Raubkopie-Seite: Anklage gegen mutmaßlichen Technikchef von kino.to erhoben

Im Verfahren gegen die Betreiber der Streaming-Seite kino.to wurde nach SPIEGEL-Informationen Anklage gegen einen weiteren Verdächtigen erhoben. Der Mann aus Zwickau soll für die technische Betreuung des Raubkopie-Netzwerks verantwortlich gewesen sein.

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Website kino.to: Wurde im Juni nach einer Polizeirazzia abgeschaltet

Die Dresdner Generalstaatsanwaltschaft hat SPIEGEL-Informationen zufolge im Fall des im Juni abgeschalteten Streaming-Portals kino.to Anklage gegen einen weiteren Beschuldigten erhoben. Über das Internetangebot konnten Nutzer längere Zeit auf Tausende raubkopierte Filme und Fernsehserien zugreifen. Bei dem mutmaßlichen Video-Piraten handelt es sich um Michael H. aus Zwickau, der bei kino.to für Organisation und Betreuung der Server zuständig gewesen sein soll.

Im Juni hatte die Staatsanwaltschaft Dresden zu einem groß angelegten Schlag gegen kino.to ausgeholt. In mehreren europäischen Ländern hatten 250 Polizisten zeitgleich 20 Razzien durchgeführt, um Beweismaterial sicherzustellen und Verdächtige festzunehmen. Insgesamt waren 13 Personen verhaftet worden. Ihnen werden die Bildung einer kriminellen Vereinigung und gewerbsmäßige Verletzung des Urheberrechts vorgeworfen.

Der Staatsanwaltschaft zufolge hatte kino.to rund vier Millionen Besucher täglich. Das Web-Angebot war so populär, weil es widerrechtlich ins Netz gestellte Kinofilme und Serien verlinkte. Die Hauptbeschuldigten sollen mit dem Portal siebenstellige Gewinne erzielt haben. Auf Konten in Spanien, die dem Hauptbeschuldigten aus Leipzig zugeordnet werden, wurden rund 2,5 Millionen Euro sichergestellt. Zudem wurden in Deutschland und auf Mallorca drei Luxusautos und auf dem deutschen Konto eines führenden kino.to-Mitarbeiters 200.000 Euro sichergestellt.

Später erklärte die Generalstaatsanwaltschaft Dresden, die Gruppe um den mutmaßlichen Gründer und Chef Dirk B., 38, stecke auch hinter den Internetseiten movie2k.to und neu.to und habe zudem diverse sogenannte Filehoster, auf denen die Dateien vorgehalten worden seien, betrieben.

Laut Oberstaatsanwalt Wolfgang Klein müsse das Landgericht Leipzig jetzt über die Zulassung der Anklage entscheiden. H. selbst war am Freitag ebenso wenig für eine Stellungnahme zu erreichen wie seine Verteidigung. Die Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Kopf des kino.to-Netzwerks, Dirk B., stehen offenbar kurz vor dem Abschluss.

Man rechne mit einer baldigen Anklageerhebung, sagte Klein.

