Realtime Search: Googles Echtzeitsuche nicht mehr erreichbar

Mit Googles Echtzeitsuche konnte man soziale Medien durchstöbern, allen voran Twitter. Zumindest bis vor kurzem. Jetzt ist die Google Realtime Search offline - vielleicht weil das Unternehmen mit seinem neuen Netzwerk Google+ andere Pläne hat.

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404-Fehlermeldung: Googles Realtime Search ist offline

Was ist mit Googles Echtzeitsuche passiert, mit der aktuelle Nachrichten aus knapp zwanzig sozialen Medien, allen voran Twitter, durchsucht werden konnten? Seit dem Wochenende sehen Besucher nur mehr eine 404-Fehlermeldung: Diese Seite existiert nicht.

Das Suchmaschinen-Blog Searchengineland hat eine plausible Erklärung: Am 2. Juli lief ein zweijähriger Vertrag zwischen Twitter und Google aus, der dem Suchmaschinenbetreiber den Zugriff auf das Twitter-Archiv ermöglichte; beide Firmen bestätigten Searchengineland das Vertragsende. Ohne die relevanten Twitter-Nachrichten - daraus bestand Googles Echtzeitsuche vor allem - aber taugt Google Realtime nicht mehr viel. Die circa 16 weiteren Echtzeit-Nachrichtenquellen sind eher Internet-Randerscheinungen.

Wie praktisch aber, dass Google gerade selbst ein soziales Netzwerk eröffnete, das auch einen intelligenten Strom aus Echtzeit-Nachrichten und "viralen" Inhalten anbietet. Diese "Sparks"-Funktion von Google+ sammelt Statusmeldungen, Nachrichten und virale Medieninhalte aus der sozialen Wolke um ein bestimmtes Mitglied herum ein und baut daraus einen Nachrichtenstrom aus - theoretisch - interessanten und relevanten Meldungen auf. Damit ist Sparks sogar mehr als Google Realtime: keine Suchmachine für soziale Medien, sondern eine Findemaschine, die mithilfe von Algorithmen Suchanfragen vorwegnimmt und dem Mitglied interessante Dinge vorlegt.

Das könnte auch das langfristige Ziel von Google sein: eine immer intelligentere Suche, die einem registrierten Mitglied passgenaue aktuelle Meldungen aus dem Internet anbietet. Das freilich sind nur Mutmaßungen. Bei Digital Trends räumte Google nur ein, dass über kurz oder lang die Realtime Search zurückkehren werde. Dann aber mit Suchergebnissen aus Google+.

Und was bedeutet das alles für Twitter? Searchengineland versucht eine knappe Analyse: Ohne Google fehlt Twitter ein Dienst, mit dem man alte Twitter-Meldungen vernünftig durchsuchen kann. Twitter selbst sträubt sich gegen eine Archiv-Suche (vermutlich aus Leistungsgründen) und muss sich jetzt von der Google-Konkurrenz Bing und Yahoo abhängig machen - und abwarten, ob Google+ durchstartet. Denn sollte Google+ scheitern, dürfte Google auch zu Twitter zurückkehren, allein schon, um mithilfe der Twitter-Daten die Google-Suchergebnisse besser an aktuelles Geschehen anpassen zu können.

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1. Topsy
bismarck_utopia 05.07.2011
Bevor Google die Echtzeitoption integrierte, gab es eine Menge hoffnungsvoller Nischensuchmaschinen für die Echtzeitsuche. Gemäß der Google-Politik der verbrannten Erde starben diese dann weitgehend aus, mit Ausnahme von www.topsy.com. Letzteres empfehle ich auch zu benutzen. Zugegeben, in eine einzige Suchmaschine integriert wäre das zwar bequemer, aber dann nutzt man es halt über www.alernia.de (Pfeiltasten-Menü "Gerüchte & Tweets). Bing Social Search ginge auch, aber doch wieder über mehrere Klick-Ecken, und die Ergebnisse sehen auch irgendwie mager aus. Hat noch jemand Alternativen?
2. Buzz
bloggide 05.07.2011
Auch Google Buzz über Mobiltelefon ist offenbar ankündigungsfrei abgeschaltet worden. Der Stil bei Google gegenüber den Nutzern wird zunehmend rauher. Das wird zu einer gewissen Entfremdung führen und Google darf vermutlich froh sein, wenn es nicht das neue Yahoo wird. Ich sehe jedenfalls dunkle Wolken, denn anders als Apple User, denen man jede Zumutung zumuten kann und trotzdem ohrenbetäubendes Jubeln erntet, hatte Gooogle bisher die Erwachsenen auf seiner Seite. Ich bin sehr gespannt, wie Google sich behaupten will.
3. Google+
Baynado 05.07.2011
Also wer das neue Google+ schon benutzt hat, wird schnell merken wohin die Reise geht. Ich weiß auch nicht, warum man hier Twitter immer noch so künstlich hochjubelt. Als Poweruser des Web 2.0 nutze ich Twitter schon seit Monaten immer weniger. Selbst ein Laie erkennt sofort an den Klicks auf den Buttons, auch hier auf SPON, dass facebook viel intensiver genutzt wird, als Twitter. Leider ist das Datenschutz gebaren von Facebook nicht das rühmlichste, da tritt Google schon viel umsichtiger auf. Mein erste Eindruck von Google+ ist sehr positiv. Vor allem das "Befreundet sein" wird hier auf eine vernünftige Ebene praktiziert. Man organisiert dort seine Kontakte nach Kreisen, also Bekanntenkreisen, Freundeskreisen, etc. Das schreckt nicht so sehr ab wie eine "Freundschaftanfrage" auf facebook.
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Zum Autor
Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.

Google
Der Konzern
Reuters
Google wurde 1998 von den Studenten Sergey Brin und Larry Page gegründet und ging ein Jahr später online. 2010 machte die Firma mit ihren rund 20.000 Angestellten einen Umsatz von mehr als 29 Milliarden Dollar. Unterm Strich blieben davon 8,5 Milliarden Dollar als Gewinn übrig. Die dominierende Stellung im Markt für Online-Werbung sorgt für ein attraktives Geschäftsmodell, birgt aber auch die Gefahr der extremen Abhängigkeit von nur einer Ertragsquelle. Immerhin 96 Prozent der Einnahmen erzielte Google im vergangenen Jahr mit Werbung.
Die Geschäftsfelder
Google hat im Laufe der Jahre zahlreiche Unternehmen übernommen - so etwa 2006 die Videoplattform YouTube und 2007 den Online-Vermarkter Doubleclick. Gleichzeitig hat die Firma ihre Geschäftstätigkeit auch selbst ausgebaut, zum Beispiel mit dem Dienst Google Street View oder dem E-Mail-Anbieter Google Mail.

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