Pussy Riot auf der re:publica "Angst haben wäre unvernünftig"

Sie spielen bei "House of Cards" mit und singen jetzt auch Englisch: Auf der Media Convention im Rahmen der re:publica wollen zwei Aktivistinnen von Pussy Riot trotzdem lieber über die Menschenrechte in Russland sprechen - und stellen die erste Publikumsfrage selbst.

Von , Berlin

Marija Aljochina (links) und Nadeschda Tolokonnikowa: 2012 wurden sie zu Haftstrafen verurteilt
DPA

Marija Aljochina (links) und Nadeschda Tolokonnikowa: 2012 wurden sie zu Haftstrafen verurteilt


So richtig warm werden Marija Aljochina und Nadeschda Tolokonnikowa nicht mit den Fragen des Moderators. Die Pussy-Riot-Mitglieder, Musikerinnen und zugleich Aktivistinnen, sitzen am Dienstagabend auf einem Podium im Rahmen der Media Convention auf der Berliner Netzkonferenz re:publica, Tolokonnikowas Ehemann Peter Verzilov übernimmt dabei die Rolle des Übersetzers.

Warum Pussy Riot mit "I can't breath" erstmals ein Musikvideo auf Englisch veröffentlicht haben? Weil die Gruppe schon immer international war, was schon der englische Bandname andeute. Außerdem sei man häufig in den USA unterwegs, sagt Peter Verzilov. Und irgendwann habe man dabei die Idee gehabt, ein englisches Video zu machen. Nadeschda Tolokonnikowa sagt später, bei Pussy Riot plane man nicht viel, stattdessen entscheide man vieles spontan.

Auch die Frage, ob die Pussy-Riot-Website oft ein Ziel von Online-Überlastungsttacken sei, bügelt das Trio ab. Solange in Russland Dinge wie die Erschießung des Oppositionspolitiker Boris Nemzow geschehen, sollte man keine Überlastungsattacken auf Internetseiten thematisieren, sagt Peter Verzilov. Und die erste Publikumsfrage wollen Marija Aljochina und Nadeschda Tolokonnikowa lieber selbst stellen: "Was würdet ihr machen, wenn die Regierung eures Landes den Spitzen-Oppositionellen tötet?"

"Angst haben wäre unvernünftig"

Pussy Riot wirken im Gespräch bemüht, nicht nur auf ihren vor allem im Ausland umstrittenen Gefängnisaufenthalt reduziert zu werden, auf ihr persönliches Leid. Lieber einmal zu oft als zu wenig betonen sie, dass das russische Rechtssystem unberechenbar sei.

"Man gewöhnt sich daran, dass man alles tun kann und alles tun sollte", sagt Tolokonnikowa. "Angst haben wäre unvernünftig, wenn sie dich für einen Tanz ins Gefängnis schicken können." Tolokonnikowa erzählt, erst kürzlich hätten in Russland mehrere junge Frauen ins Gefängnis gemusst, weil sie vor einem Weltkriegsdenkmal einen lasziven Tanz aufgeführt hatten.

Im Jahr 2012 waren Aljochina und Tolokonnikowa wegen "Rowdytums aus religiösem Hass" selbst zu Haftstrafen verurteilt worden. Hintergrund war ein Putin- wie kirchenkritisches "Punk-Gebet", das sie in der Moskauer Christ-Erlöser-Kirche aufgeführt hatten. Im Dezember 2013 waren die Aktivistinnen in Folge einer Amnestie freigekommen.

Zuletzt hatten Pussy Riot unter anderem mit einem Seriengastauftritt auf sich aufmerksam gemacht. In der dritten Folge der dritten Staffel von "House of Cards" spielen sich Aljochina, Tolokonnikowa und Verzilov selbst - bei einem gemeinsamen Dinner des amerikanischen und des russischen Präsidenten.

mit Material von dpa

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insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
cococ1 05.05.2015
1. Hahaha
häufig in den USA unterwegs.Wo auch sonst? Gibt es jemand,der diese Band wegen der Musik interessant findet,oder reicht es,einfach gegen Putin zu sein? Dann gründe ich noch eine Boy-Band mit Namen Chordokowski!
sersch85 05.05.2015
2.
"Was würdet ihr machen, die Regierung eures Landes den Spitzen-Oppositionellen tötet?" Haben die den Beweise? oder könnte man die wieder einsperen wegen Verleumdung?
Bernd.Brincken 05.05.2015
3. Billig
Russlandbashing funktioniert auch in der Netzszene, d.h. "kritisches Denken", BND- und NSA-Kritik sind medial koscher, solange die geopolitische Hauptlinie stimmt. Pussy Riot ist ein billiger Parameter in dieser Positionierung.
der sachse 05.05.2015
4. abschaum
http://medien-luegen.blogspot.de/2012/09/pussy-riot-und-nawalny-wer-die-helden.html
dont_think 05.05.2015
5. Von wegen
Wie sich die Meisten noch erinnern werden, war diese Begründung nur vorgeschoben. Die wahre Straftat war doch ihr unendlich schlechter Geschmack. Donatella Versace hat dafür "lebenslang" bekommen, warum also nicht diese pubertierenden Provinzgören? Und Putin begnadigt die auch noch - er ist wirklich ein Sissy Boy.
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