Protest der Online-Giganten Apple, Google und Co. engagieren Anti-NSA-Lobbyisten

Acht der größten Online-Unternehmen wollen Druck auf die US-Regierung ausüben: Laut einem Medienbericht haben die Online-Riesen ein Lobby-Unternehmen damit beauftragt, die Regierung in Washington zu einer Reform der Überwachungsgesetze zu bewegen.

Kapitol in Washington: Internetunternehmen wünschen sich eine Reform der Überwachungsgesetze
DPA

Kapitol in Washington: Internetunternehmen wünschen sich eine Reform der Überwachungsgesetze


Apple, Google, Facebook und fünf weitere Online-Großkonzerne haben einem Medienbericht zufolge Lobbyisten angeheuert, um die US-Regierung zu einer Reform der Überwachungsgesetze zu bewegen. Laut dem Nachrichtenmagazin "Politico" haben die Internetunternehmen ein Lobbyisten-Büro engagiert, sich für ihre Interessen gegenüber Barack Obama und dem US-Kongress einzusetzen. "Politico" bezieht sich dabei auf Informanten, die mit dem Thema vertraut sein sollen. Demnach ist die Agentur Monument Policy Group damit beauftragt worden, die Interessen der Online-Unternehmen politisch zu vertreten.

Die Lobbyisten der Monument Policy Group vertreten bereits Klienten wie Microsoft und LinkedIn. Nach eigenen Angaben haben sich die Mitarbeiter darauf spezialisiert, politische Strategien zu entwickeln und die Interessen der Kunden in Washington zu durchzusetzen. Mit diesem Schritt verleihen die Netzriesen Apple, AOL, Facebook, Google, LinkedIn, Microsoft, Twitter und Yahoo ihren Forderungen weiter Nachdruck.

Bereits im Dezember hatten sich die acht Technologiekonzerne für das Anti-Überwachungs-Projekt "Reform Government Surveillance" zusammengeschlossen. In einem offenen Brief forderten sie die Regierung dazu auf, die Spähaktionen der National Security Agency (NSA) einzuschränken und Nutzerdaten nur in gerichtlich angeordneten Einzelfällen zu sammeln - und nicht ohne Anlass massenhaft Informationen aus dem Netz zu schöpfen. Den Brief unterzeichneten unter anderem die Yahoo-Chefin Marissa Mayer und Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, die in persönlichen Stellungnahmen für mehr Datenschutz der Netznutzer plädierten.

Einen Teilsieg haben die Unternehmen bereits errungen

Ziel der Aktion ist es, den ramponierten Ruf der Online-Giganten wieder aufzubauen. Denn mit den Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden haben viele Nutzer das Vertrauen in die Online-Unternehmen verloren. Die Unterlagen zeigten, dass sich die Agenten direkt auf den Servern der Online-Netzwerke bedienen. In einer der ersten Geheim-Präsentationen, die veröffentlicht wurde, listete die NSA stolz auf, welche Konzerne bereits Auskunft geben über ihre Nutzer. Unternehmen wie Yahoo haben sich nach eigenen Angaben zwar dagegen gewehrt, doch Geheimgerichte hatten die Konzerne dazu gezwungen, die Daten herauszurücken.

Einen Teilsieg haben die Unternehmen bereits errungen. Seit Ende Januar dürfen Apple, Facebook und Co. erstmals die Anzahl der betroffenen Nutzer veröffentlichen, die von den Anfragen der NSA betroffen sind. Der Haken daran: Die Konzerne dürfen nur in Tausenderschritten angeben, wie viele Anfragen tatsächlich eingegangen sind. Zuvor waren die Online-Unternehmen mit ihren Anträgen an den Geheimgerichten gescheitert, die Zugriffszahlen der Geheimdienste zu veröffentlichen. Twitter hat jetzt bekanntgegeben, detaillierter Auskunft geben zu wollen und deshalb auch rechtliche Schritte gegen die US-Regierung in Erwägung zu ziehen.

jbr



insgesamt 15 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
privat23 07.02.2014
1. Das wird mehr bringen
Zitat von sysopDPAAcht der größten Online-Unternehmen wollen Druck auf die US-Regierung ausüben: Laut einem Medienbericht haben die Online-Riesen ein Lobby-Unternehmen damit beauftragt, die Regierung in Washington zu einer Reform der Überwachungsgesetze zu bewegen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/protest-gegen-nsa-apple-google-und-co-engagieren-lobbyisten-a-952094.html
als das Empören hier im Forum...
dee_jott 07.02.2014
2. Es ist eh zu spät...
...der Staat im Staat ist außer Kontrolle.
gandhiforever 07.02.2014
3. Wer bietet mehr
Zitat von sysopDPAAcht der größten Online-Unternehmen wollen Druck auf die US-Regierung ausüben: Laut einem Medienbericht haben die Online-Riesen ein Lobby-Unternehmen damit beauftragt, die Regierung in Washington zu einer Reform der Überwachungsgesetze zu bewegen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/protest-gegen-nsa-apple-google-und-co-engagieren-lobbyisten-a-952094.html
Apple, Google et al fuerchten, dass ihnen Geschaefte durch die Lappen gehen, wenn die NSA-Ausspioniererei so weiter geht. Andere Unternehmen, die vom Spionieren profitieren, fuerchten, dass ihnen Geschaefte durch die Lappen gehen, wenn weniger spioniert wird. Diese Unternehmen haben natuerlich Alexander und Clapper auf ihrer Seite. Nun sollen also Lobbyisten das zukuenftige Spionieren in der einen oder anderen Richtung beeinflussen. Wer bietet mehr? Wer hat mehr Lobbyisten auf seiner Seite? Einer gewinnt immer, naemlich die Seite der Lobbyisten.
kilroy-was-here 07.02.2014
4. Es ist nie zu spät!
Und, ich glaube daran, dass die Empörungswelle in den USA und auch International, allen voran Europa, zu einem Umdenken verhelfen wird. Gerade dies aus den USA aus zu starten, ist besonders schwierig, weil alles als 'geheim' eingestuft wurde. Aber die großen Internetkonzerne merken schon: ...die Kundschaft bleibt weg..!
Das Pferd 07.02.2014
5. 24234234
Zitat von sysopDPAAcht der größten Online-Unternehmen wollen Druck auf die US-Regierung ausüben: Laut einem Medienbericht haben die Online-Riesen ein Lobby-Unternehmen damit beauftragt, die Regierung in Washington zu einer Reform der Überwachungsgesetze zu bewegen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/protest-gegen-nsa-apple-google-und-co-engagieren-lobbyisten-a-952094.html
"Die Amerikaner machen am Ende immer das Richtige, nachdem sie zuvor alle falschen Möglichkeiten ausprobiert haben..." hat Winston Churchill wohl mal irgendwo gesagt. Und vermutlich werden die es schaffen, diese Fehlentwicklung wieder zu korrigieren. Da ist ein Pendel nach 9/11 ins Extrem ausgeschlagen (die NSA gab es schon länger, aber eben nicht völlig ausserhalb von Budget und Gesetz) nun geht es in die andere Richtung. das schaffen die seit 240 Jahren (mit einer Ausnahme), ohne, daß Ihnen ihr doch recht fragiles Staatsgebilde um die Ohren fliegt. Wie viel Staaten, Kriege, Krisen, Diktaturen und Revolutionen hatten wir in der Zeit in Europa? Ich mache keine Zukunftsprognosen, es würde mich aber nicht wunden, wenn das Land es schafft das wieder zu korrigieren, und zwar ohne Bruch der staatlichen Kontinuität.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.