Propaganda-Shooter Ballern für Bin Laden

Computerspiele haben inzwischen einen festen Platz in den Arsenalen der Terror-Propagandisten. Auch von einer al-Qaida-nahen Organisation kommt jetzt ein Ballerspiel: In "Quest for Bush" soll der Spieler den US-Präsidenten jagen. Das Spiel ist eine Kopie eines Anti-Qaida-Games aus den USA.

Von Yassin Musharbash und


Das Propagandaspiel sieht aus wie von circa 1997. In klassischer Shooter-Pose ragt die ebenso klassische Shooter-Waffe AK 47 ins Bild, mit der linken Maustaste wird der Abzug betätigt. Ziemlich dämliche Soldaten stellen sich der bewaffneten Spielfigur in den Weg - US-Soldaten sollen das sein. Was man allerdings wissen muss, denn die krude Grafik lässt solche Differenzierungen kaum zu.

Deutlicher sind da schon die überall an Wänden befestigten Pressefotos, die George W. Bush, den britischen Premierminister Tony Blair, US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und andere zeigen - dazwischen hängen auch Bilder schiitischer Würdenträger aus Iran und Irak. Für Begriffstutzige hängen ab und zu Schilder mit der Aufschrift "American Camp" an der Wand. Am Ende haben leidensbereite Spieler wohl die Möglichkeit, ein digitales Abbild von US-Präsident Bush persönlich über den Haufen zu schießen.

Produziert vom Medien-Arm von al-Quaida

"Quest for Bush" heißt der extrem simple Egoshooter. "Ein Spiel für alle kleinen Terroristen": Unter diesem offensichtlich ironisch gemeinten Claim wird das Spiel seit heute zum Herunterladen bereit gehalten, unter anderem auf einer einschlägig bekannten Pro-Dschihad-Seite, auf der oft auch Bekennerschreiben der al-Qaida und anderer Gruppen veröffentlicht werden. Als Produzent erscheint die "Global Islamic Media Front" (GIMF), die als Medienarm al-Qaidas fungiert und zuletzt alle Reden Osama Bin Ladens produziert hatte, inklusive hochwertiger englischer Untertitel.

Allerdings gibt es keinen Grund zu der Annahme, die Entwicklung des Shooters sei von Osama Bin Laden angeordnet worden. Denn die GIMF war zwar früher sehr eng an dessen Netzwerk angebunden, wird heute aber fast ausschließlich von "Ehrenamtlichen" betrieben - sie ist in die Hände von Qaida-Sympathisanten übergegangen und hat keine nachweisbaren belastbaren Beziehungen mehr zu kämpfenden Kadern.

Auf diese Loslösung von der Urorganisation wies die GIMF im vergangenen Jahr mehrfach ausdrücklich hin, so in einem Statement der Führung vom August 2005: "Die GIMF ist eine islamische Medienbasis im Internet. Sie ist die Botschafterin der Mudschahidin gegenüber den Muslimen und jenen Nichtmuslimen, die dem Islam nicht feindlich gegenüberstehen. Die GIMF gehört niemandem. Sie ist das Eigentum aller Muslime. Die GIMF gehört zu keiner Organisation oder bestimmten Gruppe."

Potentielle Dschihadisten im Westen als Zielgruppe?

Trotz dieser Unabhängigkeitserklärung ist es natürlich das Ziel der GIMF, Ansehen und Image der Qaida zu steigern. Am fünften Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 veröffentlichte sie zu diesem Zweck eine "Dokumentation" über al-Qaida in Spielfilmlänge und ein Interview mit Bin Ladens Vize Aiman al-Zawahiri. Auffällig ist, dass sich die GIMF um junge und des Arabischen nicht unbedingt mächtige Dschihad-Anhänger bemüht. So arbeitet der Zusammenschluss fast ausschließlich zweisprachig, womöglich weil die potentiellen Dschihadisten im Westen als Zielgruppe ausgemacht wurden.

Das Spiel jedenfalls kommt gut an: "Gott segne Euch - das Spiel ist wirklich super", schrieb heute zum Beispiel "Abu Khattab" an die Gesinnungsgenossen von der GIMNF.

Dass Extremistengruppen Videospiele als Propagandainstrument nutzen, ist nicht neu: Von der Hisbollah gibt es schon seit Jahren ein Spiel namens "Special Force Hisbollah", indem man Israel bekämpfen kann, und auch ein antiisraelisches Ballerspiel aus palästinensischer Perspektive existiert. Wesentlich professioneller sind US-Produktionen wie "Kuma: War" - ein Spiel, in dem der Spieler in einer kürzlich veröffentlichten "Mission" sogar im Iran einmarschiert.

"Quest for Bush" ist weder neu noch besonders originell - genau genommen ist es nichts weiter als eine umkopierte und mit neuen Tapeten versehene Version von "Quest for Saddam", das wiederum ursprünglich "Quest for Al-Qa'eda" hieß. Beides waren schlichte Versuche eines jungen Amerikaners namens Jesse Petrilla, die US-amerikanische Wut nach dem 11. September 2001 in eine spielbare Form zu gießen. Das Internetmagazin "Salon.com" interviewte den damals 19-jährigen Petrilla schon im Jahr 2002. Die simplen 3-D-Ballereien, verriet er damals, basieren auf der Technik eines noch älteren Shooters: "Duke Nukem 3D" kam im Jahr 1996 auf den Markt.

Viel Mühe scheinen sich die "Spielentwickler" von der GIMF nicht gegeben zu haben mit dem pro-sunnitischen Propagandaspielchen. Sieht man sich "Quest for Bush" als Prozess im Task-Manager des Betriebssystems an, trägt es dort noch den alten Namen - "Quest for Saddam".



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