Retro-Reiseführer Internet, du sahst schon mal schlimmer aus

Es gibt Internetseiten, die auch 20 Jahre nach ihrem Start beeindrucken: durch Skurrilität, manchmal auch durch Hässlichkeit. Wir stellen vier Webdienste für Retro-Trips vor.

Ausschnitt von "Cameron's World": Seltsames altes Internet
cameronsworld.net

Ausschnitt von "Cameron's World": Seltsames altes Internet

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Das Internet birgt historische Schätze: Auf allerlei Websites aus den Neunzigerjahren gibt es vergessene Blogs und schrille Animationen zu entdecken, Geschichten von abstrusen Hobbys und natürlich Verschwörungstheorien, wie es sie auch schon lange vor dem 11. September 2001 gab.

Nicht nur Onlinearchive wie die bekannte "Wayback Machine" machen alte Websites wieder zugänglich. Nostalgiker und Wissenschaftler haben verschiedene Recherche-Werkzeuge programmiert und Online-Museen erschaffen, die sich im Browser erkunden lassen. Dieser Artikel ist ein kleiner Reiseführer in die Vergangenheit, mit vier Stationen.

1. Station: "Cameron's World"

Der ideale Einstieg für die digitale Zeitreise ist "Cameron's World". Entwickler Cameron Askin bezeichnet seine Onlinecollage als "Liebesbrief" an das alte Internet. "Cameron's World" besteht aus Elementen von GeoCities-Websites der Neunziger- und frühen Nullerjahre. Der mittlerweile eingestellte Webhosting-Dienst GeoCities gehörte einst zu den beliebtesten Anlaufstellen im Netz.

2. Station: Oldweb.today

Ein ausgefeiltes Recherchewerkzeug für archivierte Websites ist Oldweb.today . Das Tool emuliert veraltete Versionen von Browsern wie dem Internet Explorer, Firefox oder dem mittlerweile eingestellten Netscape Navigator. Auf diese Weise lassen sich die Seiten im Gewand historischer Browser betrachten - mehr Retro-Feeling bekommt man nirgendwo.

3. Station: Onlinemuseum "Internet Archaeology"

Während sich Nutzer von "Oldweb.today" selbst überlegen müssen, welche Seite sie ansteuern möchten, können sie sich auf der Website "Internet Archaeology" durch ausgesuchte Raritäten klicken.

Die selbst ernannten Archäologen des Internets haben sich den "grafischen Artefakten der frühen Internetkultur" verschrieben, wie sie auf ihrer Website erklären. Das Onlinemuseum zeigt Bilder, antiquierte Flash-Animationen und derzeit 40 vollständig archivierte private Websites.

4. Station: "Websites from Hell"

Dieses vierte und letzte Angebot setzt auf den Spürsinn der Nutzer: "Websites from Hell" ist eine ständig wachsende Sammlung der hässlichsten Websites des Internets. Nutzer können eigene Vorschläge einreichen und online über die Kandidaten abstimmen. Zwar müssen die Websites nicht zwingend veraltet sein, um im Ranking aufzusteigen - die meisten sind es aber trotzdem.

Mit ironischem Augenzwinkern ist die Galerie der "höllisch schlechten" Websites eine Hommage an den Trash und an die skurrilen Auswüchse früher Online-Ästhetik. Ob alle aufgelisteten Seiten echte Geschmacksverirrungen sind oder ob manches auch als Satire gedacht war, lässt sich nicht eindeutig sagen.



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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
silenced 01.02.2016
1.
Ihr habt ein deutsches Juwel des Internets vergessen, im Stil gleichgeblieben seit 1997: http://www.karl-fritsch.de/ Das ist Internetkultur!
rumpel84 01.02.2016
2.
Wenn ich Webseiten aus der Hölle sehen will, schalte ich den Werbeblocker aus ;)
autopoiesis 01.02.2016
3.
Bei der Lektüre des Artikels fiel mir Folgendes ein: Hat SPON nicht erst neulich über die grauenhafte Internetpräsenz eines SPD-Ortsverein berichtet? Das war nicht etwa eine Homepage aus dem Jahre 1850, sondern eine ganz aktuelle...
autopoiesis 01.02.2016
4.
Zitat von silencedIhr habt ein deutsches Juwel des Internets vergessen, im Stil gleichgeblieben seit 1997: http://www.karl-fritsch.de/ Das ist Internetkultur!
Ich gehe mal stark davon aus, dass das (gelungene) Satire sein soll. Ich gehe auch davon aus, dass der Inhaber im wahren nicht so heißt wie ein hochrangiger NSDAP-Politiker.
el_zombo 01.02.2016
5. Lieber schlecht als langweilig...
Früher war nichts besser, aber Internetseiten waren origineller. Heute gibt es nur noch wenige persönliche Internetseiten, und seit es große social-media-Platformen gibt, sehen alle narzisstischen Selbstdarstellungen irgendwie gleich aus. Langweiliger Header im Facebook, Selfieprofilbild im Twitteraccount, das war's an kreativer Selbstverwirklichung im Walled Garden. Selbst die selbstgebauten Seiten, die es noch gibt, sind schick, aber völlig unoriginell und mit Standardframeworks wie Bootstrap glattgezogen. Originalität und Authentizität findet man heute seltener als in den gruseligen Kindertagen des Internets. Schade eigentlich.
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