Britney Spears, Prinz Harry, Brad Pitt und Angelina Jolie.

Modedesigner sind nur schwer zu erkennen

Einige der in dem Dokument beschriebenen Erkenntnisse: Die Fotos von Obama sind einander sehr ähnlich, bei Britney Spears hingegen ist es schwieriger, ein Modell ihres Gesichts aus den im Netz verfügbaren Aufnahmen zu formen. In den Bristol Palin zugeordneten Fotos für die Erstellung eines Modells tauchen sieben Aufnahmen ihrer Mutter auf.

Problematisch seien Aufnahmen von Modedesignern - hier sei es schwierig, ein Modell aus den im Web verfügbaren Aufnahmen zu formen, weil viele Fotos zwar im Kontext der Namen der Designer auftauchen, aber andere Personen zeigen, die ihre Kreationen tragen. Auch dass Promis auf Fotos oft Sonnenbrillen tragen, störe bei der Erstellung eines Modells auf Basis des Materials im Web.

Google-Sprecher: "Keine Gesichtserkennung in Suchprodukten"

Ein Google-Sprecher betonte auf Anfrage, das Unternehmen haben keine konkreten Pläne, Gesichtserkennung in Suchdiensten anzubieten: "Wir reichen Patentanträge für eine Vielzahl von Ideen ein, die unsere Mitarbeiter haben. Einige dieser Idee reifen später zu tatsächlichen Produkten, Diensten oder Infrastrukturen, andere nicht." Man habe "nichts Neues" in Bezug auf die in dem Patentantrag beschriebenen Technologien zu verkünden.

Der Sprecher betont, die grundsätzliche Haltung des Unternehmens zu Gesichtserkennung habe sich nicht geändert: "Wie wir seit mehr als einem Jahr erklären, werden wir Gesichtserkennung nicht zu unserem Suchprodukt Goggles hinzufügen, solange wir nicht sehr strikte Datenschutzmechanismen integrieren. Wir haben dazu derzeit nichts Neues zu sagen."

Ende 2009 hatte Google die Handy-Software Goggles vorgestellt. Mit der Anwendung kann man die Welt per Handy-Kamera durchsuchen. Mit Goggles kann man Gegenstände, Gebäude oder Kunstwerke fotografieren und sich dann sofort Informationen über die jeweiligen Objekte ausgeben lassen.

Google-Chef Eric Schmidt hat am vergangenen Donnerstag bei einer Datenschutz- Konferenz in Großbritannien gesagt, sein Unternehmen werde nicht als erster Anbieter Gesichtserkennung in Web-Angebote integrieren. Schmidt nannte die Fähigkeiten von Gesichtserkennungssoftware "sehr beunruhigend" und warnte Regierungen davor, solche Programme zu nutzen.

Patent für "Gesichtserkennung mit Hilfe von sozialen Netzwerken"

Google-Forscher arbeiten allerdings schon länger an Gesichtserkennungssoftware. Es gibt für solche Algorithmen auch ganz andere Anwendungsmöglichkeiten als die Personensuche im Web. So nutzt Google zum Beispiel Gesichtserkennungs-Algorithmen, um in den Straßenpanoramen des Dienstes Street View die aufgenommenen Gesichter der Passanten zu verwischen. Googles Fotodienst Picasa nutzt auch Gesichtserkennung, aber nur in den Fotosammlungen der einzelnen Mitglieder - eine übergreifende Suche der Fotos anderer ist damit nicht möglich.

Google-Mitarbeiter haben weitergehende Ideen für die Nutzung von Gesichtserkennung. In einem im Februar veröffentlichten Google-Patent beschreiben Mitarbeiter einen Mechanismus zur " Gesichtserkennung mit Hilfe von sozialen Netzwerken". Die beschriebene Software durchsucht unterschiedliche Quellen nach möglichen Namen der in einem Foto erfassten Personen - darunter "Kommunikationsanwendungen, Anwendungen sozialer Netzwerke, Kalender". Dem Nutzer sollen mehrere wahrscheinliche Identitäten vorgeschlagen werden. Ordnet er einen der Namen der Aufnahme zu, kann die Software diese Information zu Verfeinerung des Suchalgorithmus verwenden.

