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Reaktionen auf Umbau: "Facebook macht den 'Like'-Button überflüssig"

Das neue Facebook will ein minutiöses Protokoll vom Leben seiner Nutzer anfertigen. Für die neuen Funktionen gibt es Anerkennung von Experten - aber auch Kritik. Ein deutscher Datenschützer fürchtet den "gläsernen Bürger".

Mark Zuckerberg und der Comedian Andy Samberg: Facebook macht auf Apple Zur Großansicht
REUTERS

Mark Zuckerberg und der Comedian Andy Samberg: Facebook macht auf Apple

Hamburg - Facebook, mit rund 800 Millionen Nutzern das größte soziale Netzwerk, will mit neuen Funktionen zum Lebensarchiv werden. In dieser Woche stellte der Gründer des US-Unternehmens, Mark Zuckerberg, die Änderungen persönlich vor. So zeigt ein neues Profil, genannt "Timeline", von Facebook erfasste Daten in chronologischer Reihenfolge.

Außerdem können Angebote wie Netflix, Spotify oder Nachrichtenseiten automatisch protokollieren, wofür die Nutzer sich interessieren. Erlauben Facebook-Nutzer den Apps den Zugriff auf das eigene Profil, wird so zum Beispiel automatisch das Abspielen eines Liedes über Spotify in der Timeline vermerkt oder mit Freunden geteilt. Der Nutzer muss dazu nicht, wie bisher, einen "Like"-Button klicken oder eine Statusnachricht schreiben. Die Reaktionen auf den weitreichenden Facebook-Umbau fallen unterschiedlich aus - hier eine Auswahl:

  • Facebook schaffe die Privatsphäre ab, schreibt Ben Paar auf Mashable. Jedenfalls sei das Netzwerk auf dem besten Weg dahin, denn zum ersten Mal sei es einem Unternehmen im großen Stil gelungen, "passives Teilen" zu ermöglichen. Denn damit in der Timeline angezeigt wird, welche Musik man hört, welche Filme man sieht, ist künftig kein Klick mehr auf den "Like"-Button notwendig. Jetzt gebe es kein Zurück mehr: "Es dauert nicht mehr lange, dann wird unser Leben für alle unsere Freunde ausgestellt, und dann werden wir sehen, was Facebook angerichtet hat."
  • Die Konkurrenz sehe alt aus, schreibt M.G. Siegler auf TechCrunch. Erst habe Facebook den ersten praktikablen "Like"-Button erfunden, woraufhin etliche das Konzept kopiert hätten. Die Neuerungen seien für bestimmte Inhalte, zum Beispiel Musikstücke, schon mehr als ideal. Es sei so wie bei Apple: Das Unternehmen lege vor, und alle anderen würden zusehen, dass sie hinterherkommen. Statt immer neue Features, die mehr Zeit von den Nutzern erfordert, schaffe Facebook jetzt den "Like"-Button einfach ab - laut Siegler ist das schlicht die Zukunft.
  • Mit Phishing, Spam und Cyber-Stalking vergleicht Dave Winer die neuen Facebook-Funktionen, die ohne das Zutun der Nutzer dessen Computernutzung speichern. Noch könne man Facebook allerdings entkommen, in dem man sich aus dem Netzwerk auslogge und alle Cookies lösche. Google sei da schon weiter: Wer Chrome, den Browser des Unternehmens nutze, könne der Datensammelei zwecks Profilerstellung gar nicht mehr entkommen.
  • "Über dieses wichtige Projekt wurde mir nichts gesagt, was nicht in Ordnung ist", sagte Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner am Samstag im Deutschlandradio Kultur. Die Grundphilosophie von Facebook sei, an möglichst viele Daten der Kunden zu kommen.
  • Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar sieht in den Neuerungen einen weiteren Schritt hin zum "gläsernen Bürger". Es gebe Menschen, die dazu neigen, "auch nach außen zu treten, die sich digital tätowieren", sagte er am Samstag im Interview mit dem Radiosender NDR Info. Aber diese Leute müssten deshalb trotzdem weiter die Kontrolle über ihre Daten haben. "Hier muss ganz klar sein: Facebook muss hier noch viel tun, um einen hinreichenden Schutz der Daten der Betroffenen herzustellen", sagte Caspar.
  • Mark Zuckerberg hat einen mutigen und riskanten Schritt gewagt, bloggt Thomas Knüwer. Nun werde das Profil noch viel stärker als bisher Ausdruck des Lebensgefühls eines Nutzers, zu seiner Heimat im Internet. Damit unterscheide sich Facebook stark von Google+. Knüwers These: Nur eines der beiden Netzwerke werde am Ende "durchkommen".
  • Nico Lumma denkt darüber nach, seine Facebook-Nutzung nun umzustellen - und lieber nur 100 Freunde in dem sozialen Netzwerk zu haben, um dafür aber auch wieder privatere Dinge mitzuteilen. Wer nun kritisiere, die Timeline sei ihm zu persönlich, der habe den Kern von Facebook nicht verstanden. Denn das Unternehmen wolle die persönlichen Erfahrungen seiner Nutzer abbilden.

