Rohdaten von Digitalfotos speichern Was Sie über das DNG-Format wissen sollten

Wenn Sie mit einer Digitalkamera fotografieren, kennen Sie hoffentlich das Dateiformat DNG, in dem man die Rohdaten eines Fotos speichern kann. Wir zeigen, wozu DNG gut ist - und wozu nicht.

Digitalfoto, Metadaten (Symbolbild)
Michael J. Hußmann

Digitalfoto, Metadaten (Symbolbild)


Wenn es um ihre sogenannten Rohdaten-Formate geht, in denen sie Fotos speichern, geben sich Kamerahersteller gerne als Geheimniskrämer. Die Spezifikation ihrer Dateien wird nicht offengelegt, manche Informationen sind sogar verschlüsselt. Naturgemäß weckt dies bei Fotografen den Argwohn, ihre digitalen Bildarchive könnten irgendwann nicht mehr lesbar sein, weil die verwendeten proprietären Datenformate nicht mehr unterstützt werden.

Die Spezifikation des von Adobe entwickelten DNG-Formats (Digital Negative) ist dagegen offen. Es kann von jedem Kamerahersteller genutzt werden, um Rohdaten zu speichern. Trotz der vorhandenen Unterschiede der diversen Raw-Formate enthalten sie weitgehend die gleichen Informationen, und die DNG-Spezifikation war von Anfang an weit genug gefasst, um Besonderheiten bestimmter Kameras zu berücksichtigen.

Fuji beispielsweise verwendete bis vor acht Jahren die sogenannten Super-CCDs, deren Sensorpixel in einem Bienenwabenmuster angeordnet waren, und setzt heute auf Sensoren mit Farbfiltern im X-Trans-Muster anstelle des verbreiteteren Bayer-Musters. Auch solche Varianten lässt das DNG-Format zu.

DNG erfüllt alle Anforderungen

Adobe hat die DNG-Spezifikation mehrfach überarbeitet, und seit der 2009 eingeführten Version 1.3 unterstützt das Format auch die Speicherung von Korrekturprofilen des verwendeten Objektivs, die im Zuge der Raw-Entwicklung anzuwenden sind.

Solche Korrekturen per Software verbreiteten sich erst nach der Einführung von DNG im Jahr 2004, aber Adobe trug dem durch die Einführung sogenannter Opcodes Rechnung, die vom Raw-Konverter auszuführende Korrekturen von beispielsweise Vignettierung, Verzeichnung, chromatischer Aberration und defekten Sensorpixeln beschreiben.

Manche Hersteller entschieden sich für DNG, statt ein eigenes Raw-Format zu entwickeln. Dazu gehört Leica ebenso wie Ricoh, deren Modelle unter dem Pentax-Label neben dem eigenen PEF-Format das DNG-Format unterstützen. Auch Apple hat sich beim iPhone für DNG entschieden. Für Hersteller, die noch nicht über ein eigenes Format verfügen, ist es eine naheliegende Wahl, denn DNG erfüllt alle Anforderungen, die man an ein Rohdatenformat stellen könnte. Trotzdem hat bislang kein Hersteller sein proprietäres Format zugunsten von DNG aufgegeben.

In DNG konvertieren

Aber selbst wenn eine Raw-Datei nicht bereits als DNG vorliegt, kann Adobe Lightroom sie beim Import in dieses Format konvertieren, wenn Sie die Importvariante "Als DNG kopieren" wählen. Wie Lightroom hier vorgehen soll, legen Sie in den "Voreinstellungen" unter "Dateiverwaltung" fest. Mit einem Häkchen bei "RAW-Originaldatei einbetten" wird die proprietäre Raw-Datei so eingebettet, dass sie sich mit dem DNG Converter wiederherstellen lässt. Dieser steht bei Adobe zum kostenlosen Download bereit.

Falls Sie eine Datei erst im Nachhinein mit "Bibliothek > Foto in DNG konvertieren" umwandeln, haben sie die Option einer verlustbehafteten Kompression - Adobe verwendet die etwas unglückliche Formulierung "verlustreich". Normalerweise komprimiert Lightroom mit einem verlustfreien Verfahren, das rund 50 % Platz sparen kann, wenn das Originalformat nicht bereits komprimiert ist.

Die größte Bandbreite an Konvertierungsvarianten bietet allerdings nicht Lightroom selbst, sondern der DNG Converter. Dieser lässt Ihnen auch die Wahl, die Rohdaten gar nicht zu komprimieren. Wenn Sie die Option "Linear (mosaikfrei)" wählen, übernimmt bereits der DNG Converter einen wichtigen Schritt der Raw-Entwicklung und interpoliert aus den Sensordaten, die ja meist nur Informationen über je eine der drei Grundfarben geben, ein vollständiges RGB-Bild. Die resultierenden DNG-Dateien enthalten dann zwar keine echten Rohdaten mehr, aber wenn Sie einen Konverter nutzen wollen, der eine Kamera mit einem ungewöhnlichen Sensor nicht unterstützt, kann eine solche Konvertierung das Problem lösen.

