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Protest im Internet: Riesenwut auf #S21-Polizeieinsatz

Augenzeugen berichten, aus dem ganzen Land kommen Solidaritätsadressen: Im Internet entladen sich Wut und Frust über den Polizeieinsatz gegen die "Stuttgart 21"-Gegner. SPIEGEL ONLINE über die Diskussion im Netz.

Twitter-Website: Wut auf Politik und Polizei im Sekundentakt Zur Großansicht

Twitter-Website: Wut auf Politik und Polizei im Sekundentakt

"Warnung: Nicht mit Kastanien werfen - sonst kommt die Polizei mit Knüppel, Wasserwerfer & Reizgas", so fasst ein Twitter-Nutzer den gestrigen Übergriff von Einsatzkräften auf die weitgehend friedlichen Demonstranten im Stuttgarter Schlossgarten zusammen. Viele flüchten sich in Ironie: "Die hessische und bayerische Bereitschaftspolizei hat einen heldenhaften Sieg über die 9. Klasse der Waldorfschule errungen", schreibt Christian S., und Angelo V. fragt: "Demonstranten sind so unfassbar laut und zeigen sogar den Stinkefinger. Was bleibt einem da, außer Wasserwerfer, Knüppel und Tränengas?"

Über den Kurznachrichtendienst entlädt sich die Wut auf die politisch Verantwortlichen. Am Freitagvormittag kommen zeitweise jede Minute hundert neue Nachrichten mit dem Tag #s21 für "Stuttgart 21" hinzu. Es ist das beherrschende Thema der Stunde.

Neue Proteste werden koordiniert, Informationen über Polizeikontrollen über Personenkontrollen in Zügen in Richtung Stuttgart ausgetauscht. Vor allem aber drücken viele Nutzer ihre Wut und ihr Unverständnis aus. Dass Politiker am Freitag ausgerechnet die Demonstranten auffordern, friedlich zu bleiben, empfinden sie als puren Hohn: "Vielleicht sollte sie das ihrem Innenminister sagen", schreibt Freddie H.

"Schaffe, schaffe, Scheißle baue"

Ein Link zum ZDF-Interview mit Landesinnenminister Heribert Rech wird herumgereicht, in dem der CDU-Politiker noch am Abend der Übergriffe von Moderatorin Marietta Slomka befragt wird - und keine besonders gute Figur macht. "Rücktritt" ist dann auch das freundlichste, was im Zusammenhang mit Rech zu lesen ist.

Nur wenige äußern Verständnis für den Polizeieinsatz. "Wer x Aufforderungen der Staatsgewalt keine Folge leistet & sich nicht v. Steinewerfern distanziert, kriegt auch mal auf die Fresse", höhnt jemand über den Twitter-Account eines "unabhängigen Blogs zur Unions-Politik". Doch solche provokativen Wortmeldungen sind am Freitag klar in der Minderheit. Stattdessen wird gefragt, warum auf der Demonstration vermummte Polizisten eingesetzt wurden. Außerdem wollen Demonstranten bei Einsatzkräften spezielle, mit Quarzsand gefüllte Handschuhe entdeckt haben , die eigentlich verboten sind.

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14  Bilder
"Stuttgart 21": Wasserwerfer gegen Demonstranten
Es geht nicht nur um Details, sondern auch um das große Ganze: "Am Bahnhofsbau wird festgehalten, weil einmal beschlossen, am Atomausstieg konnte man aber was ändern - Doppelmoral der #CDU", wundert sich Thomas T. - und Johannes R. geht noch einen Schritt weiter: "Alle die behaupten, dass #S21 demokratisch entschieden und damit unumkehrbar ist müssen sich JETZT gegen die #AKW Verlängerung einsetzen!" Der Berliner Komiker Bov Bjerg ätzt: "Schaffe, schaffe, Scheißle baue!"

"Der alte Nachtwächterstaat mit seinen Methoden"

Auf der Facebook-Seite von SPIEGEL ONLINE antwortete eine Augenzeugin auf die Frage, ob der Polizeieinsatz angemessen gewesen sei: "Nein! (...) Ich könnte heulen. Ich hab 14-jährigen Mädchen das Reizgas aus den Augen gespült, ich hab einen Mann gesehen, der sein Augenlicht verloren hat, bewusstlose Menschen die weiter 'gepfeffert' werden, Hunderte Zwangsgriffe, Schläge mit Stöcken und Fäusten, ausgeführt von Beamten, die nicht zu identifizieren waren. Und keinen einzigen geworfenen Stein!"

