Reporter ohne Grenzen NSA und GCHQ zu "Feinden des Internets" erklärt

Vorwürfe gegen Geheimdienste: Anlässlich des Welttags gegen Internetzensur hat Reporter ohne Grenzen eine Übersicht der "Feinde des Internets" veröffentlicht. Neben NSA und GCHQ kritisiert die Journalistenorganisation auch Überwachungsmessen.

Weltkarte zu den "Feinden des Internets": NSA und GCHQ in der Kritik

Weltkarte zu den "Feinden des Internets": NSA und GCHQ in der Kritik


Hamburg - Beschimpft und kritisiert wurden die Geheimdienste NSA und GCHQ in den vergangenen Monaten häufig - von Politikern, Bürgerrechtlern, Web-Nutzern. Nun hat Reporter ohne Grenzen die Liste der Verwünschungen noch verlängert. Am Mittwoch hat die Journalistenorganisation beide Dienste in eine Übersicht mit dem Titel "Feinde des Internets" aufgenommen, die anlässlich des Welttags gegen Internetzensur veröffentlicht wurde.

Auf der Negativliste finden sich Behörden und Institutionen, die nach Einschätzung von Reporter ohne Grenzen eine "zentrale Rolle" bei der Überwachung des Internets spielen. Bereits in den Vorjahren hatte die Organisation ähnliche Übersichten präsentiert. Neben NSA und GCHQ führt sie diesmal 30 weitere Institutionen auf, darunter den russischen Inlandsgeheimdienst FSB, Irans Obersten Rat für den Cyberspace und Chinas Internet-Informationsamt.

Wo die "Feinde des Internets" beheimatet sind, hat Reporter ohne Grenzen auf einer Weltkarte visualisiert.

"Der Kritik den Wind aus den Segeln genommen"

Hintergrund für die Aufnahme von NSA und GCHQ in diese Übersicht sind die Enthüllungen Edward Snowdens. Seine Dokumente hätten gezeigt, wie beide Dienste "vorsätzlich Sicherheitslücken in Software und IT-Infrastruktur eingeschleust und an Knotenpunkten des Internets die Kommunikation von Millionen unbescholtener Bürger abgefangen" hätten, findet Reporter ohne Grenzen. "Damit haben diese Geheimdienste das Internet zu Lasten von Menschenrechten wie Privatsphäre, Meinungs- und Pressefreiheit in ein Werkzeug überbordender Sicherheitsapparate verwandelt."

Matthias Spielkamp, Vorstandsmitglied der Organisation, erklärte, dieses Vorgehen der Geheimdienste wiege umso schwerer, als es "jeder westlichen Kritik an autoritären Staaten wie China, Saudi-Arabien oder Turkmenistan den Wind aus den Segeln nimmt".

Erstmalig tauchen in der Negativliste auch drei Fachmessen für Sicherheitstechnologie auf. Die Veranstaltungen würden die weltweite Verbreitung von Überwachungstechnologien fördern, erklärt Hauke Gierow, Internetreferent bei Reporter ohne Grenzen. Auf den Messen "Technology Against Crime", "Milipol" und "ISS World" kämen Vertreter repressiver Staaten mit Unternehmen zusammen, die solche Technologie verkaufen.

Ergänzend zur Feindeübersicht hat Reporter ohne Grenzen auch einige konkrete Handlungsaufforderungen für Staaten und Firmen veröffentlicht. Dazu zählt beispielsweise eine strengere Kontrolle des Spähsoftware-Exports.

mbö/dpa/AFP

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
abcstudent 12.03.2014
1. Was macht die Politik?
Niemand äußert sich mehr dazu. Sieht so aus als in die NSA Affäre Neuland ist. Thema beendet. Alles bleibt beim alten.
diefreiheitdermeinung 12.03.2014
2. Wurde nicht im Zusammenhang mit dem Flug MH370
der verschwunden ist gerade von Journalisten hinterfragt was denn die Erkenntnis der Geheimdienste und Überwachungsbehörden sei ? Sind NSA und GCHQ plötzlich die Guten ? Und wie war das damals bei 9/11 ? Wurde nicht auch damals - auch in Deutschland - die Frage heftig diskutiert, warum es den Geheimdiensten nicht gelungen sei durch Überwachung die Täter vor Ausführung der Tat zu identifizieren ? Wie eigentlich stellen sich Reporter eine geheimdienstliche Tätigkeit vor ? Warten bis einer an die Tür klopft und sagt: "ich hab was vor!" ? Und wenn einer "Feind des Internets" ist dann sind es mindestens genauso die manchmal als "heroes" stylisierten Hacker und Datendiebe ("wir wollen ja nur auf Sicherheitslücken hinweisen", heisst die unglaubwürdige Entschuldigung für kriminelle Handlungen) und die mit ihnen manchmal verbundenen Cyberkriminellen. Was mich viel mehr stört als das angebliche hohe Interesse einer NSA an mir (=NULL) ist dass meine emails zu 2/3 aus phishing, spam u.ä. bestehen. Was sagt Reporter ohne Grenzen eigentlich dazu ?
diefreiheitdermeinung 12.03.2014
3. Hab mir mal die Karte angeschaut
die leider total unglaubwürdig ist. Alle europäischen Staaten, ausser GB sind klarerweise die Guten. Na klar doch denn Frankreich, Deutschland, Italien und Andere haben selbstverständliche keine Geheimdienste, hören Nichts ab, geben Nichts weiter und bekommen auch Nichts von NSA und GCHQ. So wird das Bild verbreitet, dass die Welt schlecht ist und es auf die tollen, supersauberen Europäer - ausser den halbamerikanischen Briten - abgesehen hat. Und so ein Machwerk verbreiten Reporter als Studie? Mangelhaft!
der.tommy 12.03.2014
4. @freiheitdermeinung
vor dem uintergrund ihres forumsnamens erscheinen ihre aussagen doch sehr blauäugig. spam-mails schränken nicht ihr grundlegendes recht auf freie meinungsaeusserung ein und laufen auch nicht der unschuldsvermutung entgegen. massenhaftes ausspionieren von mitnichten verdaechtigen buergern leistet aber beides. es schafft die unschuldsvermutung durch die hintertuer ab und beeinflusst indirekt oder direkt auch, ob wo und wie sie ihre meinung aeussern. ich persoenlich ertrage lieber taeglich 1000 spam-mails als auch nur einen tag in der angst leben zu muessen, dass der staat mich auf schritt und tritt verfolgt und sich auf basis meiner spuren im internet ein potentiell falsches bild von mir macht, was im extremfall ganz schlecht fuer mich ausfallen kann. gerade von einem deutschen staatsangehoerigen sollte man wohl etwas mehr sensibilitaet in bezug auf totalueberwachung erwarten koennen. aber fuer sie scheint es wesentlicher, dass sie ihren spamordner leeren muessen als in einer freien gesellschaft leben zu koennen.
anja-boettcher1 12.03.2014
5. Überraschung...
...nachdem sich alle repressiven Staaten bei der Verfolgung ihrer Bürger auf "unsere Freunde" und den berechtigten Schutz ihrer staatlichen Integrität gegen GCHQ/NSA berufen können, finden sich aus Sicht freier Journalisten GB und die USA auf der Liste der "axis of evil" wieder. Congratulations!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.