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Kinoleinwand abgefilmt: Drei Jahre Haft für eine Raubkopie

Facebook-Seite von Philip D.: Auch nach der Verhaftung noch Raubkopien im Angebot Zur Großansicht

Facebook-Seite von Philip D.: Auch nach der Verhaftung noch Raubkopien im Angebot

Weil er den Film "Fast and Furious 6" von einer Kinoleinwand abgefilmt und ins Internet gestellt hat, ist ein junger Brite zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden. Die Filmfirma hatte ihm einen Millionenschaden vorgeworfen, er kopierte munter weiter.

Hamburg - Ein Gericht im britischen Wolverhampton hat den 25 Jahre alten Philip D. zu einer Haftstrafe von 33 Monaten verurteilt. Der Richter sah es als erwiesen an, dass D. bereits kurz nach dem Kinostart eine illegale Kopie von "Fast and Furios 6" angefertigt und via Internet zigtausendfach verbreitet hat. Dem Filmverleih sei dadurch erheblicher Schaden entstanden.

D. hatte den Film im Mai 2013 aus der letzten Reihe eines Kinos abgefilmt und die illegale Kopie ins Internet hochgeladen. Der Tageszeitung "Daily Mail" zufolge wurde diese Kopie 779.000-mal heruntergeladen. Das Filmstudio Universal Pictures schätzt den entstandenen Schaden auf 2,9 Millionen Euro.

Gefasst wurde D. einem Bericht von "Sky News" zufolge, weil er sein Online-Pseudonym "Thecod3r", unter dem er das Video verbreitet hat, auch auf einer Dating-Website verwendete. Ein sogenanntes "Webwatch"-Team, das Universal Pictures zur Verfolgung von Raubkopien einsetzt, konnte ihn auf diese Weise schnell ausfindig machen.

Wut auf die Filmindustrie

Bereits eine Woche nachdem er den Film ins Netz geladen hatte, erfolgte seine Verhaftung durch die britische Polizei. Nachdem er zwei Tage später gegen Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt worden war, kommentierte er den Fahndungserfolg auf seiner Facebook-Seite mit den Worten "F*** you Universal Pictures" und bot mehrere raubkopierte Filme auf DVD an. Bei einem Preis von 1,90 Euro pro DVD habe er auf diese Weise etwa 150 Euro eingenommen, erklärte D. vor Gericht.

In seiner Urteilsbegründung bezeichnete der Richter D. als "frech, arrogant und von sich selbst eingenommen". Mit dem Facebook-Posting kurz nach seiner Festnahme habe er seine Haltung gegenüber der Filmindustrie deutlich gemacht. Und auch wenn sein persönlicher Profit moderat gewesen sei, habe er doch erheblichen Schaden angerichtet.

Der Täter begründete sein Handeln damit, er habe sich damit "Street Credibility", also den Respekt anderer Raubkopierer, erarbeiten wollen. "Wer als Erster einen solchen Film hochlädt, genießt großes Ansehen", erklärte er.

In Gedanken schon beim Poker

Am Donnerstag bekannte sich D. schuldig. Am Abend desselben Tages schrieb er auf seiner Facebook-Seite: "Morgen stehen zwei wichtige Sachen an! Eine wird über mein Schicksal entscheiden und darüber, ob ich ins Gefängnis muss. Das andere (wenn's vor Gericht gut läuft) wird sein, dass ich das größte Pokerturnier meines Lebens spiele." Aus dem Pokerturnier dürfte vorerst nichts werden.

Neben D. stand in Wolverhampton auch Michael B. vor Gericht. Er wurde schuldig befunden, D. geholfen zu haben, die Raubkopie online zu stellen. Er wurde zu 120 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt.

mak

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insgesamt 192 Beiträge
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    Seite 1    
1. tja, dumm gelaufen....
nurmalso2011 23.08.2014
aber die Strafe ich m.E. nachvollziehbar und schreckt hoffentlich Nachahmer ab !
2. Fuck you Universal Pictures!
naeltard 23.08.2014
Geht einfach nicht mehr ins Kino, kauft euch keine CDs, DVDs, Spiele o.Ä. und es geht Ruck Zuck dass sich diese ekelhaften Verwerterfirmen endlich mal neue, einfachere, günstigere Vertriebswege ausdenken. Nebenbei: Hätte er eine Kassette mitgeschnitten, anstatt einen Film, wäre ihm nix passiert. Super diese Medien!
3. Unverhältnismäßig
interessierterleser1965 23.08.2014
Wie viel bekommt man eigentlich in GB für eine Vergewaltigung oder für eien Körperverletzung? Sicherlich keine 3 Jahre. Darin lieg das Problem. Der Schaden mag groß sein, aber es fehlt hier der Abstand zu Taten, bei dene echte Menschen real zu Schaden gekommen sind und nicht nur abstrakte Gewinne.
4.
h.hass 23.08.2014
Der Mann hätte eben jemand im Affekt krankenhausreif prügen müssen - dann wäre er vermutlich mit einer geringeren Haftstrafe davongekommen. Die Content-Industrie/Mafia hat es mit ihren Lobbyisten offensichtich geschafft, bei den Justizorganen ein ganz spezielles Rechtsverständnis zu erzeugen. Die teils absurd hohen Strafen für Raubkopierer sind blamabel und lächerlich und stehen für eine beängstigende Entwicklung der Rechtskultur.
5. Film abgefilmt?
hermannheester 23.08.2014
So manche Flimmerhexe (anderes Wort für Filmvorführer) hat sich in den Jahrzehnten seit es Video für alle gibt, ein Zubrot damit verdient, dass mann sich von den Filmen der Saison eigene VHS-Mitschnitte gemacht und diese verliehen oder auch verhökert hat. Das ist kein Vergehen sondern Volkssport.
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