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ore/dapd/Reuters

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1. Was soll die ganze Diskussion?
kioto 25.09.2011
Zitat von sysopDas neue Facebook will ein minutiöses Protokoll vom Leben seiner Nutzer anfertigen. Für die neuen Funktionen gibt es Anerkennung von Experten*- aber auch Kritik.*Ein deutscher Datenschützer fürchtet den "gläsernen Bürger". http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,788248,00.html
Hallo, Wer das nicht will, muss ja nicht Mitglied werden. Im Übrigen, wenn alle nur noch Information erzeugen und verteilen, ist niemand mehr zum Lesen da. Die einzigen, die sich noch dafür interessieren werden, sind automatische Analyseprogramme, die den Datenmüll für Marketingzwecke aufbereiten und umsatzbringend verwertbar machen. Es gibt eine nette Anekdote von Lem über eine Gesellschaft, die daran zugrunde geht, dass zwar alle hochgradig künstlerisch begabt sind und laufend Kunstwerke von Weltrang produzieren, dafür aber leider niemand mehr die Kunst konsumieren kann, worauf alle in Verzweiflung enden. mfg Kioto
2. Versteh all dieses Getue auch nicht...
Asharon 25.09.2011
Wenn ich das schon lese "Es dauert nicht mehr lange, dann wird unser Leben für alle unsere Freunde ausgestellt, und dann werden wir sehen, was Facebook angerichtet hat." Was FACEBOOK angerichtet hat? Facebook hat keine Daten die da nicht irgendeiner reingetippt hat. Ergo richtet genau diese Person etwas an. Wer Angst um seine Privatsphäre hat soll halt keine sensiblen Daten eintragen und gut ist. Sind doch nicht mehr im Kindergarten sondern selbst für unsere Handlungen verantwortlich. Facebook die Schuld zu geben, weil man seine Geheimnisse im Internet verbreitet ist schlichtweg dämlich. Wer die Funktion so nicht nutzen will, nutzt sie halt nicht. Zwingt ja niemand jemanden dazu.
3. Das grosse Geheule wird kommen
Gani, 25.09.2011
Jeder der diesen Zirkus mitmacht, der hat all die Konsequenzen verdient die unmittelbar sowie in naher und ferner Zukunft auf ihn oder sie einprasseln werden. Und dann geht das Geheule und Zähneknirschen los. Schon jetzt haben sich etliche DAUs mit ihren online Suffbildern teilweise ihre Karriere verbaut, denn danach wird der neue Arbeitgeber in Zukunft immer öfter suchen - "wenn Sie einen FB Accont haben, so brauchen Sie uns keine Bewerbungsunterlagen zu schicken, einfach den FB Account nennen reicht schon!" Über sowas werden spätestens in einigen Jahrzehnten etliche Politiker oder Firmenlenker stolpern, wenn man den Feinden die Munition so frei Haus liefert, ist das die logische Folge. Wahrscheinlich ist das auch Teil des zukünftigen Geschäftsmodells von FB. Wie dem auch sei, ihr habt alles verdient was euch irgendwann um die Ohren fliegt!
4. Nix verstanden
Gani, 25.09.2011
Zitat von AsharonWenn ich das schon lese "Es dauert nicht mehr lange, dann wird unser Leben für alle unsere Freunde ausgestellt, und dann werden wir sehen, was Facebook angerichtet hat." Was FACEBOOK angerichtet hat? Facebook hat keine Daten die da nicht irgendeiner reingetippt hat. Ergo richtet genau diese Person etwas an. Wer Angst um seine Privatsphäre hat soll halt keine sensiblen Daten eintragen und gut ist. Sind doch nicht mehr im Kindergarten sondern selbst für unsere Handlungen verantwortlich. Facebook die Schuld zu geben, weil man seine Geheimnisse im Internet verbreitet ist schlichtweg dämlich. Wer die Funktion so nicht nutzen will, nutzt sie halt nicht. Zwingt ja niemand jemanden dazu.
Du solltest dir den Artikel und die Änderungen bei FB nochmal ganz genau und langsam durchlesen, dann verstehst auch du, dass es eben nicht mehr so "einfach" sein wird, sich vor Missbrauch durch FB zu schützen. Aber im Prinzip gilt natürlich, wer bei FB mitmacht, muss sich anschliessend nicht beschweren wenns Ärger gibt. Nur, von den ganzen Nutzern sind die meisten, was Datenschutz angeht, einfach zu dumm um zu begreifen was da vor sich geht.
