Bundeswehr Soldatensender muss Facebook verlassen

Radio Andernach sendet für Bundeswehrsoldaten im Auslandseinsatz und hat eine treue Fangemeinde. Jetzt musste der Sender seine beliebte Facebook-Seite löschen - auf Geheiß des Verteidigungsministeriums.

Moderator von "Radio Andernach" in Mayen (Archivbild von 2013): "Mangelndes Vertrauen in Soldaten"
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Moderator von "Radio Andernach" in Mayen (Archivbild von 2013): "Mangelndes Vertrauen in Soldaten"


Radio Andernach ist, im Jargon der Bundeswehr, ein Truppenbetreuungssender. "Soldaten senden für Soldaten", lautet das Motto des Programms, das vor allem in Mayen in der Eifel für die Truppen im Auslandseinsatz produziert wird.

Der Sender hat eine treue Fangemeinde, auch auf Facebook, wo man mehr als 12.000 Anhänger versammelt hatte - zumindest, bis der Sender pünktlich zum Jahreswechsel seine Facebook-Seite abgeschaltet hat. "Tschüss, wir melden uns ab. Mit dem Jahreswechsel stellen wir unseren Facebook-Auftritt leider ein." So begann der letzte Eintrag auf der Seite im Dezember.

Wie nun bekannt wurde, ordnete das Verteidigungsministerium die Schließung der Facebook-Präsenz an.

Über den Fall hatte zuerst der Journalist Thomas Wiegold in seinem Bundeswehr-Blog "Augen geradeaus!" berichtet. Aus dem Verteidigungsministerium heißt es dazu, der Sender sei lediglich ein internes Medium der Betreuungskommunikation. Der Sender soll nur für die Truppe senden und nicht für die Öffentlichkeit, also brauche er keine Präsenz im öffentlichen Netzwerk. Soldaten senden für Soldaten eben.

"Angst, dass jemand etwas Falsches schreiben könnte"

In der Truppe jedoch werden offenbar auch andere Motive vermutet: "Tagesschau.de zitiert" einen namentlich nicht genannten Offizier mit den Worten: Teilen der militärischen Führung sei es eben ein Dorn im Auge, wenn Soldaten sich ohne Einhaltung des Dienstweges frei und öffentlich austauschten. "Den Facebook-Auftritt bei Radio Andernach abzuschalten ist eben Teil dieses Kontrollwahns und mangelnden Vertrauens in die Soldaten. Die haben Angst, dass jemand irgendetwas Falsches schreiben könnte."

Das Programm selbst ist harmlos. Es gibt eine Mischung aus Nachrichten, Musik und Grußbotschaften von der Heimat in die Einsatzgebiete sowie die Regionalsendung "Guten Morgen Afghanistan". Im Netz ist der Sender als passwortgeschützter Live-Stream zu hören, Zugänge erhalten Soldaten und Mitarbeiter der Bundeswehr sowie deren Angehörige.

Auch die Politik schaltet sich jetzt in den Fall ein. Der SPD-Abgeordnete Thomas Hitschler forderte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) auf, die Entscheidung "noch einmal zu überdenken".

In seinem Schreiben, das SPIEGEL ONLINE vorliegt, argumentiert er, dass "doch gerade die öffentlich zugängliche Diskussion auf dieser Plattform" dem Ziel der inneren Führung entspreche, einen Staat im Staate zu verhindern. "Zweitens entspricht eine solche Nutzung der Neuen Medien doch der Zielrichtung der Attraktivitätsoffensive, die eine moderne Bundeswehr als attraktiven Arbeitgeber aufbauen und präsentieren will und gerade über solche Plattformen mögliche Interessenten erreichen kann.

Außerdem erwähnt Hitschler, dass "eine herkömmliche Homepage nicht weniger öffentlich als eine Facebook-Fanseite" ist. Tatsächlich hat Radio Andernach auch eine Webseite - auf der sich allerdings anders als auf Facebook Soldaten nicht frei und öffentlich sichtbar austauschen.

fab



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