Andere Nutzer werfen ein, dass die Demonstranten Zeit genug gehabt hätten, den Platz freiwillig zu räumen. Kinder und Jugendliche seien von Erwachsenen für den Protest "instrumentalisiert" worden. Ein Nutzer entgegnet: "Anstatt sich darüber zu freuen, dass Schülerinnen und Schüler sich gesellschaftlich und politisch engagieren, werden diese von der Staatsmacht niedergeknüppelt und mit Pfefferspray 'behandelt'. Man will zwar immer den mündigen Bürger, aber wenn er nicht spurt, dann kommt der alte Nachtwächter-Staat mit seinen Methoden."

Mehr als 500 Facebook-Nutzer beteiligten sich innerhalb kürzester Zeit an der Debatte, tausendfach wurde der Artikel "Bürgerkrieg im Schlossgarten" weiterempfohlen.

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1. ...
M. Michaelis 01.10.2010
Zitat von sysopAugenzeugen berichten, aus dem ganzen Land kommen Solidaritätsadressen: Im Internet entladen sich Wut und Frust über den Polizeieinsatz gegen die "Stuttgart 21"-Gegner. SPIEGEL ONLINE über die Diskussion im Netz. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,720701,00.html
Was wie üblich fehlt ist die kritische Selbstreflektion. Wer Widerstand leistet hat recht und wer im Auftrag des Herrn unterwegs ist kann nur recht haben. Dass die Polizei hier überzogen hat kann man schwerlich bestreiten. Was aber nichts an der grundsätzlichen Fragwürdigkeit der Protestblockaden ändert. Bei Stuttgart 21 sieht keine Seite derzeit mehr gut aus.
2. Solidarität
franziskus, 01.10.2010
Zitat von sysopAugenzeugen berichten, aus dem ganzen Land kommen Solidaritätsadressen: Im Internet entladen sich Wut und Frust über den Polizeieinsatz gegen die "Stuttgart 21"-Gegner. SPIEGEL ONLINE über die Diskussion im Netz. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,720701,00.html
Wenn mein Hund nicht mit dem Tode ringen würde, so wäre ich schon auf den Weg nach Stuttgart. Genug ist genug.
3. Desaster ist ja wohl harmlos...
Bernd Feuerstein 01.10.2010
Also, ich bin Jahrgang 56. Gestern war ich beruflich in Stuttgart genauer in Sindelfingen bei einem grossen deutschen Autobauer. Bisher hab ich auch schon mal CDU gewählt... Das mit der Schülerdemo hab ich im Radio gehört - hat mich interessiert. So habe ich mich vom Navi mal zum Bahnhof bringen lassen. Dort hab ich das Auto ordentlich in der Tiefgarage abgestellt und bin mal hoch in den Schlossgarten. Muss so gegen 14.00 gewesen sein. Oben ein riesen Auftrieb mit der Polizei. Anfangs waren die nur grün. Bin dann weiter nach hinten gegangen - und was soll ich sagen, friedliche Schüler, Rentner, Leute mittleren Alters standen um mich rum. Bin dann weiter bis es nicht mehr ging - zwei Wasserwerfer waren da und eine Kette schwarz uniformierter Polizisten - alle vermummt - mit Helm und immer noch keine gerwaltbereiten Demonstranten... Leute wie Du und ich halt. Dann wurde es immer enger - keine Gewalt... aber Komandos. Von einem Gruppenführer der Polizei - Kette hoch zu den Bäumen - und dann durchdrücken... Tja was soll ich sagen, die Bubels im Alter meiner Söhne sind mit ihren Kampfanzügen hoch zu den Bäumen und haben eine Kette gebildet. Ich denk mir, so jetzt gehste lieber zurück auf den Rasen. Dreh mich um will zurück, geht nicht so schnell sind ja noch ne menge anderer Leute da. Kommt ein Kommando - Los - immer noch alle friedlich um mich rum - tja und dann wurde durchgedrückt von den Polizisten.... Schnell gehen war nicht, waren ja alles dicht gedrängt und dann wurde von den Schwarzen gestossen, geschubst und hingelangt. Wer auf dem Matsch ausrutschte hatte halt Pech, war dann plötzlich einer von den Sitzblockierern. Ich wundere mich noch plötzlich ein Kratzen im Hals uns ein Brennen in den Augen CS - Spray auch von den Schwarzen und es wurde natürlich weiter durchgedrückt... Proteste das es da vorn nicht weitergeht. War den Schwarzen aber egal - und bemerkenswert kein einziger Demonstrant hat einen Schwarzen angelangt oder Widerstand geleistet. Was mich wundert es wurde auch nie über Lautsprecher gebeten das Gelände zu verlassen. Und dann haben die Männer in dem grünen Auto Wasser durch die Gegend gespritzt. Der Rest ist ja bekannt. Also mal im Ernst: Wer behauptet Demonstranten hätten mit der Gewalt angefangen lügt - glatt - aber was soll er sagen - ja unsere Leute haben Schei.. gebaut und auf Rentner und Kinder eingeprügelt - das geht nicht !!! Ich denke: Mappus - alter Telefonverkäufer - gestern hast Du es vergeigt. Währund Du Dein Bier geso... hast, haben Deine Leute deinen nächsten Wahlsieg verzockt. Blutende Rentner und Kinder, im Ländle das geht einfach überhaupt nicht - die Bilder die Presse - eine Katastrophe. Wenn du noch einen Funken Verstand hast dann hol Dir den Späth als Berater und veränder die Planung für diesen blö... Bahnhof sonst verlängere schon mal deinen ruhenden Arbeitsvertrag bei deinem ex Arbeitgeber - dann kannste wieder Telefone verkaufen - davon verstehste wenigsten was. Beste Grüsse Dein Bernd Feuerstein
4. während sie (spiegel)...
biertrinker 01.10.2010
...auf ihrer seite von 6 millarden baukosten ausgehen, wird schon mit kosten bis hin zu 18 millarden kalkuliert (özdemir).
5. erstaunlich
Fabian G, 01.10.2010
Zitat von sysopAugenzeugen berichten, aus dem ganzen Land kommen Solidaritätsadressen: Im Internet entladen sich Wut und Frust über den Polizeieinsatz gegen die "Stuttgart 21"-Gegner. SPIEGEL ONLINE über die Diskussion im Netz. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,720701,00.html
ist schon erstaunlich wie es das land spaltet. die einen labern polemisch von bööösen linken jugendlichen steinewerfern und waren nichtmals dabei. die cdu stellt absolut infame behauptungen auf, die menschen hätten kinder als menschliche schutzschilder mißbraucht und der teil der bevölkerung der fähig ist selber zu denken, merkt endlich, dass schwarz gelb die schlechteste wahl für das land war! die zeigen endlich ihr wahres gesicht. die reGIERung darf sich auf heisse monate einstellen. das wird nicht mit dummen beschuldigungen durch die CDU gutsherren lösbar sein.
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"Stuttgart 21": Erste Bäume fallen
"Politik in Rambo-Manier"

