Europäische Union Roaming-Gebühren bleiben wohl länger bestehen

Ein Vorschlag der lettischen Ratspräsidentschaft legt nahe, dass das Aus für Roaming-Gebühren später kommt als erwartet. Das Europaparlament hatte sich eine Abschaffung zum Jahresende gewünscht.

Selfie-Stick-Nutzer in Paris: Je nach Herkunftsland kann es teuer werden, das Handyfoto den Verwandten zu schicken
AP/dpa

Selfie-Stick-Nutzer in Paris: Je nach Herkunftsland kann es teuer werden, das Handyfoto den Verwandten zu schicken


Verbraucher müssen möglicherweise länger als gedacht Roaming-Gebühren für die Handynutzung im EU-Ausland zahlen. Ein Vorschlag der lettischen EU-Ratspräsidentschaft sieht offenbar vor, dass für einen Übergangszeitraum noch Gebühren erhoben werden könnten, sobald die Nutzer ein bestimmtes Kontingent für die Auslandsnutzung ausgeschöpft haben.

Das Europaparlament hatte vor gut einem Jahr ein Aus für Roaming-Gebühren zum Jahresende verlangt. Die EU-Kommission hatte zuvor den Sommer 2016 für die Abschaffung anvisiert.

Die EU deckelt bereits seit Jahren die Preise für Telefonate, den SMS-Versand und mobiles Surfen im europäischen Ausland. Von Kunden im europäischen Ausland dürfen nicht mehr als 19 Cent pro Minute für abgehende Anrufe verlangt werden. Bei ankommenden Anrufen sind fünf Cent das Maximum, bei versendeten SMS sechs Cent und pro Megabyte Daten 20 Cent. Hinzu kommt die Mehrwertsteuer. Werden die Roaming-Gebühren abgeschafft, würde zum Beispiel ein deutscher Handynutzer auf Mallorca für eine SMS genau so viel zahlen wie in Deutschland.

Nur 50 Minuten pro Jahr?

Derzeit laufen Verhandlungen zwischen der Kommission, dem Parlament und dem Rat, in dem die Mitgliedstaaten vertreten sind. Dabei rückt die komplette Abschaffung offenbar in weitere Ferne. Die lettische Ratspräsidentschaft schlage vor, dass jeder Kunde ein bestimmtes Kontingent hat, innerhalb dessen er sein Handy zu den nationalen Preisen verwenden könne, heißt es von einer Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums.

Bei darüber hinausgehender Nutzung sollten die Mobilfunkanbieter "für eine Übergangszeit die Möglichkeit haben, mit den entsprechenden Großkundenpreisen verknüpfte Zuschläge auf die nationalen Endkundenpreise zu erheben". Die Roaming-Gebühren würden dadurch weiter sinken. "Wir begrüßen das", sagte die Sprecherin. Zu den Details des Vorschlags, insbesondere den vorgesehenen Kontingenten, machte sie keine Angaben.

Die "Bild"-Zeitung hatte berichtet, bei Anrufen aus dem Ausland seien nur 50 Minuten pro Jahr zu den jeweiligen Inlandskonditionen vorgesehen. Die weiteren Jahreskontingente seien 50 SMS und 100 Megabyte Datennutzung für das mobile Internet. "Bild" bezog sich auf ein "Geheimpapier" aus dem Europäischen Rat vom 27. April.

Kritik aus dem Europaparlament

Verbraucherschützer reagieren empört auf die Meldung. "Die Abschaffung der Roaming-Gebühren war von der EU versprochen", mahnte der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller. Wer einen europäischen Binnenmarkt wolle und über Freihandelsabkommen verhandele, "darf bei den Telefongebühren nicht an den Landesgrenzen auf die Bremse treten".

Auch aus dem Europaparlament kommt Widerstand. Die CSU-Europaabgeordnete Angelika Niebler erinnerte an den Beschluss des Parlaments zur kompletten Abschaffung der Roaming-Aufschläge. "Wir werden daran festhalten und weiter dafür kämpfen, dass das Ziel eines roamingfreien Europas realisiert wird", erklärte sie. Darüber müsse mit den EU-Mitgliedstaaten "hart verhandelt werden".

Die frühere EU-Justizkommissarin Viviane Reding, die ebenfalls im Europaparlament sitzt, bezeichnete die neuen Pläne als "Schande". "In geheimen Brüsseler Ministerialrunden wird beschlossen, den Leuten weiter das Geld aus der Tasche zu ziehen", sagte Reding der "Bild"-Zeitung. Eigentlich müsse es nun einen "Volksaufstand" geben.

Dass sich die Staaten darauf verständigt haben, die Extra-Gebühren für mobiles Telefonieren und Surfen im Ausland mit Einschränkungen vorerst weiter erlauben zu wollen, war bereits im März bekannt geworden.

