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Prozess: Richter stoppt Spam-Versand

Per richterlicher Verfügung ist es der US-amerikanischen Federal Trade Commission gelungen, der Welt ab sofort bis zu zehn Milliarden Spam-Mails pro Tag zu ersparen - durch das Einfrieren der Konten eines Spam-Botnetz-Betreibers.

"HerbalKing" ist ein Netzwerk von teilweise namentlich bekannten Spam-Versendern - und Rahmendaten, über die sich manches Unternehmen freuen würde: Bis zu zehn Milliarden Werbemails pumpte das Botnetz aus bis zu 35.000 gekaperten Rechnern nahezu ohne eigene Kosten täglich in die Welt hinaus. Warb für Viagra-Imitate und anderen halb- bis nicht legalen Plunder und verdiente damit bis zu 400.000 Dollar pro Monat. HerbalKing ist damit so etwas wie eine Marke auf seinem Markt: Schätzungen zufolge war das Netzwerk zeitweilig für bis zu einem Drittel der weltweit verschickten Spam-Mails verantwortlich.

Die Pille des Begehrens: Weil Produkte wie Viagra so gut wie überall verschreibungspflichtig sind, floriert die Spam-Werbung für illegale Billig-Imitate
AFP

Die Pille des Begehrens: Weil Produkte wie Viagra so gut wie überall verschreibungspflichtig sind, floriert die Spam-Werbung für illegale Billig-Imitate

War, weil all dies zumindest zurzeit vorbei ist: Der US-amerikanischen Federal Trade Commission (FDC) ist es gelungen, die Konten der Betreiber einfrieren zu lassen - und sie so zumindest für den Augenblick aus dem Geschäft zu nehmen. Jetzt drohen den in den USA ansässigen Mitgliedern des Spamversender-Kreises auch noch strafrechtliche Konsequenzen.

Angeklagt ist beispielsweise der bereits einschlägig vorbestrafte, in Australien ansässige Lance Thomas A., der 2005 in den USA eine Strafe von 2,2 Millionen Dollar kassierte. Zurzeit steht auch in Neuseeland eine Klage über 121.000 US-Dollar im Raum. Doch die Fahnder und Strafverfolger arbeiten nicht nur in den USA, Australien und Neuseeland auf Hochtouren, um dem herbalKing-Netz den garaus zu machen: Querverbindungen gibt es offenbar auch nach Indien, China, Georgien und Zypern.

In einigen der Länder ist eine Strafverfolgung solcher Spam-Vergehen auf der Grundlage von in den letzten Jahren geschaffenen Gesetzen möglich. In anderen besteht die Möglichkeit der Klage aus Markenschutzrechtlichen Gründen - zum Warenportfolio der beworbenen Güter gehörten etwa auch Uhren-Imitate.

In den USA droht dem zum HerbalLing-Netz gehörenden Jody Michael S. möglicherweise gleich ein ganzes Bündel von Klagen. Darunter möglicherweise eine, weil die Betrüger nicht genügend betrogen: In manchen der per Spam beworbenen Viagra-Imitate fanden sich tatsächlich Spuren des potenzsteigernden, aber unter Umständen gesundheitsgefährdenden Wirkstoffs.

pat

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