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Stuttgart 21 in Zahlen
Außer dem Projekt Deutsche Einheit mit dem Aus- und Neubau der Strecke Nürnberg-Berlin ist Stuttgart 21 samt der Trasse nach Ulm das größte Bauvorhaben der Bahn AG. Die Kennzahlen:
Höchstgeschwindigkeit
250 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit auf der Strecke
Schienen
117 Kilometer neue Strecke, davon 60 Kilometer Hochgeschwindigkeitstrasse von Wendlingen (Kreis Esslingen) nach Ulm und 57 Kilometer für einen neuen Ring in Stuttgart, die Talquerung und die Anbindung über die Filderebene an die Strecke nach Ulm
Stuttgart
100 Hektar freie Fläche in der Stuttgarter Innenstadt durch die Verlegung des Bahnhofs unter die Erde
Tunnel
63 Kilometer Tunnel, von denen 33 Kilometer Stuttgart 21 und 30 Kilometer der Neubaustrecke nach Ulm zuzuordnen sind. 26 Tunnel, davon 16 bei "Stuttgart 21" und zehn auf der Neubaustrecke
Brücken
55 Brücken, davon 18 bei Stuttgart 21, 37 auf der Neubaustrecke
Fahrzeiten
- 41 statt 61 Minuten Fahrzeit zwischen Stuttgart und Tübingen
- 28 statt 54 Minuten Fahrzeit zwischen Stuttgart und Ulm
Kosten
Mehr als sechs Milliarden Euro Kosten, wovon gut 4,1 Milliarden auf Stuttgart 21 und mehr als zwei Milliarden auf die Neubautrasse entfallen
Bahnhöfe
Drei neue Bahnhöfe: der unterirdische Hauptbahnhof in Stuttgart, ein ICE-Halt an der Messe und am Flughafen und die S-Bahnstation Mittnachtstraße zur Erschließung des geplanten Rosensteinviertels
Fotostrecke
Bahn-Projekt: Der Kampf gegen "Stuttgart 21"