mak

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1. "Raubkopie"
suchenwi 27.11.2011
Zitat von sysopIm Verfahren gegen die Betreiber der Streaming-Seite kino.to wurde nach SPIEGEL-Informationen Anklage gegen einen weiteren Verdächtigen erhoben. Der Mann aus Zwickau soll für die technische Betreuung des Raubkopie-Netzwerks verantwortlich gewesen sein. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,800191,00.html
Der Begriff "Raubkopie" ist polemisch und falsch. Raub ist nach § 249 StGB die Wegnahme einer fremden beweglichen Sache, mit Gewalt oder unter Anwendung von Drohungen mit gegenwärtiger Gefahr für Leib und Leben. Eine Kopie ist dagegen einfach das Abbild einer immateriellen Sache. Keine Wegnahme, keine Gewalt, keine Drohung, keine Gefahr für Leib und Leben. Das ganze Internet funktioniert nur dadurch, dass Kopien von immateriellen Sachen erstellt und versandt werden. Ob urheberrechtlich lizensiert oder nicht, ist eine andere Sache. Statt "Raubkopie" schreibe man besser "unlizensierte Kopie".
2. *
McSteph 28.11.2011
Zitat von suchenwiDer Begriff "Raubkopie" ist polemisch und falsch. Raub ist nach § 249 StGB die Wegnahme einer fremden beweglichen Sache, mit Gewalt oder unter Anwendung von Drohungen mit gegenwärtiger Gefahr für Leib und Leben. Eine Kopie ist dagegen einfach das Abbild einer immateriellen Sache. Keine Wegnahme, keine Gewalt, keine Drohung, keine Gefahr für Leib und Leben. Das ganze Internet funktioniert nur dadurch, dass Kopien von immateriellen Sachen erstellt und versandt werden. Ob urheberrechtlich lizensiert oder nicht, ist eine andere Sache. Statt "Raubkopie" schreibe man besser "unlizensierte Kopie".
Himmel, dann klingt es ja garnicht mehr so verbrecherisch wie "Raub"Kopie. Evtl. verliert der Vorgang dann an Schrecken..... Also in der öffentlichen Wahrnehmung.
3. Kino.to Raubkopie
derdominikaner 28.11.2011
Zitat von suchenwiDer Begriff "Raubkopie" ist polemisch und falsch. Raub ist nach § 249 StGB die Wegnahme einer fremden beweglichen Sache, mit Gewalt oder unter Anwendung von Drohungen mit gegenwärtiger Gefahr für Leib und Leben. Eine Kopie ist dagegen einfach das Abbild einer immateriellen Sache. Keine Wegnahme, keine Gewalt, keine Drohung, keine Gefahr für Leib und Leben. Das ganze Internet funktioniert nur dadurch, dass Kopien von immateriellen Sachen erstellt und versandt werden. Ob urheberrechtlich lizensiert oder nicht, ist eine andere Sache. Statt "Raubkopie" schreibe man besser "unlizensierte Kopie".
Das trifft den Nagel auf den Kopf.Aber wer braucht eine Schlagzeile mit "unlizensierte Kopie".Das macht sich nicht gut im Verkauf,beim Staatsanwalt und in den Nachrichte. Worte wie Raub, Piraterie usw. sind doch viel besser zu verkaufen.Genau die Leute die Heute gegen Kino.to vorgehen, werden Morgen das Internet nach chinesischer Machart befuerworten.Bevormundung und Kontrolle.Den gleichen Aufwand gegen Pornographie,wuerde nach meiner Meinung mehr Sinn machen.RED TUBE & Co.tummeln sich weiter im Internet ohne das sich ein Dresdner Staatsanwalt darueber aufregt. derdominikaner
4. Trotzdem
Rudy_Mentaire 28.11.2011
ist und bleibt es nicht erlaubt. Ich finde es moralisch ziemlich bedenklich, wenn ich mit Freunden ins Kino geh und dann kommt "in den Film brauchen wir nicht, den hab ich mir schon im Internet angeschaut" oder "den hab ich schon auf Festplatte".
5. kuschelkuschel
grana 28.11.2011
Zitat von Rudy_Mentaireist und bleibt es nicht erlaubt. Ich finde es moralisch ziemlich bedenklich, wenn ich mit Freunden ins Kino geh und dann kommt "in den Film brauchen wir nicht, den hab ich mir schon im Internet angeschaut" oder "den hab ich schon auf Festplatte".
Ja ist wirklich so. Für meinen Teil, ich gehe schon seit Jahren nicht mehr ins Kino und den neuesten Film muß ich auch nicht unbedingt sehen (die flachsten Filme gibt es jetzt in 3D). Ich kann darauf warten, bis die Filme ins Fernsehen kommen, denn es sind doch nur Filme, was sollte ich also verpassen, ob ich den Film 2 Jahre früher oder später sehe. Und, anders als im Kino, werde ich nicht gestört und kann schön mit meiner Frau dabei kuscheln. Wobei die meisten Raubkopiesammler sind ja nur Sammler, die meisten, die ich kenne und viele Raubkopien haben, haben auch viele Originalfilme zu Hause.
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Filehoster: Blick hinter die Kulissen einer undurchsichtigen Branche

Sogenannte Filehoster, 1-Click-Hoster oder Cyberlocker stellen die Infrastruktur für die große, weltweite Dateiverteilung. Für die einen sind sie komfortable Dienste, für die anderen Piraterie-Dienstleister. SPIEGEL ONLINE blickt in einer Serie hinter die Kulissen einer undurchsichtigen Branche.

Teil 1: Helfer oder Hehler? Was sich hinter dem Begriff Filehoster verbirgt (14.9.2010)

Teil 2: Selbstbild einer umstrittenen Branche: "Wir sind auch Opfer" (15.9.2010)

Teil 3: Ausweitung der Grauzone: Die rechtliche Situation (16.9.2010)


Nutzung von Filehostern: Mache ich mich strafbar?

Privatnutzer, die urheberrechtlich geschützte Werke, an denen sie selbst keine Rechte besitzen, über einen Filehoster Dritten zugänglich machen, verstoßen gegen das Urheberschutzgesetz ("Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte"). Das Gesetz unterscheidet hier nicht zwischen verschiedenen digitalen Vertriebswegen: Ob per P2P-Börse, Filehoster oder 1-zu-1-Verbindung per Messenger, die unautorisierte Verteilung der geschützten Güter Dritter ist verboten.

Die bloße Hinterlegung einer Privatkopie, die ohne Umgehung eines funktionierenden Kopierschutzes geschaffen wurde, ist zur rein privaten Eigennutzung hingegen wohl unproblematisch - man darf sie allerdings nicht zugänglich machen.

Für die meisten Internetnutzer wichtiger ist die Frage, ob auch der reine Download verboten ist. Prinzipiell ist die Nutzung von Filehostern durchaus nicht illegal. Allerdings erklärt das novellierte deutsche Urheberrecht klar, dass auch der Download - ergo: das Anlegen einer Kopie - eines Werkes aus dem Internet nicht legal ist, wenn diese Datei für den Downloader "offensichtlich rechtswidrig" zur Verfügung gestellt wurde.

Das aber dürfte bei den meisten Filmen und Musikstücken, die über Filehoster zu finden sind, der Fall sein. Die Formulierung läßt Raum für Interpretationen, ist aber letztlich eindeutig: Wenn man bei einem Filehoster die Kopie eines aktuellen kommerziellen musikalischen oder filmischen Werkes findet, ist nicht davon auszugehen, dass der Hinterleger über die Rechte zur Verbreitung verfügte. Kurzum: Wer weiß, dass die Verbreitung eines Werkes illegal geschah, verstößt gegen das Gesetz, wenn er diese nutzt.

pat

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