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29. Dezember 2012, 11:15 Uhr

Bastel-Rechner Raspberry Pi

Die besten Projekte für den 46-Euro-PC

Von und

Klein, billig, bastlerfreundlich: Der Raspberry Pi ist der Computer für Hardware-Hacker, er kostet weniger als 50 Euro und ist klein wie eine Kreditkarte. Bastler nutzen ihn für sprachgesteuerte Kaffeemaschinen und Mini-Spielautomaten. Die interessantesten Projekte im Überblick.

Er ist klein, billig - und universell einsetzbar: Der Raspberry Pi ist ein Mini-Computer mit den Maßen einer Scheckkarte. Mit USB- und Netzwerkanschluss, diversen Datenschnittstellen, HDMI- und Audioausgang ist das 40-Euro-Gerät prädestiniert für den Einsatz in Bastelprojekten. Angetrieben wird der Raspberry Pi über Linux, verschiedene Distributionen lassen sich für den Einsatz im Einplatinenrechner auf eine SD-Karte spielen.

Der Raspberry Pi wurde zu dem Erfolg, dem ihn seine Macher gewünscht hatten: Der Zwergcomputer funkt Live-Bilder aus der Stratosphäre, steuert Kaffeemaschinen und beamt Spielfilme ins Wohnzimmer. Findige Bastler schaffen Musikinstrumente aus Gemüse - und im Hintergrund werkelt ein Raspberry Pi, der die Signale von Sensoren verarbeitet, in vergleichsweise einfach erlernbaren Programmiersprachen wie Python.

Rüben-Musik, Kaffeemaschine mit Sprachsteuerung und ein Mini-Spielautomat - die besten Bastlerprojekte für den Raspberry Pi im Überblick.

Voll auf die Rübe: Raspberry Pi als BeetBox

Ein besonderes Instrument hat der New Yorker Medienkünstler Scott Garner gebaut. Seine BeetBox besteht aus Rüben. Berührt man das Gemüse, ertönen aus dem unteren Teil des Holzgestells die Klänge eines Schlagzeugs. Die Steuerung übernimmt ein Raspberry Pi. Sensoren melden dem Mini-Rechner, wenn eine Rübe berührt wird. Ein Script sorgt dafür, dass dann die passende Audiodatei abgespielt wird. Für satteren Sound schickt Garner das Audiosignal des Raspberry Pi an einen kleinen Verstärker.

Von all dem sieht der Nutzer allerdings nichts: Die Sensoren stecken in den Rüben, der Rest der Technik verbirgt sich im geschmackvollen Holzgestell. Wer mag, kann die BeetBox nachbauen: Den Quellcode für die Steuerung des Sensors und die Soundausgabe hat Scott Garner auf GitHub hochgeladen. Wie es aussieht, wenn Menschen die Funktionen der BeetBox entdecken, hat Scott Garner in einem Video festgehalten.

Diese Kaffeemaschine kocht aufs Wort

Das ist nur ein Prototyp, eine kleine Demonstration der Idee, spielt der Düsseldorfer Entwickler Sascha Wolter die Erwartungen an seine sprachgesteuerte Kaffeemaschine herunter. Das Video ist umso beeindruckender: Jemand schaltet die Kaffeemaschine ein, kurz darauf ruft die Software Wolters Telefon an. Eine Computerstimme warnt: "Die Kaffeemaschine ist heiß."

Dann ruft der Entwickler vom Smartphone aus die Nummer der Maschine an und steuert sie über die Zifferntasten. Er drückt die 1, die Computerstimme bestätigt "The coffee machine is making a coffee." Und tatsächlich: Im Hintergrund brüht der Kaffeeautomat ein Tasse frischen Kaffee. Möglich macht das der Raspberry Pi, an den Wolter die Kaffeemaschine angeschlossen hat. Für die Sprachsteuerung per Telefon nutzt Wolter die Entwicklerschnittstelle zum Telekom-Sprachdialogsystem Tropo.

