Reaktion auf kino.to-Urteil Angreifer legen Justiz-Websites lahm

Online-Attacke auf deutsche Justiz-Websites: Nach der Verurteilung des Chefprogrammierers des illegalen Filmportals kino.to überlasten Unbekannte die Internetpräsenz des Bundesjustizministeriums. Auch die zentrale Homepage der sächsischen Justiz war zeitweise nicht erreichbar.

Offline: Die Seite des Bundesjustizministeriums war am Mittwochnachmittag überlastet

Offline: Die Seite des Bundesjustizministeriums war am Mittwochnachmittag überlastet


Leipzig - In einem Strafprozess hatte das Landgericht Leipzig den Chefprogrammierer des illegalen Filmportals kino.to, Bastian P., wegen massiver Urheberrechtsverstöße zu einer Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten verurteilt. Die Rache anonymer Netzaktivisten ließ nicht lange auf sich warten: Am Mittwochnachmittag waren die Internetseite des Bundesministeriums der Justiz (BMJ) in Berlin und die zentrale Homepage der sächsischen Justiz zeitweise nicht erreichbar.

Nur eine knappe Stunde nach Bekanntwerden des Urteils, um 15.39 Uhr, verbreitete eine Gruppe namens "Anonymous Austria" über den Kurznachrichtendienst Twitter die Nachricht "Revenge for kino.to - http://www.bmj.de/ DOWN!" - die im Hacker-Jargon gebräuchliche Formel für die erfolgreiche Blockade von Internetseiten.

Die Absender verwiesen in mehreren Tweets explizit auf die Homepages justiz.sachsen.de und bmj.de und bezogen sich auf das im Juni 2011 von den deutschen Behörden abgeschaltete Filmportal kino.to. Die digitalen Bekennerschreiben endeten mit der Losung des Netzaktivisten-Kollektivs Anonymous: "Wir sind viele, erwartet uns!"

Auf der Website des Bundesjustizministeriums erschien für Besucher am Mittwochnachmittag nur der Hinweis, der Server bmj.de brauche "zu lange, um eine Antwort zu senden".

Es handelt sich offenbar um eine sogenannte "Denial of Service Attacke", bei der Server durch zahllose Anfragen in die Knie gezwungen werden. Im Zusammenhang mit der Abschaltung von kino.to gab es bereits ähnliche Vergeltungsaktionen. Noch am Tag der Razzia gegen die Betreiber des Portals und angeschlossener Filehoster wurde die Webseite der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) aus dem Netz geschossen.

Die Pressestelle des Bundesjustizministeriums bestätigte den Angriff passenderweise ebenfalls via Twitter - und kommentierte auch gleich: "Seite down aus Rache wegen kino.to? Das ist ein Urteil der unabhängigen Justiz. Wer Recht ändern will, muss es auch verstehen."

Eine Sprecherin des sächsischen Justizministeriums bestätigte eine Überlastung der Server, man arbeite an dem Problem. Am späten Nachmittag waren die Seiten kurzzeitig wieder erreichbar.

röb/rom

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insgesamt 17 Beiträge
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navysailor 11.04.2012
1. Wen interessiert ...
... ob irgendwelche "Hobbyhacker" diese "unwichtigen" Seiten lahm legen. Wenn keiner drüber berichten würde wäre es ungefähr so, als wenn in Hinterhupfingen ein Kirschbaum illegaler Weise gefällt worden wäre. MFG
lichtwort.de 11.04.2012
2. Verlinken mit Körperverletzung und fahrlässiger Tötung gleichgestellt
Das Strafmaß für das Verlinken von miserablen Filmen in miserabler Bildqualität ist ja auch im Vergleich zu "echten" Straftaten dermaßen hoch, dass die Angreifer wohl davon ausgehen, dass die Justiz schlicht korrupt ist. Man erinnere sich nur an den Klinikskandal mit Arnold P., der wegen Körperverletzung mit Todesfolge und fahrlässiger Tötung ebenfalls vier Jahre ins Gefängnis musste.
jomo3 11.04.2012
3.
Zitat von sysopOnline-Attacke auf deutsche Justiz-Websites: Nach der Verurteilung des Chefprogrammierers des illegalen Filmportals kino.to überlasten Unbekannte die Internetpräsenz des Bundesjustizministeriums. Auch die zentrale Homepage der sächsischen Justiz war zeitweise nicht erreichbar. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,826969,00.html
4 Jahre Haft ! Steht das denn noch in Relation zu Urteilen wegen Gewaltverbrechens ? Steht das denn noch in Relation zu Urteilen wegen massiver Steuerhinterziehung, Untreue, Insiderbankenhandel und vielem anderen mehr - nenne einfach mal den Namen: Zumwinkel.
Pizza No.7 11.04.2012
4. Steuerfrei
Zitat von jomo34 Jahre Haft ! Steht das denn noch in Relation zu Urteilen wegen Gewaltverbrechens ? Steht das denn noch in Relation zu Urteilen wegen massiver Steuerhinterziehung, Untreue, Insiderbankenhandel und vielem anderen mehr - nenne einfach mal den Namen: Zumwinkel.
Tja, die kino.to-Leute haben sich hübsch die Taschen vollgemacht bzw. vollmachen wollen. Und das mag gerade noch angehen, aber sie wollten das Geld garantiert nicht versteuern. Das ist dann der Augenblick, wo jeder Staat kein Pardon mehr kennt. So ist das einfach. Da nutzen auch alberne Netz-Attacken nichts.
pepito_sbazzeguti 11.04.2012
5. Justiz
Zitat von jomo34 Jahre Haft ! Steht das denn noch in Relation zu Urteilen wegen Gewaltverbrechens ? Steht das denn noch in Relation zu Urteilen wegen massiver Steuerhinterziehung, Untreue, Insiderbankenhandel und vielem anderen mehr - nenne einfach mal den Namen: Zumwinkel.
Und genau darauf wird Ihnen die Justiz antworten: "Ach, das ist doch etwas ganz Anderes."
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