Radioempfang NDR schaltet seine Mittelwellensender ab

"Keine zeitgemäße Technologie mehr": Die meisten Landesrundfunkanstalten haben ihre Mittelwellensender schon eingestellt, am Montag zieht der NDR nach. Mit der Abschaltung soll vor allem Geld gespart werden.

UKW-Reiseempfänger (links) und Röhren-Radio: Die Mittelwellen-Sender werden überwiegend für Spezialformate genutzt
DPA

UKW-Reiseempfänger (links) und Röhren-Radio: Die Mittelwellen-Sender werden überwiegend für Spezialformate genutzt


Als eine der letzten Landesrundfunkanstalten der ARD-Familie will der Norddeutsche Rundfunk (NDR) kommenden Montag die Ausstrahlung seiner Programme über Mittelwelle (MW) beenden. Die Technologie sei teuer und ökologisch nicht mehr zeitgemäß, erklärte der NDR in einer Mitteilung.

Die Stromkosten seien hoch, die Tonqualität niedrig, zudem seien die technischen Möglichkeiten begrenzt. MW erlaube nicht einmal ein Angebot in Stereo. Durch die Abschaltung könne der NDR "mindestens einen mittleren sechsstelligen Betrag" einsparen.

Bislang wurde der Kanal vor allem für die Übertragung bedeutsamer Bundestagsdebatten und Fußballspiele, der ARD-Infonacht und des Seewetterberichts genutzt. Dieses unter dem Namen NDR Info Spezial zusammengefasste Nachrichtenangebot soll durch das Digitalradio DAB+, das Internet, die NDR Radio App und per Satellit (DVB-S) weiter zugänglich bleiben.

WDR und BR behalten MW-Angebot bei

Mit der Maßnahme reiht sich der NDR unter die Rundfunkanstalten ein, die sich bereits von der Mittelwelle verabschiedet haben. Dazu gehören der Südwestrundfunk, der Mitteldeutsche Rundfunk, der Hessische Rundfunk, der Rundfunk Berlin-Brandenburg, Deutschlandradio Kultur und Radio Bremen. Als einzige Landesrundfunkanstalten behalten der Westdeutsche Rundfunk und der Bayerische Rundfunk ihr MW-Angebot vorerst bei.

Laut "Heise Online" gibt es beim Deutschlandfunk Pläne, das hauseigene MW-Programm bis Ende des Jahres einzustellen. Freiwerdende Mittel sollten einem Deutschlandradio-Sprecher zufolge in DAB+ gelenkt werden.

Die Mittelwelle deckt im Hörfunk den Frequenzbereich ungefähr zwischen 530 Kilohertz und 1600 Kilohertz ab. Die Technik spielte beim Aufbau des Radios in Deutschland von den 20er-Jahren noch bis in die 50er-Jahre eine große Rolle. Seit der Nachkriegszeit verdrängte aber die Ultrakurzwelle (UKW) beim breiten Publikum diese Technik weitgehend.

Doch auch das analoge Radio über UKW wird immer wieder hinterfragt. Deutschlandradio-Intendant Willi Steul zum Beispiel hat sich wiederholt für eine Abschaltung starkgemacht. Ursprünglich sollten schon bis zum Jahr 2010 alle Radiosender ihren Sendebetrieb auf das digitale DAB (Digital Audio Broadcasting) umgestellt haben. Nach massiven Widerständen hatte der Gesetzgeber einen festen Termin gestrichen.

meu/dpa

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insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
pfalzkapelle 07.01.2015
1. Schreibfehler
NDR schaltet seine Mittelwellensender am werde nicht der Erste sein, aber NDR schaltet die Mittelwellensender wohl "ab".
bernteone 07.01.2015
2. so werden die gelder verschwendet
ich kenne keinen der heute noch mw hört und das schon seit gefühlten 100 jahren , aber die öffentlichen trennen sich teilweise erst jeztz . den verantwortlichen müsste man die kosten vom gehalt abziehen , dann würde der sendebetrieb noch heute eingestellt . aber ist wie überall bei behörden , ist halt nur das geld anderer leute
fatherted98 07.01.2015
3. Wird..
...nicht mehr lange dauern bis auch UKW abgeschaltet wird. Dann gibts Radio nur noch übers Netz...naja...auf den NDR (auf Mittelwelle/UKW oder im Netz) kann ich jedenfalls gut verzichten.
verhetzungsschutz 07.01.2015
4. Freundsender
"Keine zeitgemäße Technologie mehr": weder lässt sich das Premiumprogramm mit DRM gegen unerlaubtes Aufzeichnen schützen noch können die persönlichen Daten der Hörer ausgeforscht werden. Der einzige Sinn, den Mittelwelle noch hat, ist die Empfangsmöglichkeit des deutschen Programms im Ausland. Das geht sogar mit Billigstempfängern auf dem Boden der Ukraine.
kritischergeist 07.01.2015
5. Mittelwelle Okay aber den DLF auf Lang- und Kurzwelle bitte nicht
Was passiert bei einem deutschlandweitem Blackout? TV, UKW-Radio, DAB, DVB-T, Internet, Telefon, alles fällt aus. Der Bürger steht sprichwörtlich im Dunkeln und hat keine Ahnung wie es weiter geht. Das Chaos wäre vorprogrammiert. Die einzige Informationsquelle ist dann die Lang- und Kurzwelle mit großer Reichweite, die man mit einem Kofferradio empfangen kann. Diese Sender haben Notstromaggregate die über Wochen den Sendebetrieb aufrecht erhalten können. In einem Katastrophenfall absolut unverzichtbar. Für den Bürger empfiehlt es sich ein Kofferradio mit ausreichend Batterien verfügbar zu haben.
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