Lichtmalerei - Raspberry Pi steuert ein LED-Band

Phillip Burgess hat als Illustrator für die "Los Angeles Times" gearbeitet und Software zur Darstellung von Kartenmaterial geschrieben. Die beiden Interessenfelder hat er bei seinem neuen Arbeitgeber, dem Elektronikversender Adafruit in einem Projekt vereint: Seine Software steuert über einen Raspberry Pi ein Band mit bunten LED-Leuchten, das an einem Fahrrad befestigt ist. So ist es möglich, bestimmte Farben für kurze Zeit an bestimmten Stellen aufleuchten zu lassen. Wenn man das in einer dunklen Umgebung macht und mit einer Kamera auf einem Stativ lange fotografiert, kann man mit Licht ganz neue Formen in die Luft malen.

Burgess hat seine Beispielfotos 10 bis 15 Sekunden lang belichtet. Man sieht in der Dunkelheit vor seiner Garageneinfahrt Cola-Logos, einen Flammenkreis, eine grüne Lichtschlange und das Lichtmotorrad aus dem Film "Tron". Die nötige Hardware (LED-Band und Anschlüsse) kostet ein paar Dollar, die Software gibt es kostenlos. Burgess dokumentiert sein Vorgehen in einer umfassenden Anleitung.

Mini-Spielautomat: "Bubble Bobble" auf 2,4-Zoll-Display

Jeroen Domburg hat eine Herausforderung gesucht. Der niederländische Entwickler hatte sich einen Raspberry Pi gekauft und als der Mini-PC geliefert wurde, wollte Domburg mehr damit machen als ihn bloß als Media Center für den Fernseher zu nutzen.

Also entwarf er ein durchsichtiges Spezialgehäuse in Form eines Spielautomaten. Er schloss einen Mini-Bildschirm (2,4-Zoll-Diagonale) an, einen Joystick und Feuerknöpfe - was nicht so leicht ist, wie es klingt, weil man diese Hardware mit einer speziellen Firmware ansprechen muss. Domburg hat zwei interne Lautsprecher aus einem alten Laptop für seinen Mini-Spielautomaten zweckentfremdet und als Stromquelle zwei alte Akkus aus Nokia-Handys. Die Pläne, die Software und eine Anleitung kann man auf Domburgs Website finden - nachbauen können das nur Bastler mit Erfahrung (Video).

Kontrolle in der Stratosphäre: Raspberry Pi als Ballonfahrer

Dave Akerman lässt Ballons in Rekordhöhen aufsteigen, mehr als 43 Kilometer hoch. Eigentlich benutzt der Brite für seine Ballonfahrten einen kleinen, leichten Mikro-Controller, einen "Arduino Mini Pro". Der sammelt die Daten eines GPS-Sensors ein und funkt die Position des Ballons zur Erde. Der Raspberry Pi ist vergleichsweise groß - hat dafür aber eine USB-Schnittstelle. Die nutzte Akerman, um eine Webcam anzuschließen. Sein Projekt: Live-Bilder vom Rande der Erde.

Wie das funktioniert, hat er in einem ausführlichen Blogpost zusammengefasst. Was mit der Nutzlast passiert, wenn in 40 Kilometer Höhe der Ballon platzt, zeigt ein Video. Aufgenommen wurde es bei einem der Flüge mit einer GoPro Hero 2, die zusätzlich zur Webcam unter dem Ballon angebracht war.

Medienplayer: Raspberry Pi fürs Wohnzimmer

Mit der freien Software XBMC wird der Computer zum Medien-Player. Das Programm liest alle möglichen Dateiformate und streamt Videos über das Netzwerk, unterstützt außerdem zahlreiche Fernbedienungen. So lässt sich bequem von der Couch aus auf Filme zugreifen. Wer keinen Computer für sein Wohnzimmer übrig hat, kann auch einen Raspberry Pi mit XBMC ausstatten. Wie das funktioniert, führt das Magazin "c't Linux" vor.

Wie XBMC auf dem Mini-Computer aussieht, zeigt zum Beispiel dieses Video auf YouTube.

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