Trojaner Regin Super-Software spioniert Russland und Saudi-Arabien aus

Steckt ein Geheimdienst dahinter? Eine Sicherheitsfirma berichtet von einer hochentwickelten Spionage-Software, die in zehn Ländern wie Russland und Saudi-Arabien systematisch eingesetzt wurde. Ein Ziel waren Internetanbieter.

Vor allem Privatpersonen und kleine Firmen sollen das Ziel von Regin sein
REUTERS

Vor allem Privatpersonen und kleine Firmen sollen das Ziel von Regin sein


Eine neu entdeckte Spionage-Software hat über Jahre Unternehmen, Behörden und Forschungseinrichtungen vor allem in Russland und Saudi-Arabien ausgespäht. Das Programm sei so aufwendig, dass nur Staaten als Auftraggeber in Frage kämen, schreibt die IT-Sicherheitsfirma Symantec, die die Software entdeckt hatte. Symantec gibt der Software, die in ihrer Komplexität an Programme wie Stuxnet oder Duqu erinnert, den Namen Regin. Aktiv gewesen sein soll sie zunächst von 2008 bis 2011. Zwei Jahre später sei dann eine neue Version aufgetaucht.

Knapp die Hälfte der bestätigten Regin-Infektionen betrifft dem Unternehmen zufolge Privatpersonen oder kleine Firmen, jede vierte Infektion Betreiber von Telekommunikationsnetzen. Dabei hätten die Angreifer zum Teil Zugriff auf Verbindungsdaten bekommen. Ein Verbreitungsweg für Regin könnte darin bestanden haben, dass Zielpersonen auf Nachbauten bekannter Websites gelockt wurden. Es sei jedoch in den meisten Fällen unklar, wie sich der Trojaner verbreitet habe.

Regin ist darauf getrimmt, lange unentdeckt zu bleiben: Die Software ist fünfstufig aufgebaut, nur die erste Stufe kann überhaupt entdeckt werden. Wird sie ausgeführt, werden erst nach und nach die weiteren Stufen entschlüsselt und geladen. Für sich genommen liefere jede Stufe wenige Informationen zum Gesamtpaket, schreibt Symantec. Selbst wer die Software entdecke, könne nur schwer feststellen, was sie überhaupt auf dem eigenen Rechner anstellt.

Symantec-Skizze zum Regin-Aufbau: Nur die erste Stufe ist unverschlüsselt

Symantec-Skizze zum Regin-Aufbau: Nur die erste Stufe ist unverschlüsselt

Die Funktionen von Regin sind vielfältig: So kann die Software unter anderem Aufnahmen vom Bildschirm machen, Passwörter stehlen, den Datenverkehr überwachen und für die Angreifer gelöschte Dateien wiederherstellen. Die gestohlenen Informationen werden verschlüsselt gespeichert und übermittelt. Dadurch, dass der Trojaner aus Modulen besteht, lässt er sich speziell auf bestimmte Angriffsziele zuschneiden. Symantec ist überzeugt, dass längst noch nicht alle möglichen Funktionen und Versionen der Software entdeckt wurden.

Insgesamt hat Symantec in mindestens zehn Ländern Regin-Infektionen entdeckt. Russland sei mit 28 Prozent der bekannten Fälle am schwersten betroffen, heißt es, gefolgt von Saudi-Arabien mit 24 Prozent. An nächster Stelle folgen Irland und Mexiko mit jeweils neun Prozent. Mit einem Anteil von jeweils fünf Prozent werden zudem Indien, Afghanistan, Iran, Belgien, Österreich und Pakistan aufgeführt.

Die Sicherheitsfirma habe bisher keine direkten Hinweise auf die Urheber von Regin gefunden, sagt Sicherheitsforscher Candid Wüest. Vom Niveau der Entwicklung und den Zielen her kämen Geheimdienste etwa der USA, Israels oder Chinas in Frage. Das Erstellen der Software hat nach Einschätzung von Symantec "Monate, wenn nicht Jahre" gedauert.

mbö/dpa

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insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
megamekerer 24.11.2014
1. In Deutschland braucht man sowas nicht,
denn Vodafone und co geben freiwillig die Daten ihre Nutzer weiter.
TS_Alien 24.11.2014
2.
So manche hochentwickelte Spionagesoftware entpuppt sich als Märchen. Viele wichtige interne Daten werden von Mitarbeitern entwendet und von anderen aufgekauft.Z.B. hackt niemand Millionen Kreditkartenkonten online, weil das viel zu lange dauert. Die Datei mit den verschlüsselten Zugangsdaten wird in vielen Fällen von Mitarbeitern entwendet, weitergegeben und offline entschlüsselt. Für viele Zugangsdaten reicht dazu ein simpler Lexikonangriff aus.
mimas101 24.11.2014
3. Hmm, tja
mit Linux wäre das nicht passiert. Da lohnt sich das Programmieren schon wegen der zahlreichen Distributionen nicht; von der Tatsache das es dort keine versteckten Installationen von Software oder generell vor Dateimanagern versteckte Dateien gibt mal ganz abgesehen.
piccolo-mini 24.11.2014
4. hm?
Welcher Schurkenstaat würde denn sowas machen?
sagichned 24.11.2014
5.
In Russland ist man eh schon auf Schreibmaschine umgestiegen, wenn es ans Tippen von geheimen Dokumenten geht.
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