3D-Künstler bei Instagram Entspannen mit goldenen Spaghetti

Er zerquetscht Goldbarren zu wabbeligen Würsten und baut Pizzatreppen in den Himmel: Mit 3D-Experimenten verblüfft der Künstler Roger Kilimanjaro seine Fans bei Instagram - und beruhigt mit meditativen Dauerschleifen.

Roger Kilimanjaro

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Die geschmolzene Mona Lisa klatscht auf den Fußboden, zwei Plastikelefanten zerschmettern eine Glasröhre, Batman wird verprügelt. Es ist brutale Kunst. Trotzdem sind die schrägen Kurzclips in Dauerschleife mindestens so entspannend wie eine Lavalampe. Genau das ist das Ziel des französischen Künstlers Rémi Cabarrou, der unter dem Pseudonym Roger Kilimanjaro regelmäßig neue meditative Clips bei Instagram veröffentlicht.

Mehr als 100.000 Nutzer folgen Cabarrou bei Instagram, seine Kurzclips werden häufig mehrere Hunderttausend Mal abgespielt. Bei YouTube stellt er seine Videos zwar auch ein, doch dort haben nur etwa 3000 Nutzer seinen Kanal abonniert. Die Dauerschleifen-Clips im Quadratformat funktionieren bei Instagram offenbar besser.

Cabarrou erstellt seine Videos mit Cinema 4D und setzt nach eigenen Angaben vor allem Effekte ein, die der Hersteller mit der Software bereits mitliefert. Nach höchstens zwei Tagen muss ein Video fertig sein, mehr Zeit wolle er nicht investieren, sagt Cabarrou. Denn hauptberuflich arbeitet er als 3D-Designer in Paris. Die Videoschleifen für Instagram bastelt er in der Freizeit.

"Ich mag es einfach, diese kurzen Loops zu erstellen", sagt Cabarrou. Er sei ein großer Fan von 3D-Animationen. "Es ist wirklich unglaublich befriedigend, wenn ich sehe, wie diese Materialien und Texturen mit Licht und physikalischen Effekten reagieren." Realismus sei ein wichtiges Element in den Videos. Auch wenn Cabarrou meist Phantasiewelten entwirft, wirken die Bewegungen ziemlich authentisch.

Doch bei allem Realismus müsse er auch Details einbauen, die "wie das flüssige Gold ein Gefühl von Überraschung und Befriedigung erzeugen", sagt der Designer. Der Entspannungseffekt ist sein Markenzeichen. "Ich glaube, es macht abhängig, diese Videos zu erstellen und anzuschauen."

Auch wenn es immer wieder danach aussieht, platzt die Kugel einfach nicht in der "Will it pop?"-Serie
Rémi Cabarrou

Auch wenn es immer wieder danach aussieht, platzt die Kugel einfach nicht in der "Will it pop?"-Serie

Doch mit einer fiesen Videoserie spannt er Fans ziemlich auf die Folter. Die "Will it pop"-Reihe (deutsch: "Wird sie platzen?") wird einfach nicht aufgelöst. Ständig tauchen neue Clips auf, in denen mit Wasser gefüllte Geleekugeln umherrollen, während eine Nadel in die Hüllen piekst. Geplatzt ist bisher keine Kugel. Doch die Nutzer warten auf das Finale. Mit Sprüchen wie "Das ist die Hölle in ihrer reinsten Form" und "Ich zahle 20 Dollar, wenn du sie platzen lässt" kommentieren sie das Video und fordern eine schnelle Fortsetzung.

Cabarrou animiert sich gerne durch alle Aggregatzustände. Fest, flüssig, gasförmig: Der 3D-Designer experimentiert am liebsten mit Stoffen, die schlagartig ihre Form ändern, wenn sie etwa durch ein Sieb gepresst, gegen eine Wand geschleudert oder plattgewalzt werden.

Ob Donuts, Bällebad oder rotierender Döner - bei der Auswahl der 3D-Figuren wechselt sich der Künstler gerne ab. "Ich denke normalerweise nicht lange darüber nach, welche Objekte ich zum Spielen auswähle", sagt Cabarrou. Er probiere viele Ideen aus und behalte die interessantesten.

Doch ganz so egal scheint ihm die Auswahl doch nicht zu sein. Schließlich lässt er die Mona Lisa schmelzen, baut Pizzatreppen in den Himmel und presst goldene Spaghetti in Glasbehälter: "Das heißt wohl, dass ich Italien ziemlich toll finde."

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