5. Überflüssig
mynona3 25.09.2011
ist - ausser für Exhibitonisten - Facebook überhaupt. Mithin auch der LIKE-Button. Ansonsten ists natürlich eine gute Geschäftsidee, da die Zahl der Exhibitionisten und derer, die nicht überblicken, was sie sich mit Facebook antue, immens ist. Eine durchaus reizvolle Beschäftigung könnte aber sein, ein Fake-Profil aufzubauen und die Antwort aus verschiedenen Bereichen zu beobachten.
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Soziale Netzwerke
Facebook
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Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach eigenen Angaben hat Facebook 845 Millionen aktive Mitglieder weltweit (Dezember 2011). Mehr zu Facebook auf der Themenseite.
Google+
Google+ ist der Versuch, den sozialen Funktionen von Facebook und Twitter etwas entgegenzusetzen. Das soziale Netzwerk wurde im Juni 2011 gestartet und hat nach Firmenangaben rund 170 Millionen Nutzer (April 2012). Der Funktionsumfang ist rein aus Nutzersicht vergleichbar mit Facebook, Schnittstellen für externe Entwickler sind allerdings eingeschränkt. Google animiert seine Nutzer, das Netzwerk als zentralen Hub für seine Dienste zu nutzen. Mehr zu Google+ auf der Themenseite.
Twitter
DPA
Der auf kurze Textnachrichten spezilalisierte Dienst Twitter wurde im Juli 2006 gegründet. Populär wurde der Dienst als Verteilnetzwerk für Links, Fotos und Videos. Twitter zählt nach eigenen Angaben mehr als 140 Millionen Nutzer (März 2012). Mehr zu Twitter auf der Themenseite.
Xing
Xing (früher OpenBC) wurde 2003 von Lars Hinrichs gegründet. Nach eigenen Angaben hat Xing über 11,7 Millionen Mitglieder (Stand: Dezember 2011), etwa acht Prozent haben einen kostenpflichtigen Premium Account. Bei Xing geht es vor allem um berufliche Kontaktaufnahme. Mehr zu Xing auf der Themenseite...
StudiVZ
Ehssan Dariani hat die Studenten-Community StudiVZ 2005 gegründet. Zuerst investierten Lukasz Gadowski und Matthias Spiess in StudiVZ, später finanzierten es vor allem die Gebrüder Samwer - bekannt für die Klingeltonfirma Jamba - und der Venture-Capital-Arm des Holtzbrinck-Verlags ("Die Zeit", "Handelsblatt"). Im Januar 2007 übernahm Holtzbrinck StudiVZ. Derzeit haben die Plattformen studiVZ.net, schuelerVZ.net und meinVZ.net nach eigenen Angaben rund 17,4 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2011). Mehr zu StudiVZ auf der Themenseite...
Lokalisten
Im Mai 2005 gegründet, hat das Netzwerk Lokalisten nach eigenen Angaben (Stand Juli 2010) inzwischen 3,6 Millionen Nutzer. Mehr zu Lokalisten bei Wikipedia...
Spin.de
Das 1996 in Regensburg gegründete Unternehmen Spin betreibt ein eigenes soziales Netzwerk, aber auch integrierte Unter-Communitys mit regionalem Fokus, die mit Partnern vor Ort (Lokalradios vor allem) betrieben werden. Nach eigenen Angaben (Stand Februar 2011) hat Spin.de eine Million aktive Mitglieder. Mehr zu Spin.de bei Wikipedia...
Wer kennt wen
Wer-kennt-wen wurde von den beiden Studenten Fabian Jager und Patrick Ohler gegründet. Seit Februar 2009 gehört das Netzwerk vollständig RTL Interactiv, die Gründer schieden Ende August 2010 aus. Das Netzwerk hat laut Betreiber über 9,5 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2012). Mehr zu Wer-kennt-wen bei Wikipedia...
MySpace
MySpace war 2006 das populärste soziale Netzwerk in den USA. Ein Jahr zuvor war es von Rupert Murdochs News Corporation gekauft worden. Bekannt wurde es durch die Möglichkeit, Musik einzubinden. Künstler und Bands nutzten die Plattform als Marketingplattform. Zeitweise hatte MySpace mehr als 220 Millionen Nutzer, nach Berechnungen von Google rund 30 Millionen Nutzer (Dezember 2011). Mehr zu MySpace auf der Themenseite...


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