Amerikanische Studie Roboter will man nicht am Hintern tätscheln

Laut einer Studie berühren Menschen humanoide Roboter ungern in "Intimbereichen". Das hat Konsequenzen für die Gestaltung von Robotern, die mit Menschen interagieren sollen.

Proband mit Testroboter Nao
IEEE Spectrum/ YouTube

Proband mit Testroboter Nao


Freundliche Roboter wie R2D2 aus "Star Wars" oder den kleinen Schrottsammler Wall-E finden viele Menschen putzig. Sie hätten keine Probleme damit, solche Hollywood-Blechkisten zu berühren. Aber was wäre, würde so ein Roboter Sie auffordern, seinen Hintern zu streicheln?

Was nach einer albernen Frage klingt, war der Ausgangspunkt für eine Studie der kalifornischen Stanford University. Drei Maschinenbauingenieure - Jamy Li, Wendy Ju und Byron Reeves - wollten wissen, wie Probanden reagieren, wenn sie von einer menschenähnlichen Maschine aufgefordert werden, Stellen von deren Körper zu berühren, die beim Menschen zum Intimbereich gehören.

Dazu programmierten sie einen Nao-Roboter der französischen Firma Aldebaran Robotics so, dass er die Studienteilnehmer aufforderte, ihn an 13 verschiedenen Stellen anzufassen. Sensoren maßen währenddessen die Leitfähigkeit der Haut der Probanden. Die Messwerte sollen Hinweise auf Erregung und Nervosität geben. Ein Videoclip zeigt den Versuchsablauf.

Touching a Robot Can Elicit Physiological Arousal in Humans

Die Ergebnisse dieser Untersuchungen bestätigten, dass die Probanden ohne wesentliche Stressreaktionen reagierten, wenn sie "allgemein zugängliche" Bereiche wie Hände, Arme und Schultern berühren sollten, heißt es im Abschlussbericht der Studie.

Ganz anders fielen die Reaktionen aus, wenn die Testpersonen Bereiche berühren sollten, die beim Menschen zur Intimzone gehören. Sollten sie etwa den Hintern des Roboters oder die Innenseite von dessen Oberschenkeln anfassen, stieg ihre Nervosität deutlich messbar an. Dagegen konnte keine Veränderung gemessen werden, wenn die Probanden lediglich mit dem Finger auf die entsprechenden Stellen zeigen sollten.

Roboter aus der Studie
Jamy Li

Roboter aus der Studie

Dem "Guardian" erklärte Jamy Li seine Schlussfolgerungen. Menschen würden auf Roboter ganz simpel reagieren: "Für Berührungen bestimmter Teile eines Roboters gelten dieselben sozialen Konventionen wie für den Intimbereich von Menschen." Humanoid gestaltete und sich menschlich verhaltende Maschinen können bei Menschen also ähnliche Reaktionen hervorrufen wie Menschen, zitiert das Fachmagazin "IEEE Spectrum" die Studie.

"Das ist kein Mensch"

Dr. Angelica Lim vom Roboterhersteller Aldebaran Robotics interpretiert die Studienergebnisse "IEEE Spectrum" gegenüber allerdings anders. Zum einen müsse man sich erst an den Umgang mit einem humanoiden Roboter gewöhnen, um zu begreifen: "Das ist kein Mensch, das ist ein Roboter".

Zum anderen sei der Versuchsaufbau problematisch. Normalerweise würde der nur 58 Zentimeter hohe Roboter von seinen Besitzern wie ein Kind getragen. Indem er für die Studie aber auf einen Tisch gesetzt wurde und auf Augenhöhe mit den Probanden sprach, sei er den Testpersonen eher wie ein Erwachsener erschienen.

Laut Doktorant Jamy Li sollten die aus der Studie gewonnenen Erkenntnisse trotzdem von Entwicklern und Designern neuer Roboter beherzigt werden. Er empfiehlt beispielsweise, Schaltflächen an unverfänglichen Stellen, also etwa der Stirn oder dem Arm eines Roboters, unterzubringen, statt beispielsweise an dessen Hinterteil.

Aber liegt das nicht sowieso auf der Hand?

meu

insgesamt 7 Beiträge
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philippalexander.vollmer 07.04.2016
1. Falsche Schlussfolgerung
Die Schaltflächen müssen sogar in diese Bereiche verlegt werden um die Aufmerksamkeit zu erhöhen und die Sensitivität des Bedieners, das senkt die Fehlbedienungsquote. Wie die Studie gezeigt hat, steigt der Aufmerksamkeitslevel, wenn ein Tastendruck in diesen Bereichen stattfindet.
felisconcolor 07.04.2016
2. Moment
ein Roboter fordert mich auf ihn in seinem Intimbereich zu berühren (oder was Mensch dafür hält) Und dann sagen Menschen och neee das möchte ich dann doch nicht. Ok erweitertes Szenario ich stehe an der Busshaltestelle und ein MENSCH fordert mich auf an einer Stelle zu berühren die für Menschen allgemein als Intimbereich gilt. Ich glaube die Antworten darauf würden weitaus drastischer ausfallen. Ich glaube darüber sollte man nochmal nachdenken. Ausserdem gibt es im täglichen Leben ja nun noch nicht wirklich viele humanoide Roboter. AAlso daraus eine allgemein gültige Antwort abzuleiten ist wohl etwas verfrüht. Hätten sie vor 50 Jahren gefragt was sie empfinden wenn sie sehen wie sich zwei Männer oder Frauen küssen, wäre die Antwort wohl auch anders ausagefallen als heute. Wenn sich humanoide Roboter (Androiden) einmal in der Gesellschaft als alltäglich durchgesetzt haben ist es wahrscheinlich auch nicht mehr so wirklich abwegig wenn ich meiner Roboterfreundin an den Hintern fasse
naklar261 07.04.2016
3. meiner Roboterfreundin an den Hintern fasse....
...sehr gut...danke dafuer! evtl. sollten schonmal gesetze fuer beziehungen mit robotern erlassen werden? Was wenn jemand ohne Aufforderung den Roboter dort anfasst?
demophon 07.04.2016
4.
Zitat von naklar261...sehr gut...danke dafuer! evtl. sollten schonmal gesetze fuer beziehungen mit robotern erlassen werden? Was wenn jemand ohne Aufforderung den Roboter dort anfasst?
Bin mir sicher, Herr Maas arbeitet schon daran.
benny_na_lievo 07.04.2016
5.
Ich halte diese Ergebnisse für nicht so überraschend und die Erkenntnis, man solle Bedienelemente nicht an Stellen anbringen, die analog zu menschlichen Intimbereichen gehören, für ziemlich trivial. Auf Dauer könnte sich das aber ändern. Kämen Steinzeitmenschen in unsere Welt, würden sie wohl Autos für Lebewesen halten und sich ihnen gegenüber so verhalten. Was sich von selbst bewegt und Töne von sich gibt, das muss leben. Ins "Gesicht" eines BMWs würden sie nicht gucken, denn bei Raubtieren macht man das besser auch nicht. Wir korrigieren diese Intuition, auch wenn wir dennoch regelmäßig über Autos und Maschinen überhaupt wie über Lebewesen reden. So werden wir auch nach und nach kognitiv merken, dass ein scheinbar empathischer Robotor nur eine simulierende Maschine ist, und dennoch werden wir auch über und mit ihm reden, als dei er ein Lebewesen.
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