Richtungswechsel Google bezahlt für Agenturmaterial

Bislang war das Verhältnis zwischen Google und Presseagenturen eher gespannt, denn Google News präsentiert Agenturmeldungen - ohne dass Google dafür bezahlt. Nun haben die Suchmaschinisten einen Vertrag mit Associated Press geschlossen. Ein neuer Dienst könnte das Ergebnis sein.


Der Internetsuchdienst Google und die amerikanische Nachrichtenagentur Associated Press haben einen Vertrag über die Nutzung von Agenturmaterial abgeschlossen. Demnach bezahlt Google die AP künftig für die Verwendung von deren Nachrichten und Fotografien, wie beide Unternehmen am Mittwoch bekannt gaben. Einzelheiten des Deals wurden allerdings nicht mitgeteilt. So blieb unklar, ob Google einen Pauschalbetrag bezahlt oder ob die Häufigkeit der Verwendung einzelner Beiträge für die Berechnungen ausschlaggebend ist.

Surfen mit Google: Künftig eigener Nachrichtendienst?
DPA

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Google deutete an, das AP-Material werde als Grundlage für ein neues Angebot dienen, das in den kommenden Monaten zusätzlich zu Google News ins Internet gestellt werde. Damit könnte der Suchdienst seine bisherige Position untermauern, dass er Nachrichtenagenturen für den reinen Hinweis auf deren Artikel und Bilder nichts schulde. Google hat dies stets als "faire Verwendung" gewertet, die vom Urheberrecht gedeckt sei.

Dagegen hat die französische Nachrichtenagentur Agence France Press (AFP) im vergangenen Jahr in Washington Klage eingereicht.

Sie verlangt von Google 17,5 Millionen Dollar (13,67 Millionen Euro) Entschädigung für Copyright-Verletzungen. Einem ihrer Anwälte zufolge hofft AFP, dass der Deal von Google und AP ihren Forderungen neuen Auftrieb verleihen werde.

Google betonte indessen, der Vertrag mit AP ändere nichts am Prinzip, dass eine kostenlose "faire Verwendung" von Agenturmaterial zulässig sei. Google News habe sich stets in diesem rechtlichen Rahmen bewegt. Andererseits hieß es: "Google war immer der Ansicht, dass die Zulieferer von Inhalten sowie Verleger für ihre Arbeit angemessen entschädigt werden sollten, damit sie weiterhin hochwertige Informationen zur Verfügung stellen können." Google-Sprecherin Sonya Boralv erklärte, es sei nicht das erste Mal, dass Medienunternehmen für ihre Beiträge bezahlt würden. Die Suchmaschine bezahle bereits Rundfunkanstalten und Buchverleger dafür, dass sie deren urheberrechtlich geschütztes Material im Internet feilbieten dürfe.

Michael Liedtke, AP

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