mbö/AFP/dpa



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insgesamt 20 Beiträge
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Mertrager 15.05.2015
1. EU-schädigend
Der Zustand jetzt ist eine Behinderung für ein vereintes Europa. Er ist eigentlich sinnlos, wenn es nicht -wie so oft- dabei auch darum ginge, den Bürger auszuquetschen. Noch dümmer aber ist der nun angekündigte Zick-zack-Kurs. So verliert man jeden Glauben an die Redlichkeit der EU-Politiker.
issesdas 15.05.2015
2. Dieses EU-Parlament ist unfähig und korrupt
und keiner von denen soll weiter erwarten, solche unfähigen Kreaturen auch noch mit einem Kreuz auf nem Wahlzettel zu legitimieren. Es gibt nur wenig, wo das Geld so schlecht angelegt ist wie in die Bezahlung dieser unsäglichen Clowns. Welcher Lobbyist hat wohl die Letten bestochen? Es wäre zu schön, wenn wir das irgendwann rauskriegen würden.
dieburg 15.05.2015
3. Inlandspreise werden steigen....
..oder zumindest nicht mehr sinken! Bei dieser Regulierung wird es Gewinner und Verlierer geben. Die deutschen Mobilfunkkunden werden auf jeden Fall nicht zu den Gewinnern gehören. Es ist eine ganz einfache Rechnung, wenn die Kunden eine Onnetflat haben und diese kräftig nutzen, so hat der Mobilfunkbetreiber über seine Infrastrukturkosten keine weiteren Ausgaben. Wird diese Onnetflat jetzt auf die EU ausgeweitet, so kommen die IOT Preise der besuchten Netze mit hinzu. Ratet mal, wer diese Kosten am Ende trägt? Gewinner werden alleine die Kunden sein, die das ganze Jahr über in der EU unterwegs sind....richtig, die EU Abgeordnete zum Beispiel! Verlierer sind am Ende die Kunden, welche garnicht oder nur zwei Wochen im Jahr im EU Ausland unterwegs sind. Die Irischen Netzbetreiber haben zum Beispiel nach Redings Ankündigung die Preise außerhalb der EU erhöht, teilweise sogar verdoppelt. Die Österreicher teilweise die Inlandspreise erhöht. Vielleicht wäre es auch gut, wenn SPON nicht nur blind die BILD abschreibt, sondern mal die Hintergründe recherchiert! Warum hat der EU Rat nicht den Entwurf vom Parlament übernommen? Ein Tip, vielleicht gab es ja Untersuchungen über die Folgen z.B. für die Investition in die Infrastruktur? Oder, das dies der Tod der Service Provider sein könnte, da sie ohne eigenes Netz die Kosten nicht kompensieren können?
DUWN01 15.05.2015
4. Mehr Kenntnis der Preise?
Der Artikel strotzt leider von Halbwahrheiten. Die EU-SMS kosten heute schon weniger als die meisten SMS innerhalb Deutschlands und deutlich weniger als die vom Inland ins (EU-)Ausland. In etlichen Ländern kosteten SMS sowieso kaum etwas, da ist es schon richtig, die Preise zwangsweise zu reduzieren. SMS belasten bekanntlich das Netz nicht, sie führen ohnehin zu einem nicht vertretbaren Reingewinn bei den Netzbetreibern. Da bereits heute etliche Anbieter in Europa die Roaminggebühren deutlich unterbieten, so dass man mit einer ausländischen Karte billiger telefoniert als mit einer inländischen, kann das Gejammer über fehlende Kostendeckung nur theatralisch sein. Es ist völlig egal, ob jetzt ein Telefonat in Deutschland, Frankreich, Schweden oder Zypern vom Sendemast zum Telefon geleitet wird, die Kosten dafür unterscheiden sich kaum. Und die Weiterleitung selbst (Festnetz) dürfte unter 1 ct/min liegen, denn das kann man schon als Privatkunde in diesem Bereich einkaufen. Es sieht also nach einer Kumpanei zwischen Regierungen und Mobilfunkbetreibern aus, die einen wollen mehr Geld für Frequenzen einnehmen, die anderen länger übermäßig verdienen. Im Endeffekt soll dem Bürger das Geld aus der Tasche gezogen werden. Dabei kommt doch gerade ein gewisser Wettbewerb in Gang, von dem Reisende oder Bewohner von Grenzregionen profitieren. Dass Deutschland nicht gerade ein Vorzeigeland für Mobilfunk ist, sollte auch allen in diesem Lande bewusst werden. In Gegensatz zu Schweden haben wir eine wesentlich höhere Bevölkerungsdichte, aber auf dem Lande eine schlechtere Versorgung als Schweden, gepaart mit höheren Preisen. Wo geht unser Geld hin? Welchen Nutzen haben wir von der strikten Konkurrenz statt einer Kooperation in dünn besiedelten Gebieten? Warum bekomme ich im Schwarzwald, je nach Netz, besser die Franzosen als mein deutsches Netz? Warum haben die Schweizer am Hochrhein 3G und 4G ausgebau, während die deutschen Netze gerade 2G liefern, wenn überhaupt, so dass man, wenn man nicht aufpasst, u.U. saftige Roaminggebühren blechen darf? Soll bloß niemand behaupten, dazu fehle das Geld. Wie schon gesagt, es muss nur richtig eingesetzt werden und die Regierung muss sich darum positiv kümmern. Ich hätte jetzt Namen nennen können, aber es sollte sich jeder selbst schlau machen, wo und wie er Geld sparen kann.
smsderfflinger 15.05.2015
5. zu # 1 : Im Ernst?
Zitat von MertragerDer Zustand jetzt ist eine Behinderung für ein vereintes Europa. Er ist eigentlich sinnlos, wenn es nicht -wie so oft- dabei auch darum ginge, den Bürger auszuquetschen. Noch dümmer aber ist der nun angekündigte Zick-zack-Kurs. So verliert man jeden Glauben an die Redlichkeit der EU-Politiker.
Ganz sicher wird es zu einem vereinten Europa beitragen, wenn Herr Müller - Lüdenscheid aus seinem Urlaub in Thessaloniki ständig alle seine Verwandten und Freunde per Handy-/SMS - Billigtarif über die Fortschritte seiner Sonnenbräune auf dem Laufenden hält... Auch wird es zu ständig neuen Urlaubsbekanntschaften führen, wenn das Kolosseum in Rom widerhallt von sinnlosem Smartphonegeplapper in allen europäischen Sprachen - natürlich ausser Italienisch ... Für die Umwelthygiene wäre es wünschenswert, wenn jede SMS 10 ct und jedes Telefonat 20 ct kosten würde. D
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