Relaunch von StudiVZ: Mehr auf sich selbst schauen

Bringt ein Relaunch die Rettung? Ein Klick soll genügen, damit sich die VZ-Netzwerke in neuem Gewand präsentieren. Doch es bleibt die Frage, wie viele Menschen das überhaupt noch mitbekommen. Viele Nutzer sind mittlerweile zu Facebook abgewandert.

Screenshot aus dem überarbeiteten MeinVZ: Per Klick kann man zur alten Version wechseln Zur Großansicht

Screenshot aus dem überarbeiteten MeinVZ: Per Klick kann man zur alten Version wechseln

Hamburg - Es ist eine der aufregenderen Nächte in der Geschichte der VZ-Netzwerke: In den Navigationsleisten der Mitglieder soll in den nächsten Stunden ein Button auftauchen, der per Klick zu überarbeiteten Versionen von SchülerVZ, MeinVZ oder StudiVZ führt. Ein Link in die Zukunft der zuletzt oft totgesagten Plattformen. Aber wie viele Menschen bekommen den Relaunch überhaupt noch mit?

Besonders wegen Facebook hat das Chatten und Gruscheln für viele Nutzer in den vergangenen Monaten an Reiz verloren. Schließlich ist die Kommunikation dort am spannendsten, wo die meisten Freunde und Bekannten erreichbar sind. Und das dürfte in der Regel auf Facebook der Fall sein, der Plattform, die außer mit 20 Millionen aktiven deutschen Nutzern auch mit Internationalität punkten kann.

Die drei VZ-Netzwerke, einst deutscher Marktführer, schmücken sich zwar immer noch mit 16 Millionen Nutzern - von denen sind allerdings nur 9,8 Millionen aktiv. Die Verzeichnisse bestehen also zu einem Drittel aus Karteileichen. So ist der VZ-Relaunch einerseits ein Versuch, passive Mitglieder wachzurütteln, anderseits soll er verhindern, dass noch mehr Menschen zu Konkurrenzplattformen abwandern - mittlerweile gibt es ja zum Beispiel auch Google+.

Darüber, dass eine Rückkehr zur alten Marktposition fast unmöglich ist, scheint man sich bei den VZ-Netzwerken im Klaren zu sein. "Alle unsere Nutzer sind bei Facebook", wird VZ-Geschäftsführer Clemens Riedl etwa auf Netzwertig.com zitiert. Im Gespräch mit dem Blog BasicThinking sagt er: "Wir glauben nicht, dass die Nutzer von Facebook zurückkommen. Wir müssen uns auf die konzentrieren, die noch da sind." Das erinnert an Fußballtrainer, die verkünden, man müsse jetzt auf sich selbst schauen - und nicht auf die davoneilende Konkurrenz.

Neue Farben und Namen für die Gruppen

Man darf gespannt sein, wie die verbliebenen Mitglieder auf den Relaunch reagieren. Denn die Neuerungen in den VZ-Netzwerken sind zwar optisch auffällig, aber inhaltlich nur selten grundlegend. So wird im SchülerVZ die Farbe Pink durch Blaugrün ersetzt. Das klingt nur bedingt nach Revolution. Eine weitere Änderung: MeinVZ heißt jetzt FreundeVZ.

Immerhin wird es auf allen drei Plattformen neue Funktionen geben, StudiVZ bekommt zum Beispiel "Meine Lehrveranstaltung", MeinVZ/FreundeVZ "Mein Nachtleben" und SchülerVZ "Meine Klasse", geschützte Bereiche, in denen man Partys planen kann oder Hausaufgaben tauschen. Die "Gruppen" heißen nun "Themen".

Die neuen Netzwerkvarianten werden als Testversionen bezeichnet, der Probelauf für optische wie inhaltliche Änderungen soll sechs bis neun Monate dauern. Mittels eines Fünf-Sterne-Systems haben Nutzer die Möglichkeit, alle Änderungen zu bewerten. Man wolle mit den Nutzern ein konsequent auf ihre Bedürfnisse ausgerichtetes Angebot entwickeln, sagt VZ-Chef Riedl.

Zu diesem Statement passt die Ankündigung, dass die neuen und alten Versionen des Netzwerkes bis Mitte 2012 parallel laufen sollen. Bis dahin kann also jedes Mitglied die Version benutzen, die ihm besser gefällt. So ist zumindest sichergestellt, dass das neue Design keine neuen Austrittswellen auslöst.

Anm. d. Red.: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es fälschlich, in ihrer Pressemitteilung hätten die VZ-Netzwerke hervorgehoben, dass "in diversen VZ-Gruppen" die Farbe Pink durch Blaugrün ersetzt wurde. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

