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Raubkopien: "Harry Potter" im Filesharing-Reich

Fleißarbeit wird gern angenommen – besonders wenn sich jemand die Mühe macht, ein Buch mit mehr als 600 Seiten zu scannen. So geschehen beim neuen "Harry Potter". Der erschien am Samstag und taucht nun wenig überraschend auf illegalen Tauschseiten als PDF-File auf.

Wie echt, aber raubkopiert: Im Netz verfügbare PDF-Version des sechsten "Harry Potter"-Bands

Wie echt, aber raubkopiert: Im Netz verfügbare PDF-Version des sechsten "Harry Potter"-Bands

Film- wie Audiodateien erscheinen gemeinhin unerlaubt bereits Wochen vor ihrer eigentlichen Veröffentlichung in Filesharing-Foren im Internet. Nicht so beim neuen "Harry Potter and the Half-Blood Prince", bei dem offensichtlich die Sicherheitsvorkehrungen des Verlags außerordentlich gut funktionierten - bis zur offiziellen Veröffentlichung am Samstag.

Prompt haben Käufer des Buches Fleißarbeit geleistet und das Werk mit 607 Seiten einmal komplett eingescannt. Per Texterkennung lässt sich das Ergebnis in einen Fließtext umwandeln. Eine 827-seitige PDF-Version der britischen Ausgabe, erkennbar am grünen Titelbild, zirkuliert nun, wenig verwunderlich, in diversen P2P-Foren, in denen Files mittels der BitTorrent-Software angeboten werden.

Das klingt nach einer pfundigen Datei, kommt aber mit knapp 1,87 MB aus - allerdings ist dieser "Potter" voller Rechtschreibfehler, die beim Umwandeln in das digitale Format entstanden sind.

Ein wenig besser soll die Qualität der HTML-Version sein, die auf 1,44 MB eingestampft wurde. Klingt klasse, ist aber nicht nur illegal, sondern auch ganz schön umständlich: "Lohnend" wäre nur das Lesen der 827 gescannten Seiten am Bildschirm, denn wer sich das ausdrucken und beispielsweise im Copyshop binden lassen wollte, würde wohl mehr Geld los als für den richtigen, fehlerfreien und legalen "Potter-Ausdruck" vom Verlag.

Naheliegender wäre es da schon, sich die Schwarte vorlesen zu lassen. Dass auch das Audiobook bereits in den Netzen kursiert, ist auch keine Überraschung. Als MP3-Datei mit rund 510 MB ist die amerikanische Version des "Prince" über BitTorrent im Netz erhältlich - gelesen von Jim Dale. Die englische Version, gelesen von Stephen Fry, ist noch nicht illegal zu haben. Das aber ist natürlich nur eine Frage der Zeit.

Was nun, was tun?

Für die beteiligten Verlage ist der denkbare Umsatzverlust durch Raubkopien zumindest ein Ärgernis - allerdings kein Exstenzielles und eines, gegen das sie herzlich wenig tun können. Zwar ist die rechtliche Lage für die Verlage eindeutig, die Raubkopierer zu schnappen aber nicht leicht.

Beim Carlsen Verlag, dem deutschen Lizenznehmer des neuen Bands, erscheint die Ausgabe erst am 1. Oktober. Bis dahin verweist man auf das übliche Procedere: Beim Auftauchen der deutschen Ausgabe im Netz "müssen wir juristisch dagegen vorgehen", erklärt Pressesprecherin Katrin Hogrebe. Jedoch: "Das Internet ist groß." Die deutsche Ausgabe des sechsten Bandes sei online noch nicht zu haben, zumindest aber die ersten fünf Bände existieren als gescannte Versionen, weiß sie.

Erstmals im Vorfeld der Veröffentlichung des fünften Bandes im November 2003 sah sich Carlsen zudem mit einer Laien-Übersetzung konfrontiert, die bereits Monate vor der Buchausgabe im Netz erschien. Carlsen und Seitenbetreiber Bernd Koeleman einigten sich im Juli 2003 auf einen Kompromiss: Seitdem werden die übersetzten Texte nicht mehr offen zugänglich im Web präsentiert, sondern nur noch innerhalb der geschlossenen Übersetzergruppe per E-Mail verteilt.

Bei Carlsen verfällt man wegen Randerscheinungen wie PDFs in Tauschbörsen oder Laien-Versionen von Potter-Übersetzungen nicht in Panik. Anders sähe das aus, wenn solche Produkte in gedruckter Form zum Beispiel bei eBay verkauft würden: Dann, macht die Verlagssprecherin klar, müsse man sofort tätig werden.

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