Raytheon: US-Rüstungsfirma erprobt Facebook-Überwachung

Positionsdaten: Überwachungs-Software verknüpft Foto-Metadaten mit Check-Ins Zur Großansicht

Positionsdaten: Überwachungs-Software verknüpft Foto-Metadaten mit Check-Ins

Wer kennt wen - und wo waren sie zusammen? Der US-Rüstungszulieferer Raytheon hat eine Software zur Auswertung von Facebook- und Twitter-Profilen im Angebot. Sie soll den Tagesablauf und Netzwerke von Zielpersonen analysieren.

Der US-Rüstungskonzern Raytheon verdient viel Geld mit Marschflugkörpern, Torpedos und Radarsystemen. Die Firma will nun offenbar auch mit sozialen Netzwerken Geld verdienen. Der "Guardian" hat ein Werbevideo des Unternehmens aus dem Jahr 2010 veröffentlicht, das eine Überwachungs-Software demonstriert.

Das vorgeführte Raytheon-Programm Riot (eine Abkürzung für Rapid Information Overlay Technology) verknüpft öffentlich zugängliche Informationen zu einer Person aus Netzwerken wie Facebook, Twitter und Foursquare. Das Programm speichert Positionsdaten und liest sie auch aus den Metadaten publizierter Fotos aus. Die Ortsangaben werden analysiert, die Software zeigt dann zum Beispiel, wie oft und zu welchen Zeiten eine Person an bestimmten Orten ist. Außerdem rekonstruiert das Programm Kontaktnetzwerke aus den bei Twitter und Facebook zugänglichen Informationen.

Bei einem normalen Tagesablauf kann man so mit gewisser Wahrscheinlichkeit vorhersagen, wer wann wo anzutreffen sein dürfte. Der Raytheon-Mitarbeiter, der in dem Video das Programm vorführt, beschreibt den möglichen Einsatz so: "Wenn Sie Nick treffen wollen oder Zugriff auf sein Laptop brauchen, wäre Montagmorgen 6 Uhr im Fitnessstudio die beste Zeit dafür."

Raytheon hat nach eigenen Angaben die Software bislang nicht verkauft. Die Idee ist nicht neu - ähnliche Programme haben Firmen wie HBGary entwickelt. Die Schufa wollte sogar öffentlich zugängliche Daten auf Facebook und Twitter nutzen, um die Kreditwürdigkeit von Menschen zu prüfen.

lis

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