mbö

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1. .
Andr.e 28.09.2011
Meine Lehrveranstaltungen gibt es schon gefühlt seit Bestehen des VZ. Veranstaltungen ist auch schon länger da? Gab's Geld für den Artikel oder hat man bei StudiVZ jetzt erst gemerkt, dass es niemanden interessiert. Würde den VZlern stattdessen vorschlagen, dass sie ihre beißwüdigen Hunde in den VZ-Begrüßungsgruppen mal zu recht weisen. Wenn ein Neuling dort hin kommt und auf seine Frage gefühlte 20x angeblödet wird, sein Profil entspreche nicht den Bestimmungen oder er solle bitte suchen und nicht das Forum zuspamen, dann vergeht dem recht schnell wieder die Lust. Oder Einwürfe, von wegen das VZ achte nicht darauf, welche Apps es zulässt abzuschmettern, mit der Bemerkung dafür seien sie nicht verantwortlich. Oder sich überhaupt mal um das VZ kümmern und nicht aller Jubel Jahre mal reinschauen, drei sinnfreie Veränderungen anzukündigen und den Rest ne Zufallsmaschine erledigen lassen. Kurz: Den Service sollte man verbessern, dann würde das VZ vielleicht nicht nur als amüsanter Zeitvertreib, sondern als Alternative erscheinen.
2. Kurz und knapp
fucus-wakame 28.09.2011
Die Antwort ist einfach: der Zug ist abgefahren. Ein totes Pferd lässt sich nicht reiten.
3. Der Trend
ancarion 28.09.2011
Tja so ist es, ist eben nicht mehr angesagt.... Mal sehn, wann es Fabook trifft, der Trick ist es, denen einfach gerkeine Daten in den Rachen zu werfen, dann kann man auch nie out sein...
4. Facebook
puqio 29.09.2011
Facebook ist ja rein Geld-orieniert. Alles was die anbieten und tun gilt der eigenen Gewinnmaximierung. Das ist moralisch auch verwerflich, wird aber von den meisten Leuten kritiklos hingenommen. Hier könnten alternative Anbieter viel Gutes tun und ihren Nutzern sehr viel mehr Sicherheit und individuelleren Service bieten. Aber es sieht nicht danach aus . .
5. Keine Daten
SirLurchi 29.09.2011
Ich persönlich halte (nicht mehr) viel von diesen "social networks" und habe nun konsequent alle Konten gelöscht.
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Soziale Netzwerke
Facebook
DPA
Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach eigenen Angaben hat Facebook 845 Millionen aktive Mitglieder weltweit (Dezember 2011). Mehr zu Facebook auf der Themenseite.
Google+
Google+ ist der Versuch, den sozialen Funktionen von Facebook und Twitter etwas entgegenzusetzen. Das soziale Netzwerk wurde im Juni 2011 gestartet und hat nach Firmenangaben rund 170 Millionen Nutzer (April 2012). Der Funktionsumfang ist rein aus Nutzersicht vergleichbar mit Facebook, Schnittstellen für externe Entwickler sind allerdings eingeschränkt. Google animiert seine Nutzer, das Netzwerk als zentralen Hub für seine Dienste zu nutzen. Mehr zu Google+ auf der Themenseite.
Twitter
DPA
Der auf kurze Textnachrichten spezilalisierte Dienst Twitter wurde im Juli 2006 gegründet. Populär wurde der Dienst als Verteilnetzwerk für Links, Fotos und Videos. Twitter zählt nach eigenen Angaben mehr als 140 Millionen Nutzer (März 2012). Mehr zu Twitter auf der Themenseite.
Xing
Xing (früher OpenBC) wurde 2003 von Lars Hinrichs gegründet. Nach eigenen Angaben hat Xing über 11,7 Millionen Mitglieder (Stand: Dezember 2011), etwa acht Prozent haben einen kostenpflichtigen Premium Account. Bei Xing geht es vor allem um berufliche Kontaktaufnahme. Mehr zu Xing auf der Themenseite...
StudiVZ
Ehssan Dariani hat die Studenten-Community StudiVZ 2005 gegründet. Zuerst investierten Lukasz Gadowski und Matthias Spiess in StudiVZ, später finanzierten es vor allem die Gebrüder Samwer - bekannt für die Klingeltonfirma Jamba - und der Venture-Capital-Arm des Holtzbrinck-Verlags ("Die Zeit", "Handelsblatt"). Im Januar 2007 übernahm Holtzbrinck StudiVZ. Derzeit haben die Plattformen studiVZ.net, schuelerVZ.net und meinVZ.net nach eigenen Angaben rund 17,4 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2011). Mehr zu StudiVZ auf der Themenseite...
Lokalisten
Im Mai 2005 gegründet, hat das Netzwerk Lokalisten nach eigenen Angaben (Stand Juli 2010) inzwischen 3,6 Millionen Nutzer. Mehr zu Lokalisten bei Wikipedia...
Spin.de
Das 1996 in Regensburg gegründete Unternehmen Spin betreibt ein eigenes soziales Netzwerk, aber auch integrierte Unter-Communitys mit regionalem Fokus, die mit Partnern vor Ort (Lokalradios vor allem) betrieben werden. Nach eigenen Angaben (Stand Februar 2011) hat Spin.de eine Million aktive Mitglieder. Mehr zu Spin.de bei Wikipedia...
Wer kennt wen
Wer-kennt-wen wurde von den beiden Studenten Fabian Jager und Patrick Ohler gegründet. Seit Februar 2009 gehört das Netzwerk vollständig RTL Interactiv, die Gründer schieden Ende August 2010 aus. Das Netzwerk hat laut Betreiber über 9,5 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2012). Mehr zu Wer-kennt-wen bei Wikipedia...
MySpace
MySpace war 2006 das populärste soziale Netzwerk in den USA. Ein Jahr zuvor war es von Rupert Murdochs News Corporation gekauft worden. Bekannt wurde es durch die Möglichkeit, Musik einzubinden. Künstler und Bands nutzten die Plattform als Marketingplattform. Zeitweise hatte MySpace mehr als 220 Millionen Nutzer, nach Berechnungen von Google rund 30 Millionen Nutzer (Dezember 2011). Mehr zu MySpace auf der Themenseite...

Lehren aus dem MySpace-Debakel


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