In beiden Patentanträgen taucht als einer der Erfinder Andrew Rabinovich auf - der Google-Entwickler gehört laut einer 2010 veröffentlichten Präsentation auch zum Goggles-Team. Ebenso David Petrou und Hatwig Adam, die beide in einem der Patente als Erfinder genannt werden. Drei Mitarbeiter des Goggles-Teams haben schon 2005 einen Patentantrag für ein biometrisches Gesichtserkennungssystem eingereicht - damals arbeiteten sie bei Neven Vision. Dieses Unternehmen kaufte Google 2006, der Gründer Hartmut Neven ist heute Director of Engineering bei Google.

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Evolution zu telescreens
Ursprung 22.05.2011
Es entstehen, den IQ-minderausgestatteten Konservativen sei es schon mal angekuendigt, gerade die Werkzeuge, die spaeter angewendet werden. Um z. B. die seit 1984 ueberfaelligen Orwellschen "telescreens" endlich realisieren zu koennen. Und diese menschenverachtende Technologie wird kommen ebenso wie die die weltverachtende Atomstrom-Energie kam, die nun revidiert werden muss. Die Geister aus den Flaschen gehen nie wieder zurueck in die Buddeln. Sie werden neue Realitaeten und an ihnen waechst unserere Aufgabe, unser althergebrachtes Verhalten den neuen Bedingungen anzupassen. Ich glaube, diese Entwicklung wird Evolution genannt. Ob man das begruessen mag oder nicht.
2.
VPolitologeV 22.05.2011
Keine Sorge - diese Technik wird nur für Prominente angewandt. Es wird keine "Toolkits" geben, mit denen man mißliebige Konkurrenten ins Zielkreuz oder dunkle Vergangenheiten aufdeckt, mit denen man Fotos von Demos analysiert - all dies wird nicht geschehen. Schlafen Sie bitte weiter...
3. eben
ralf_si 22.05.2011
Zitat von VPolitologeVKeine Sorge - diese Technik wird nur für Prominente angewandt. Es wird keine "Toolkits" geben, mit denen man mißliebige Konkurrenten ins Zielkreuz oder dunkle Vergangenheiten aufdeckt, mit denen man Fotos von Demos analysiert - all dies wird nicht geschehen. Schlafen Sie bitte weiter...
Sehe ich genau so. Schließlich glaube ich dem Firmenmotto "Don't be evil". Und die Zusammenarbeit mit recorded future dient nur der friedlichen Ideengewinnung.
4. ...
thelix 23.05.2011
Tja, SPON-Foristen (aka Durchblicker/Allesversteher/einsame Rufer in der Wüste) warnen öfters vor einem Leben voller Angst. Sie selber befinden sich offenbar schon darin...
5. Transparent...
notty 23.05.2011
[QUOTE=sysop;7896953] Google-Mitarbeiter beschreiben in einem Patentantrag, wie Gesichtserkennungs-Software Aufnahmen von Prominenten automatisch im Web erkennen kann. Google-Ingenieure haben das System bereits getestet - mit Fotos von 1000 Promis, darunter Barack Obama, Brad Pitt und Britney Spears. QUOTE] Der "Daten-Krake" entwickelt immer weiter und allen Controlletties, Polizisten, Geheimdienstlern und anderen schraegen Voegeln....laeuft schon das Wasser im Mund zusammen.... Orwell wird sich als Waisenknabe herausstellen...dass was die Amis durchziehen, ist der totale "Transparent Human", jederzeit greifbar, verfuegbar, manipulierbar....
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Suchfunktionen: So verleibt sich Google die Welt ein


