Illegales Filmportal: Prozess gegen mutmaßlichen Kino.to-Drahtzieher gestartet

Nummer fünf sitzt: Vor dem Landgericht Leipzig muss sich seit Dienstag der mutmaßliche Drahtzieher des Filmportals kino.to verantworten. Ihm werden mehr als eine Million Urheberrechtsverstöße zur Last gelegt. Vier Beschuldigte wurden bereits zu Haftstrafen verurteilt.

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Kino.to: Mutmaßlicher Drahtzieher vor Gericht

Hamburg - Einer der mutmaßlich führenden Köpfe des illegalen Filmportals kino.to muss sich seit Dienstag vor dem Landgericht Leipzig verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten Bastian P. vor, gemeinsam mit anderen Beteiligten massenhaft illegale Kopien von Spielfilmen, Dokumentationen und TV-Serien verbreitet zu haben. Er soll zwischen 2009 und Mitte 2011 in mehr als 1,1 Millionen Fällen gegen das Urheberrecht verstoßen haben, indem Links zu urheberrechtlich geschützten Filmen öffentlich zugänglich gemacht wurden.

Die Anklage wertet dies als gemeinschaftliche gewerbsmäßige unerlaubte Verwertung von urheberrechtlich geschützten Werken. Der Angeklagte galt laut Staatsanwaltschaft als der Hauptadministrator und technisch Verantwortliche des illegalen Internetportals. Er sitzt in Untersuchungshaft. Im Falle einer Verurteilung droht ihm eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. Ein Urteil wird frühestens Anfang Mai erwartet.

Vergangenes Jahr waren bereits mehrere Mittäter zu Haftstrafen verurteilt worden:

  • 2. Dezember: Ein 33 Jahre alter Web-Designer bekam zweieinhalb Jahre Haft. Er hatte nach seiner Festnahme ein umfassendes Geständnis abgelegt. Mit Online-Werbung soll er 190.000 Euro umgesetzt haben. Mehr...
  • 7. Dezember: Drei Jahre Haft bekam der 27-jährige Administrator, der 23.000 Raubkopien von Filmen auf interne Server gestellt hatte. Auch er hatte ein Geständnis abgelegt. Mehr...
  • 15. Dezember: Ein Mann aus Nordrhein-Westfalen wurde zu einem Jahr und neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Er hatte gestanden, gegen Bezahlung Tausende Raubkopien bei Filehostern eingestellt zu haben. Mehr...
  • 22. Dezember: Der sogenannte "Serverbeschaffer" wird zu drei Jahren und fünf Monaten Haften verurteilt. Er soll Speicherplatz im Ausland angemietet und mit Abo-Fallen - gegen Gebühr konnten Filme und Serien schneller heruntergeladen werden - von 2008 bis 2011 mehrere Hunderttausend Euro Gewinn gemacht haben. Mehr...

Über die Zulassung einer weiteren Anklage der Generalstaatsanwaltschaft gegen einen anderen Hauptverdächtigen wurde noch nicht entschieden.

Kino.to war im vergangenen Sommer von der Polizei stillgelegt worden. Es war das größte deutschsprachige Internetportal für illegal angefertigte Filmkopien. Die Website soll etwa vier Millionen Nutzer täglich gehabt haben. Sie fanden dort kostenlos Links zu Servern mit illegal angebotenen Titeln. Nach Einschätzung der Ermittler lag der Schaden für die Filmwirtschaft im siebenstelligen Eurobereich, während die Hauptbeschuldigten enorme Gewinne einstrichen.

Anfang Juni vergangenen Jahres hatten Polizei und Staatsanwaltschaft 13 Verdächtige festgenommen, Wohnungen, Geschäftsräume und Rechenzentren im In- und Ausland durchsucht sowie die Seite abschalten lassen.

