Emojis zu Olympia Was den Berliner Flughafen mit Bermuda verbindet

In Rio laufen die Olympischen Spiele - und auf Twitter machen automatisch hinzugefügte Emojis die Timeline bunter und verwirrender. Die olympischen Ringe sucht man aber vergebens - anders als bei WhatsApp.


Große Medaillenchancen räumen Experten dem "Team Refugee Olympic Athletes" (ROA) zwar nicht ein. Ein eigenes Hashtag hat Twitter den zehn Sportlern aber natürlich trotzdem reserviert, schließlich ist die Flüchtlingsmannschaft wie die klassischen Länderteams ein großes Gesprächsthema.

Um das ROA-Emoji aufzurufen, muss man bei Twitter #ROT eingeben, das steht für "Refugee Olympic Team". Eigentlich müssten dann die berühmten fünf Ringe kommen, als Olympische Flagge - die ist das offizielle Symbol der Mannschaft.

Bei anderen Teams funktioniert das: Man muss nur den Ländercode eingeben, also etwa #GER fürs deutsche Team, heißt es in einem Blogeintrag von Twitter - und "schon erscheint die Flagge des jeweiligen Landes als Emoji in Eurem Tweet".

Beim Hashtag #ROT erscheinen aber keine Ringe - stattdessen zeigt das Twitter-Emoji zwei Hände, die eine Erdkugel halten. Eine Erläuterung dafür gibt es im Blogeintrag nicht, der Grund ist aber naheliegend: Das IOC, das Internationale Olympische Komitee, ist knauserig, wenn es um seine tatsächlichen oder vermeintlichen Markenrechte geht.

Zuckerhut, Meer und Sonne

Die offiziellen Symbole verwenden darf als Unternehmen eigentlich nur, wer als offizieller Sponsor den Geldbeutel gezückt hat - nach der Lesart des IOC und des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) sollten Firmen ansonsten selbst mit Standard-Hashtags wie #Rio2016 vorsichtig sein. Zum Hashtag #Rio2016 spielt Twitter übrigens ein eigenes "nichtoffizielles" Emoji aus: mit Zuckerhut, Meer und Sonne in den brasilianischen Nationalfarben.

Ein Symbol mehr bietet WhatsApp: Seit der Version 2.16.7 der App gibt es im Messenger ein Olympische-Ringe-Emoji. An die große Glocke gehängt hat WhatsApp das allerdings nicht. Und während sich das Symbol unter Android ganz normal über die Tastatur aufrufen lässt, muss man unter iOS tricksen.

Entweder man schmuggelt über eine Kopieren-und-Einfügen-Aktion fünf große Kreise (OOOOO) in die Textmitteilung hinein - die werden dann automatisch umgewandelt. Oder man lässt sich das fertige Emoji von einem Freund zuschicken und kopiert es aus dessen Nachricht. Hinter diesem Umweg könnten ebenfalls juristische Bedenken stecken, hier möglicherweise die von Apple.

Wasserpistole statt Waffe

Apple hatte erst vor Kurzem Schlagzeilen in Sachen Emoji gemacht: Das Unternehmen hatte angekündigt, ab der neuen iOS-Version 10 das Pistolen-Symbol, das zum offiziellen Zeichensatzstandard gehört, als Wasserpistolen-Emoji darzustellen. Bei einem Empfänger mit einem anderen Gerät würde das Zeichen aber weiter als richtige Pistole ankommen - je nach Kontext ist die digitale Abrüstungsaktion daher vielleicht eine schlechte Idee.

Twitter wiederum hatte zuletzt auch eine wenig durchdachte Emoji-Idee: Bei seinen Olympia-Emoji hatte der Dienst der Sportart Schießen zunächst das Hashtag #Shooting zugeordnet, das sonst häufig im Kontext von Attentaten oder Amokläufen verwendet wird. Mittlerweile erscheint das Schützen-Emoji aber nur noch beim Hashtag #shootingsport.

Verwirrung bringen die automatischen Emojis aktuell noch, wenn deutsche Nutzer die Farbe Rot als Hashtag verwenden wollen: So bekommen etwa Tweets mit dem Hashtag #Rot-Grün die Weltkugel des Flüchtlingsteams verpasst. Und wer zum Berliner Flughafenprojekt das Hashtag #BER nutzt, hat plötzlich die Flagge von Bermuda im Tweet. Es herrscht dank #Rio2016 also wohl noch ein Weilchen der Ausnahmezustand: sportlich und in den sozialen Medien.



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vox veritas 09.08.2016
1. Was den Berliner Flughafen mit Bermuda verbindet?
Hmmm, in beiden Bereichen verschwinden Dinge: im Bermuda Dreieck sind es Schiffe und auf dem Berliner Flughafen Geld?
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