Chronik
Im April stellt Bahn-Chef Heinz Dürr das Projekt Stuttgart 21 mit der Tieferlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofes vor.
Im Januar bescheinigt eine Studie die technische Machbarkeit von Stuttgart 21. Umweltschützer und Grüne protestieren.
Im November unterzeichnen Bahn, Bund, Land und Stadt eine Rahmenvereinbarung, in der auch die Finanzierung des auf fünf Milliarden D-Mark veranschlagten Projekts festgelegt wird.
Im November erhält das Düsseldorfer Architektenbüro von Christoph Ingenhoven den Zuschlag für den Umbau in einen Durchgangsbahnhof mit Lichtaugen.
Im Februar erteilt das Eisenbahn-Bundesamt die Baugenehmigung für die Umwandlung des Bahnhofs.
Im April weist das oberste Verwaltungsgericht Baden-Württembergs drei Klagen gegen den geplanten Umbau des Hauptbahnhofs ab.
Im Oktober vertagt der Bund die Entscheidung über seine Beteiligung an dem 2,8 Milliarden Euro teuren Bahnhofsvorhaben.
Im November verlautet aus Bahn-Kreisen, der Umbau des Bahnhofs und dessen Anbindung an die Neubaustrecke nach Ulm könne wegen Baukostenrisiken bis zu eine Milliarde Euro teurer werden.
Im Februar weist der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg vier Klagen gegen den Fildertunnel ab.
Am 19. Juli verständigen sich Bund, Bahn, Land und Stadt in Berlin auf die Finanzierung - eine bindende Finanzierungsvereinbarung steht noch aus.
Am 11. November präsentieren Naturschützer, Bürgerinitiativen und Grüne das Ergebnis einer Abstimmung: 67.000 Menschen stimmten für einen Bürgerentscheid über Stuttgart 21.
Am 20. Dezember lehnt der Stuttgarter Gemeinderat einen Bürgerentscheid über das Milliardenprojekt mit großer Mehrheit ab. Die grundsätzlichen Beschlüsse seien schon vor Jahren gefallen.
Am 19. August räumt die Landesregierung Mehrkosten ein. Das Vorhaben soll nicht wie geplant 2,8 Milliarden Euro kosten, sondern 3,076 Milliarden Euro.
Am 3. November prophezeit der Bundesrechnungshof Mehrkosten von über zwei Milliarden Euro.
Am 28. November macht der Bundestag mit der Verabschiedung des Haushaltes den Weg frei für Stuttgart 21.
Am 2. April unterzeichnen Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) und Bahn-Vorstand Stefan Garber die Finanzierungsvereinbarung.
Am 7. Juni profitieren die Grünen von ihrem jahrelangen Widerstand gegen Stuttgart 21 und werden bei der Kommunalwahl die stärkste Fraktion im Rathaus der Landeshauptstadt.
Am 17. Juli entscheidet das Verwaltungsgericht Stuttgart: Der Gemeinderat hat den Bürgerentscheid 2007 zu Recht abgelehnt.
Am 26. Oktober findet die erste Montagsdemonstration gegen den neuen Bahnhof statt - mit vier Teilnehmern. Eine Woche später sind es 20.
Am 8. November räumt Bahn-Chef Rüdiger Grube erstmals ein, dass das Projekt teurer wird als 3,076 Milliarden Euro.
Am 25. November fordern Architekturliebhaber die Aufnahme des Bahnhofsgebäudes in das Unesco-Weltkulturerbe. Beide Seitenflügel des Gebäudes von 1922 sollen den Umbauplänen zum Opfer fallen.
Am 9. Dezember geht Bahn-Chef Rüdiger Grube mit einer Kostenschätzung von 4,1 Milliarden Euro in den Bahn-Aufsichtsrat. Dieser billigt trotz der Kostensteigerung von einer Milliarde Euro das Vorhaben.
Am 10. Dezember stellen nach der Bahn alle anderen Geldgeber die Weichen für das Milliardenvorhaben.

