Rabattsystem Dealjaeger.de reanimiert LetsBuyIt.com

Letsbuyit.com war Star und prominentes Opfer im ersten Dotcom-Boom: Mit konzertiert ausgehandelten Mengenrabatten sollten die Netznutzer sich als Konsumenten ermächtigen. Jetzt will ein deutsches Start-Up das Konzept wiederbeleben - ohne die juristischen Fallstricke von damals.


"Social Shopping" nennen die Betreiber von Dealjaeger.de das, was ihr Angebot ermöglichen soll: eine Art konzertierte Schnäppchenjagd, bei der sich Nutzer gegenseitig auf günstige Angebote hinweisen. Egal, ob es um Flachbildschirme oder Trockenrasierer geht. Angesichts diverser Suchmaschinen und Preisaggregatoren, die schon jetzt die Suche nach günstigen Angeboten im Netz vereinfachen, ein durchaus gewagtes Unterfangen. "Community", das Zauberwort des neuen Netzes, soll ein bisschen Wärme in die kalte Welt der Preisroboter bringen.

Nun beleben die Dealjäger ein Konzept aus der Hochzeit der ersten Dotcom-Blase wieder. Letsbuyit.com war damals einer der Stars der Szene – konzertierte Nachfrage sollte für niedrige Preise sorgen. Wenn sich genügend Käufer für ein Produkt finden, so das Prinzip, dann wird's für alle billiger. Was folgte, war ein Lehrstück in Sachen gescheiterte New Economy: Man gab zu viel Geld aus - etwa für eine teure Werbekampagne mit computeranimierten Ameisen. Dann kamen ein Börsenskandal, juristische Untiefen, Konflikte mit dem Rabattgesetz, katastrophale Gewinneinbrüche.

Totgesagtes Konzept lebt länger?

2003 wurde die Marke letsbuyit.com verkauft. Das Versandhaus Quelle hat unter dem Namen "Power Shopping" immer noch eine Art Mengenrabatt-System im Angebot - aber so richtig durchgesetzt hat sich das damals als Revolution gepriesene System nicht. Nur in Großbritannien findet man unter dem alten Markennamen inzwischen wieder ein Rabatt-Angebot.

Letsbuyit.com Deutschland ging unter – bei Dealjaeger probiert man es jetzt noch einmal mit dem gleichen Konzept, allerdings mit einem kleinen Unterschied: "Die Käufer verpflichten sich nicht rechtlich verbindlich zum Kauf", erklärt Sven Schmidt von Dealjäger.de. Etwa 5000 registrierte Nutzer hat Dealjaeger.de laut Schmidt bis jetzt, 10.000 Visits verzeichnet die Seite ihm zufolge pro Tag.

Im Endeffekt ist das System, das jetzt als "Treibjagd" angepriesen wird, eine Art Reste-Deal mit Mengenrabatt zwischen Händler und Verkäufer. Wenn ein Händler noch 100 Haartrockner übrig hat, die er gerne loswerden möchte, kann er über Dealjäger erklären, dass er diese en bloc für einen bestimmten, günstigen Preis verkaufen möchte. Kommen die Hundert zusammen, kommt das Geschäft zustande.

Was genau passiert, wenn sich zwar 100 melden, dann aber doch nur 76 tatsächlich kaufen, ist nicht völlig klar – man werde sich aber bemühen, dann zwischen Händler und Käufern zu vermittlen, um das Geschäft doch noch zum Abschluss zu bringen, so Schmidt. Außerdem werde es eine Warteliste geben, so dass Kaufwillige nachrücken könnten, wenn andere abspringen.

Dealjaeger finanziert sich über Händlerprovisionen – die Betreiber haben also ein starkes Interesse daran, dass Transaktionen auch tatsächlich zustande kommen. Ab Dienstagmorgen gibt es als erstes "Treibjagd"-Angebot eine Digitalkamera für einen Preis von knapp 170 Euro - wenn sich 100 Käufer finden. Bleibt abzuwarten, ob das Konzept aus dem Web 1.0 sich diesmal durchsetzen kann.

cis



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