In den Voreinstellungen des DNG-Konverters können Sie unter "Kompatibilität" (a) weitere Optionen wählen. Eine Linearisierung (b) und eine verlustbehaftete Kompression (d) stehen zur Wahl. Eine optionale Einbettung der Originaldatei (e) bläht das DNG auf.
Michael J. Hußmann

In den Voreinstellungen des DNG-Konverters können Sie unter "Kompatibilität" (a) weitere Optionen wählen. Eine Linearisierung (b) und eine verlustbehaftete Kompression (d) stehen zur Wahl. Eine optionale Einbettung der Originaldatei (e) bläht das DNG auf.

Lightroom selbst sowie Camera Raw sind mit allen Kameras kompatibel, die der DNG Converter unterstützt, sodass hiervon nur Produkte anderer Hersteller profitieren.

Es gibt jedoch auch das umgekehrte Szenario: Der X-Transformer von Iridient Digital erzeugt aus Raw-Dateien von Fuji-Kameras mit X-Trans-Sensor lineare DNG-Dateien, die Sie wiederum in Lightroom importieren können. So greifen Sie auf das Demosaicing-Verfahren des Raw-Konverters desselben Herstellers zurück, können aber ansonsten den bewährten Lightroom-Workflow beibehalten.

Eine Anwendung des DNG Converters ist für alle relevant, die das Upgrade auf eine neue Lightroom- oder Camera-Raw-Version scheuen - etwa weil sie Adobes Abo-Modell ablehnen -, aber dennoch die Raw-Dateien neuer Kameramodelle entwickeln wollen. Mit einem aktuellen DNG Converter lassen sich die Dateien in ein DNG umwandeln, das auch die veraltete Software-Version akzeptiert.

Konvertieren oder nicht?

In der Mehrzahl der Fälle lohnt sich die Konvertierung proprietärer Raw-Formate dennoch nicht. Die Idee, ein konvertiertes DNG wäre zukunftsträchtiger als die Originaldatei, geht in die Irre. Raw-Konverter unterstützen primär nicht Dateiformate, sondern Kameras. Ob ein Raw-Konverter der Zukunft Ihre Bilder bearbeiten kann, wird davon abhängen, ob er mit den Eigenheiten Ihrer Kamera vertraut ist. Wenn er das ist, wird er aber eher mit dem originalen Raw-Format als mit einem daraus konvertierten DNG umgehen können.

Gefunden in

Man könnte vermuten, dass ein Konverter, der das DNG-Format als solches unterstützt, alle denkbaren DNG-Dateien verarbeiten kann, aber dem ist nicht so. Dass Lightroom eine DNG-Datei akzeptiert, bürgt nicht dafür, dass es auch der Konverter eines anderen Herstellers tut. Falls Sie Ihre Raw-Dateien in das DNG-Format konvertieren, sollten Sie deshalb keineswegs die Originale löschen.

Smart-Vorschauen

Innerhalb des Lightroom-Workflows übernimmt das DNG-Format noch eine weitere Funktion. Es wäre ideal, wenn man überall und jederzeit den Zugriff auf alle Raw-Dateien hätte. Aber in der Praxis ist es oft so, dass Dateien auf einer gerade nicht angeschlossenen Festplatte oder in der Cloud liegen. Abhilfe schaffen die Smart-Vorschauen im DNG-Format, die Sie beim Import mit der Option "Smart-Vorschauen erstellen" oder später mit "Bibliothek > Vorschauen > Smart-Vorschauen erstellen" erzeugen.

Sofern eine Smart-Vorschau existiert, die eine in der Auflösung reduzierte, platzsparende Version der Originaldatei enthält, können Sie in Lightroom mit Dateien arbeiten, die aktuell nicht verfügbar sind. Alle auf dieser Basis vorgenommenen Änderungen werden auf die hochaufgelösten Originaldateien angewandt, sobald Lightroom wieder Zugriff auf diese hat; bis dahin bleibt der Export auf eine geringe Auflösung beschränkt.



insgesamt 3 Beiträge
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werlesenkann 10.11.2018
1. Sinn des Artikels?
Außer dass das Adobe-Werbeblatt Docma seine mehr oder weniger große Bekanntheit steigert...
marthaimschnee 10.11.2018
2. und mit anderen Programmen?
"die das Upgrade auf eine neue Lightroom- oder Camera-Raw-Version scheuen - etwa weil sie Adobes Abo-Modell ablehnen" die bekommen derzeit einen weiteren Tritt Adobes ins Gesicht, denn zum 30. November wird bei den Versionen 6 und CC die Kartenansicht deaktiviert. Damit sind praktisch alle Non-Cloud-Versionen von Lightroom für alle, die ihre Bilder geo-taggen, unbrauchbar und ein weiteres Mal ist bewiesen, daß es keine sinnvolle Idee ist, sich an kommerzielle Produkte großer Konzerne zu ketten.
floydpink 10.11.2018
3. Bäh!
DNG braucht man nur, wenn man Adobe abhängig ist. Ich entwickle meine Fuji RAW's mit Darktable. Das ist spätestens seit der Version 2.4 allererste Sahne. (... und ich mochte das früher nicht)
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