Virtuelle Realität Microsoft will das Wohnzimmer zum Holodeck machen

Auf Knopfdruck in eine andere Welt eintauchen - was Fans von "Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert" begeistert, soll bald Wirklichkeit werden. Microsoft und andere Firmen wollen die Technik ins Wohnzimmer bringen.

Microsoft Research/ YouTube

Eine virtuelle Realität, in die man hineingehen und mit der man interagieren kann - dieser Vision kommt Microsofts Forschungsabteilung mit RoomAlive und Mano-a-Mano jetzt einen kleinen Schritt näher. Das Projekt ist die Fortführung von IllumiRoom, einem System, das die Umgebung eines Bildschirms durch Projektionen mit in das Spiel- oder Filmgeschehen mit einbezog.

RoomAlive geht weiter: Der ganze Raum dient dabei als Projektionsfläche. Und alle Möbel und Gegenstände darin können durch Berühren, Drauftreten oder Beschießen zu Steuerelementen in einem virtuellen Spiel werden.

Ein Präsentationsvideo zeigt, wie weit die Entwicklung schon gediehen ist: Spielfiguren tauchen als zweidimensionale Projektionen an den Wänden des Raums auf, das Geschehen spielt sich im dreidimensionalen Raum ab. Damit das funktioniert, hat Microsoft mehrere "Kinect"-Module mit Projektoren zu sogenannten Procams kombiniert, die den Raum komplett mit Pixeln versehen, die als Sensoren dienen können. Die Kalibrierung der sechs Procam-Geräte, die an der Decke befestigt werden, soll schon jetzt automatisch funktionieren und den Nutzer nicht überfordern.

Firmen zaubern virtuelle Objekte in den Raum

Einen weiteren Schritt zur dreidimensionalen Darstellung von Objekten geht das Microsoft-Projekt Mano-a-Mano: Ebenfalls mit Hilfe von Kinect-Modulen und Beamern werden Objekte im Raum abgebildet, mit denen zwei sich gegenüber stehende Spieler interagieren können. Ideal wäre sicher eine Verbindung der beiden Technologien. Doch beide sind derzeit nur Prototypen. Ob und wann Microsoft RoomAlive und Mano-a-Mano kommerziell anbieten wird, ist so unklar wie die Absichten von Q in "Raumschiff Enterprise".

Wer nicht so lange warten will, kann vielleicht einstweilen mit der Präsentationstechnik des polnischen Herstellers Leia Display Systems Vorlieb nehmen: Das laut Pressemitteilung ab jetzt erhältliche System erzeugt zwar nur zweidimensionale Bilder, die auf einen Nebel aus entmineralisiertem Wasser projiziert werden. Aber auch die schaffen virtuelle Räume und Objekte, mit denen man interagieren kann - und das wirkt auf dem Demo-Video recht beeindruckend. Das Leia Display eignet sich wohl vor allem für Werbeveranstaltungen. Die Basisversion kostet 15.000 Euro, im Verleih bekommt man so eine Anlage schon für 3000 Euro Tagesmiete, so eine Sprecherin von Leia Systems.

abr



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napoleon2006 07.10.2014
1. Frage zu Laserprojektion...
Falls hier Leute mitlesen, die sich mit der Materie beschäftigen? Ist es nicht möglich, mehrere (ich denke so an 3 -6) niederenergetische Laser von verschiedenen Ausgangspunkten auf einen Punkt im Raum zu fokussieren um nur an diesem Punkt die erforderliche Energieanhebung zu erreichen um ein Gas (am besten Luft ;-)) zum leuchten anzuregen? Wenn das geht, könnte man IMHO mit der entsprechenden Anzahl Projektoren durchaus echtes 3D im Wohnzimmer entstehen lassen und sogar drumherum oder durch gehen.
unimatrix 07.10.2014
2.
3K am Tag? Junge, da lohnt sich die Vermietungsstrategie ja sofort! Klingt alles faszinierend, aber das Holodeck projiziert Materie, ähnlich dem Replikator unter Verwendung von eindämmenden Kraftfeldern - oder so :) So lange ich noch'n Nebel als Projektionsfläche benötige, bleibt es zwar nett, aber wird trotzdem kein Hologramm im SciFi-Sinne, wie ich finde. Ich erinnere nur an R2, der auf Tatooine dem verdutzen Luke bildlich die eigene Schwester näher brachte. Das war auch keine Star-Trek-Holo-Version, aber imho etwas glaubwürdiger. Es gibt btw auf YT Videos von, ich glaube japanischen Wissenschaftlern, die die Idee richtig angehen: Sie lassen Moleküle der Luft glühen. So genau kapiert habe ich das aber nicht, nur dass es atm noch einfarbig und sehr laut ist: http://www.youtube.com/watch?v=KfVS-npfVuY Ich hoffe, die Krisen der Welt ausgeblendet, dass ich eine 3D-Projektion in den Raum ohne Projektionsflächen a la Dampf / Wände / Glas noch erleben werde. Wenn schon kein Lichtschwert, dann bitte sowas! Ich bin auch frohen Mutes. Merkwürdigerweise hat der Mensch früher oder später doch all das, was er in seiner Fantasie fabriziert hat, technisch umsetzen können. Ich glaube zwar nicht an Gott, aber irgendwie funktioniert es bspw. so: Irgendwer sagt, super Idee so ein Drehflügler und alle schreien, das ist physikalisch unmöglich ...und dann klappt's Jahre später doch irgendwann. Nur wenn's darum geht sich Frieden zu wünschen, wir das nie was...
whocaresbutyou 07.10.2014
3. nur auf den ersten Blick...
zugegeben, 3k Euro Miete pro Tag bei 15k Euro Basispreis klingt verlockend... Aber nur, solange sie den Aufwand drumherum nicht einrechnen und ignorieren, dass derartige Systeme nur sehr begrenzt einsetzbar sind. Dieses System können sie nicht ohne Aufbau- und Bedienpersonal verleihen, es benötigt Verbrauchsmaterial (aufbereitetes Wasser) und hat vergleichsweise schmalbandige Umgebungsparameter (Temperatur, Luftfeuchte, Helligkeit, Streulicht, usw.). Systeme, die auf Wasser- oder Gasnebel projizieren, gibt es seit über 20 Jahren. Auf entsprechenden Messen gab es schon 3D-fähige Polarisationprojektionen auf Wasserwänden, als der ambitionierte Heimkinobesitzer seine Video2000-Kassetten noch auf der Röhrenglotze schauen musste...
whocaresbutyou 07.10.2014
4. @ napoleon...
nein, das ist physisch leider nicht möglich. Wenn sie es mit bloßer Hitze in Luft versuchen, verlieren sie durch die Energiedichte der Laser sofort ihr Augenlicht. Und selbst wenn sie den eigenen Körper ausmaskieren würden, würde ihr Wohnzimmer kürzester zeit ein brenzliger Ort. Mit anderen Gasen hätten sie zwar evtl. mehr Erfolg, würden allerdings ersticken oder vergiftet. Und auch das bestenfalls monochrom ;o).
laurent1307 08.10.2014
5. Hä?
3000,-- Miete statt 15000,-- Anschaffung klingt verlockend?
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