Marktanteile der Tech-Riesen
Suchmaschinen (Desktop)
Google 75,68%
Baidu 11,95%
Yahoo 5,92%
Bing 4,24%
Stand: Februar 2012, Quelle: Net Applications
Suchmaschinen (Mobil)
Google 88,35%
Yahoo 6,63%
Baidu 3,34%
Bing 1,08%
Stand: Februar 2012, Quelle: Net Applications
Browser (Desktop)
Microsoft Internet Explorer 58,35%
Firefox 23,72%
Chrome (Google) 11,50%
Safari (Apple) 4,15%
*weltweiter Marktanteil, erhoben auf der Webbrowser-Angabe, Stand: Januar 2012, Quelle: Net Applications
Browser (Mobil)
Safari (Apple) 54,03%
Opera Mini 21,42%
Android Browser 12,74%
Symbian 6,89%
*weltweiter Marktanteil, erhoben auf der Webbrowser-Angabe, Stand: Januar 2012, Quelle: Net Applications
Betriebssysteme (Desktop)
Windows 91,92%
Mac 6,92%
Linux 1,16%
*weltweit, erhoben auf der Webbrowser-Angabe zum user-agent Stand: Februar 2012, Quelle: Net Applications
Betriebssysteme (Mobil)
Android (Google) 49,7
iOS (Apple) 30,1
Symbian 6,9
RIM 2,1
Nokia 1,8
andere 9,4
Marktanteil an Smartphone-Betriebsystemen im März 2011 in Deutschland (%). Quelle: InMob Mobile Insights, Basis der Auswertung sind 518,7 Millionen inMobi-Werbeeinblendungen auf Mobilgeräten in Deutschland im März 2011 und 470,3 Millionen Werbeeinblendungen im Januar
Werbung
Umsatz gesamt* Umsatz Google* Anteil Google (in %)
Internet 72,842 36,531 50,15
Magazine 43,122 0
TV 184,29 0
Zeitungen 91,495 0
gesamt 458,385 36,531 7,97
*Werbeumsätze 2011, weltweit in Mrd. Dollar, veröffentlicht von ZenithOptimedia 15. März 2012, Googles Werbeumsatz im Jahr 2011
Webnutzer
Angebot Unique Visitors (Mio.) Ø-Stunden
Webnutzer gesamt 366,8 26,75
Google 333,4 3.,14
Microsoft 270,8 3,22
Facebook 240,0 5,43
Wikimedia 161,3 0,22
Yahoo 141,0 1,23
eBay 107,6 0,99
Amazon 91,4 0,27
Top 30 Online Portale in Europa nach Gesamtzahl der Unique Visitors. Mai 2011, Internetnutzer in Europa, Alter 15+, Zuhause und am Arbeitsplatz; Quelle: comScore Media Metrix
Google
Der Konzern
Reuters
Google wurde 1998 von den Studenten Sergey Brin und Larry Page gegründet und ging ein Jahr später online. 2010 machte die Firma mit ihren rund 20.000 Angestellten einen Umsatz von mehr als 29 Milliarden Dollar. Unterm Strich blieben davon 8,5 Milliarden Dollar als Gewinn übrig. Die dominierende Stellung im Markt für Online-Werbung sorgt für ein attraktives Geschäftsmodell, birgt aber auch die Gefahr der extremen Abhängigkeit von nur einer Ertragsquelle. Immerhin 96 Prozent der Einnahmen erzielte Google im vergangenen Jahr mit Werbung.
Die Geschäftsfelder
Google hat im Laufe der Jahre zahlreiche Unternehmen übernommen - so etwa 2006 die Videoplattform YouTube und 2007 den Online-Vermarkter Doubleclick. Gleichzeitig hat die Firma ihre Geschäftstätigkeit auch selbst ausgebaut, zum Beispiel mit dem Dienst Google Street View oder dem E-Mail-Anbieter Google Mail.

Produkte, die Google nie veröffentlichen wollte

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