ore/dpa

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insgesamt 17 Beiträge
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1. Klau im Internet
modernworld 20.03.2012
Zitat von sysopDPANummer fünf sitzt: Vor dem Landgericht Leipzig muss sich seit Dienstag der mutmaßliche Drahtzieher des Filmportals kino.to verantworten. Ihm werden mehr als eine Million Urheberrechtsverstöße zur Last gelegt. Vier Beschuldigte wurden bereits zu Haftstrafen verurteilt. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,822601,00.html
Mit der Verurteilung dieser Kriminellen wird hoffentlich ein Umdenken bei den Konsumenten angeregt. Der Diebstahl geistigen Eigentums gilt innerhalb der Internet-Gemeinde als Kavaliersdelikt, nach dem Motto: Selbst Schuld - wer seine Werke in das Netz stellt macht sie öffentlich und somit verfügbar. - Aber Auslagen in Schaufenstern sind auch öffentlich, und kein normaler Mensch käme auf die Idee, sich dort einfach kostenlos zu bedienen. Fotografen, Designer, Filmemacher, Musiker,Journalisten, Autoren, sie alle werden hemmungslos beklaut. Der 14-jährigen Schülerin, die sich ein Web-Foto klaut, um damit ihre eigene Geburtstagskarte zu designen, mag man den Diebstahl noch verzeihen, aber ein professionell betriebener und gewerblicher Diebstahl mittels Raubkopien sollte mit hohen Strafen und dem Entzug der Gewerbeerlaubnis geahndet werden.
2. Lustig
Tom Joad 20.03.2012
Lustig finde ich, dass die ganze Nummer unter kinox.to einfach weiterläuft, als sei nichts geschehen.
3. Naja...
texter_morgen 20.03.2012
Zitat von modernworldMit der Verurteilung dieser Kriminellen wird hoffentlich ein Umdenken bei den Konsumenten angeregt. Der Diebstahl geistigen Eigentums gilt innerhalb der Internet-Gemeinde als Kavaliersdelikt, nach dem Motto: Selbst Schuld - wer seine Werke in das Netz stellt macht sie öffentlich und somit verfügbar. - Aber Auslagen in Schaufenstern sind auch öffentlich, und kein normaler Mensch käme auf die Idee, sich dort einfach kostenlos zu bedienen. Fotografen, Designer, Filmemacher, Musiker,Journalisten, Autoren, sie alle werden hemmungslos beklaut. Der 14-jährigen Schülerin, die sich ein Web-Foto klaut, um damit ihre eigene Geburtstagskarte zu designen, mag man den Diebstahl noch verzeihen, aber ein professionell betriebener und gewerblicher Diebstahl mittels Raubkopien sollte mit hohen Strafen und dem Entzug der Gewerbeerlaubnis geahndet werden.
Der Vergleich mit dem Schaufenster hinkt ein wenig. Wenn man einen körperlichen Gegenstand aus einem Schaufenster klaut, steht dieser dem Eigentümer nicht mehr zur Verfügung und er erleidet tatsächlich einen materiellen Schaden...evtl auch einen finanziellen, wenn man davon ausgeht, dass er diesen iwann verkaufen würde. Bei geistigen Eigentum sieht das ganze jedoch ganz anders aus. Wer kann mit sicherheit sagen, wieviele z.B. in einen Kinofilm gegangen wären, wäre dieser nicht kostenlos im Netz zu beziehen. Sicher steht ein gewisser Schaden, aber nicht jeder, der einen Film im Netz guckt wäre stattdessen auch für teures Geld ins Kino gegangen..soviel Geld haben die meisten Menschen nämlich nicht um jeden Film im Kino zu sehen. Ich geben Ihnen sicher Recht damit, dass ein Schaden entsteht....die bezifferung in € von Seiten der Copyright-Inhaber halte ich in den meisten fällen jedoch für total überzogen und rechtlich gesehen auch für schwer zu belegen.
4.
crunchy_frog 20.03.2012
Zitat von modernworldMit der Verurteilung dieser Kriminellen wird hoffentlich ein Umdenken bei den Konsumenten angeregt. Der Diebstahl geistigen Eigentums gilt innerhalb der Internet-Gemeinde als Kavaliersdelikt, nach dem Motto: Selbst Schuld - wer seine Werke in das Netz stellt macht sie öffentlich und somit verfügbar. - Aber Auslagen in Schaufenstern sind auch öffentlich, und kein normaler Mensch käme auf die Idee, sich dort einfach kostenlos zu bedienen. Fotografen, Designer, Filmemacher, Musiker,Journalisten, Autoren, sie alle werden hemmungslos beklaut. Der 14-jährigen Schülerin, die sich ein Web-Foto klaut, um damit ihre eigene Geburtstagskarte zu designen, mag man den Diebstahl noch verzeihen, aber ein professionell betriebener und gewerblicher Diebstahl mittels Raubkopien sollte mit hohen Strafen und dem Entzug der Gewerbeerlaubnis geahndet werden.
Wie wärs wenn Sie sich erst mal informieren was Diebstahl überhaupt ist, bevor sie hier den Oberlehrer machen? Kleiner Tipp: geistiges Eigentum kann man nicht stehlen. Stehen kann man nur materielle Güter.
5. Schnecken-Filme
monotram2 20.03.2012
Dann sollen die geistigen Eigentümer fixer auf DVD/Bluray veröffentlichen. Ich hab keine Problem zu bezahlen, und erfreue mich mittlerweile einer gesunden Sammlung. Aber 5-6 Monate warten, wenn man nicht ins Kino will oder kann, ist schon nicht mehr wirklich zeitgemäß. Dann muss man sich nicht wundern, wenn viele die schnellere Methode wählen. Aber in der Spielebranche ist es ja ähnlich: Bestraft werden die, die mit bezahlten und ungecrackten Versionen an den Servern abprallen oder sich Schnüffelsoftware mitladen müssen. König Kunde - nix begriffen.
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