Am 2. Februar beginnen die Bauarbeiten.
Am 20. Mai unterliegt Peter Dübbers, Enkel des Bahnhofsarchitekten Paul Bonatz, vor dem Landgericht Stuttgart im Urheberrechtsstreit gegen die Bauherrin Bahn. Er wehrt sich gegen den Abriss der Seitenflügel des Bahnhofs und geht in Berufung.
Am 7. Juli wird eine bisher nicht veröffentlichte Studie der Zürcher Firma SMA bekannt, die Probleme mit dem Regionalverkehr vorhersieht.
Am 27. Juli gibt Bahn-Chef Grube eine Kostensteigerung um 865 Millionen Euro auf 2,9 Milliarden Euro für die Schnellbahntrasse nach Ulm bekannt.
Am 30. Juli werden die Abrissarbeiten am Nordflügel vorbereitet: Ein erster Bagger rollt an, ein Bauzaun wird errichtet.
Am 7. August demonstrieren mehr als 10.000 Menschen und fordern einen Baustopp.
Am 11. August wird ein Gutachten für das Umweltbundesamt bekannt, das eine weitere Kostenexplosion auf bis zu elf Milliarden Euro für Stuttgart 21 und erhebliche Verkehrsprobleme vorhersagt.
Am 13. August wird das Bahnhofsgebäude erstmals sichtbar beschädigt: Ein Vordach am Nordflügel wird abgerissen. Am Abend bilden 20.000 Menschen eine Kette um Teile des Bahnhofs und fordern einen Baustopp.
Am 14. August berichtet der SPIEGEL, dass die Landesregierung mit einem Großauftrag an die Bahn deren Zustimmung zu Stuttgart 21 erkauft hat. Das Verkehrsministerium dementiert.
Am 23. August verteidigt Bahnhofsarchitekt Christoph Ingenhoven seinen - in einigen Punkten optimierten - Entwurf. Er weist Aussagen zurück, der Tiefbahnhof könne auch mit Erhalt der Seitenflügel gebaut werden.
Am 25. August stoppen sieben Aktivisten die Baggerarbeiten am Nordflügel. Sie besetzen das Dach für 22 Stunden, ehe ein Spezialkommando der Polizei das Dach räumt.
Am 6. September lässt das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 ein Spitzengespräch zu dem Projekt platzen. Zu dem Treffen hatten Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) und der Grünen-Fraktionschef in Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, geladen. Gegner und Befürworter des Projekts sollten diskutieren. Doch das Aktionsbündnis forderte zuvor einen Baustopp - Mappus lehnte ab.
Am 8. September warnt ein neues Gutachten vor einer Kostenexplosion bei Stuttgart 21. Das Münchner Ingenieurbüro Vieregg & Rößler hat im Auftrag der Grünen ausgerechnet, dass sich die Ausgaben für die neue ICE-Trasse nach Ulm auf mindestens 5,3 Milliarden Euro belaufen werden und nicht - wie von der Bahn berechnet - auf 2,9 Milliarden Euro. Im ungünstigsten Fall könne die Strecke sogar zehn Milliarden Euro kosten.
Am 9. September sagt Bahnchef Rüdiger Grube dazu in der "Wirtschaftswoche": "Bei Infrastrukturprojekten kann man nie sagen, was am Ende auf Heller und Pfennig herauskommt."
Am 17. September verteidigt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) das umstrittene Bauprojekt: Es gebe keinerlei Zweifel an dessen Legitimation, sagt er im Bundestag. Stuttgart 21 sei "über 15 bis 20 Jahre nach allen Regeln rechtsstaatlicher Kunst" zustande gekommen. Die Bundestagsfraktionen von SPD, Linke und Grüne fordern mit unterschiedlichen Anträgen dagegen einen Baustopp. Die SPD setzt sich für einen Volksentscheid ein.
Am 30. September eskaliert die Situation. Die Polizei geht mit Wasserwerfern gegen Demonstranten vor, die das Fällen von Bäumen im Schlossgarten verhindern wollen. Noch am späten Nachmittag versucht der BUND, die Rodung per Eilantrag beim Verwaltungsgericht zu stoppen. Die Organisation befürchtet Verstöße gegen den Artenschutz: So gilt unter anderem der Lebensraum des seltenen Juchtenkäfers als gefährdet. Eine entsprechendes Verbot der Rodung durch das Eisenbahnbundesamt (EBA) liegt der Bahn vor - nicht aber dem Gericht. Bahn und EBA einigen sich eigenen Angaben zufolge noch am selben Abend, das Gericht entscheidet: nichts.
