Robotermuseum in Japan: Wo die Stahlmonster singen

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Das heute im japanischen Nagoya eröffnete Robobermuseum versammelt Sonys Aibo, Humanoide und Industrieroboter. Einzelne Maschinen versuchen sich sogar als Künstler: Sie porträtieren Besucher und erzeugen mit ihren Motoren und Gelenken Musik - ein Projekt deutscher Medienkünstler.

Japan ist das Land der Roboter schlechthin. Wohl in keinem anderen Land der Welt begeistern sich Menschen mehr für zweibeinige oder vierbeinige Plastikwesen als auf den Inseln um den Fujiyama. Ihren geliebten Automaten können Japaner nun auch in einem Robotermuseum huldigen, das heute in Nagoya eröffnet wurde.

Auf rund 2600 Quadratmetern haben die Ausstellungsmacher schwergewichtige Industrieroboter und auch eigentlich fiktive Roboterwesen aus populären Comics versammelt - und natürlich Sonys Plastikhund Aibo sowie Humanoide wie Hondas Asimo. Teil des Museums ist auch ein großer Laden, in dem praktisch alle derzeit erhältlichen Roboter verkauft werden. Zur Eröffnung des Museums wurden riesige Blumenberge aufgefahren - und es regnete Lametta.

Dass Roboter aber weit mehr können, als Fußballspielen, Autos lackieren und Staubsaugen, demonstriert Robotlab, eine Gruppe deutscher Medienkünstler aus Karlsruhe. Das Trio zeigt in dem Museum mit zwei Roboterkunstprojekten, dass Maschinen auch eine künstlerische Ader haben, sofern man sie entsprechend programmiert.

Besonders faszinierend ist der wohltemperierte Roboter - ein ganz normaler Industrieroboter, der gestimmt ist wie ein Musikinstrument. Als Klänge dienen die Geräusche der Motoren, Gelenke und Getriebe, die beim Bewegen des Automaten entstehen. Besucher können mit den Tasten auf dem Interface Musikstücke auswählen, die der Roboter dann abspielt - beispielsweise Mozarts "Kleine Nachtmusik" oder den Beatles-Klassiker "Yesterday" (siehe Video).

Das zweite Projekt "Profiler" ist ein Zeichenroboter, der Porträts oder Umrisse von Besuchern erzeugt. Mit einer auf dem Roboterarm montierten Videokamera erkennt der elektronische Künstler, wenn eine Person die Bühne mit einer hell leuchtenden Hintergrundwand betreten hat. Daraufhin fährt er in Aufnahmeposition und erfasst die menschliche Figur mit seiner Kamera. Ein angeschlossener Computer verarbeitet das aufgenommene Bild, verwandelt es in Linienzüge und der Roboter führt dann mit wenigen Strichen die Zeichnung auf der emaillierten, großformatigen Zeichentafel aus.

"Die Leute haben begeistert reagiert, das erzählte uns zumindest unser Dolmetscher", sagte Jan Zappe von Robotlab nach der Eröffnung im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Viele waren aber erstaunt, dass unsere Roboter keinen praktischen Nutzen haben."

Warum arbeiten die Robotlab-Künstler ausgerechnet mit programmierbaren Maschinen? "Mich interessiert das Spannungsfeld zwischen den im Science Fiction formulierten Utopien und dem 'Maschinenbild' unserer technischen und gesellschaftlichen Realität", sagt Matthias Gommel.

Sind Roboter etwa intelligent?

Zappe verweist auf die unterschiedliche Wahrnehmung der Projekte, die ihn besonders interessiert: "Ingenieure empfinden das als sehr künstlerisch, Künstler als sehr technisch."

Dafür, dass Roboter Menschen so sehr faszinieren, hat Gommel eine einfache Erklärung: "Ich glaube, es ist die Bewegung, die die Menschen so fesselt. Und die immanente Frage nach der etwaigen Intelligenz, die sich dahinter verbirgt." Bewegung stehe für Leben. Die Menschen projizierten ihre Wahrnehmung eines lebendigen Wesens in die Maschine.

Die Künstlergruppe Robotlab besteht seit Februar 2000 - sie entstand am Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM). In einer Reihe von Installationen und Permonances haben Matthias Gommel, Jan Zappe und Martina Haitz immer wieder mit Maschinen gespielt und experimentiert. Bevorzugt nutzen sie dabei herkömmliche Industrieroboter - nicht zuletzt deshalb, "weil sie sich so einfach programmieren lassen", wie Roboteringenieurin Haitz erklärt.

Eines ihrer Roboterkunstprojekte war "Vertigo" - ein Automat, der die Glasfassade des ZKM hinauf- und hinunterklettern konnte. Mit Saugnäpfen hielt der sich daran fest. Bei ihren Installationen erleben die Robotlab-Künstler immer wieder, das Zuschauer wie gebannt vor den Automaten stehen bleiben: Obwohl die Betrachter wüssten, dass es sich um Maschinen handle, könnten sie sich ihrer "natürlichen" Anziehung nicht erwehren, erklärt Gommel.

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