In der Nacht auf den 1. Oktober werden im Schlossgarten die ersten Bäume gefällt - nur wenige Meter von Tausenden Demonstranten entfernt.
Am 2. Oktober steigt der bislang größte Protest im Schlossgarten: Über 100.000 Menschen demonstrieren nach Veranstalterangaben gegen Stuttgart 21 und Ministerpräsident Mappus. Die Polizei spricht von 50.000 Teilnehmern.
Am 6. Oktober stimmt Heiner Geißler zu, den Posten des Schlichters zu übernehmen - darum war er zuvor von Mappus gebeten worden. Am selben Tag bestätigt das OLG die Entscheidung des Landgerichts, nach der das Abtragen der Bahnhofs-Seitenflügel rechtens ist.
Am 7. Oktober verbietet das Eisenbahnbundesamt der Bahn vorerst, weitere Bäume im Schlossgarten zu fällen. Bevor die Arbeiten fortgesetzt werden, muss das Unternehmen Pläne zum Schutz des gefährdeten Juchtenkäfers vorlegen. Allerdings sind vorerst ohnehin keine weiteren Rodungen vorgesehen.
Am 11. Oktober lehnt Bahn-Chef Grube einen kompletten Baustopp kategorisch ab - auch für die Zeit der Schlichtungsgespräche.
Am 14. Oktober gibt das Verwaltungsgericht bekannt, es hätte dem BUND-Antrag zum Stopp der Rodung mit "großer Wahrscheinlichkeit" stattgegeben - wenn die Bahn nicht wichtige Unterlagen vorenthalten hätte.
Am 18. Oktober räumt Grube ein, er habe in der Kommunikation zu Stuttgart 21 "vielleicht den einen oder anderen Fehler gemacht".
Am 22. Oktober beginnt unter Leitung von Heiner Geißler die Schlichtung. Die Gespräche werden live im Fernsehen übertragen, Phoenix meldet die zweitbeste Quote in der Geschichte des Senders. Gegner und Befürworter des Projekts kommen sich in den Gesprächen allerdings nicht näher - auch in den kommenden Wochen nicht.
Am 27. Oktober setzt der Landtag einen Untersuchungsausschuss ein, der die Hintergründe des Polizeieinsatzes vom 30. September klären soll.
Am 28. Oktober lehnt die schwarz-gelbe Koalition mit ihrer Mehrheit im Landtag einen Volksentscheid über Stuttgart 21 ab. Einen entsprechenden Antrag hatte die SPD gestellt. Unabhängig davon reichen vier Demonstranten Klage beim Verwaltungsgericht ein - sie hatten bei dem Polizeieinsatz am 30. September schwere Augenverletzungen erlitten.
Am 2. November löst die Polizei eine Sitzblockade am Bahnhof auf - trotz der Schlichtungsgespräche gehen die Protestaktionen weiter.
Am 11. November räumt die Polizei Pannen beim umstrittenen Einsatz im Schlossgarten ein. Aufgrund von Missverständnissen seien die Beamten zu spät eingetroffen und hätten deshalb Absperrungen nicht rechtzeitig aufstellen können; der Widerstand der Demonstranten sei unterschätzt worden.
17. November: Nach einem Bericht des "Stern" hat das Eisenbahnbundesamt im September die Baufreigabe für die Strecke von Wendlingen nach Ulm verweigert.
Am 19. November sagt Bahn-Vorstand Volker Kefer im Schlichtungsgespräch, die Freigabe für die 60 Kilometer lange Trasse werde erfolgen, wenn die Bahn die Nachweise für die höheren Kosten vorgelegt habe. Grünes Licht erwarte er Ende des Jahres.
Am 30. November verkündet Heiner Geißler seinen Schlichterspruch. Er spricht sich für Stuttgart 21 aus, fordert aber in mehreren Punkten Korrekturen an den Bahn-Plänen. Die Gegner des Projekts sind trotzdem unzufrieden.

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