Von Konrad Lischka
Nun ist es passiert, Google stellt zum 1. Juli seinen RSS-Reader ein. RSS ist ein alter, offener Standard, mit dem man zum Beispiel die neuesten Beiträge von Websites und Blogs schnell gesammelt in einer Übersicht lesen kann. Der Google Reader ist bislang einer der beliebtesten RSS-Überblicksdienste. Der Konzern stellt das kostenlose Angebot ein, weil angeblich die Nutzung gesunken ist.
Der ehemalige Google-Reader-Produktmanager Brian Shih erklärt das Ende etwas anders. Er schreibt auf Quora, dass Google-Manager die Reader-Entwickler seit 2008 schon mehrmals auf andere Projekte wie Buzz oder Google+ ansetzten wollten, von denen sie sich mehr Breitenwirkung erhofften.
Was nun? Für die Nutzer des Google Reader gibt es einige alternative Dienste unabhängiger Entwickler. Hier drei Dienste im Überblick.
Feedly - webbasiert und elegant
Feedly ähnelt dem Google Reader sehr: Der Webdienst läuft auf den Servern des Anbieters, er ist kostenlos und kann im Browser (über Erweiterungen für Firefox, Chrome und Safari) oder über kostenlose Apps für Android und iOS genutzt werden.
Feedly ist sehr elegant gestaltet. Man kann sich Feeds in einem Magazin-Layout mit großen Fotos und Anrisstexten anzeigen lassen, ähnlich wie man es von Apps wie Pulse oder Flipboard kennt. Feedly lässt sich aber auch so konfigurieren, dass man alle Überschriften eng übereinander gestapelt sieht wie im Google Reader (über "Preferences" in der linken Randspalte). Feedly kann wie der Google Reader auch einmal beim Scrollen angezeigte Beiträge automatisch als gelesen markieren.
Die Entwickler versprechen, dass Feedly nach Einstellung des Google Readers für alle Wechsler nahtlos weiterläuft und geben einige Tipps für Umsteiger. Der Dienst existiert seit 2008, die Firma ist in Privatbesitz, gehört unter anderem dem US-Entwickler Edwin Khodabakchian, der für Netscape und Oracle gearbeitet hat. Einen Bezahlversion gibt es nicht, wie tragfähig Feedlys Geschäftsmodell ist, muss sich noch zeigen.
Fazit: Feedly ist für die breite Masse der Reader-Nutzer die am einfachsten zu bedienende Alternative. Man braucht keinen Webspace, muss aber darauf hoffen, dass die Entwickler mit ihrem Kostenlos-Geschäftsmodell durchhalten.
Fever - Themen-Thermometer fürs Netz und den eigenen Server
Fever sieht besser aus und bietet mehr Funktionen als der Google Reader (hier eine umfassende Rezension). Geschaffen hat die Software der US-Entwickler Shaun Inman im Alleingang. Fever hat ein erfolgreiches Geschäftsmodell ohne Quersubvention wie bei Google. Shaun Inman verkauft die Software. Für 30 Dollar kann man Fever lebenslang nutzen - man braucht dafür allerdings etwas eigenen Webspace. Und das lohnt sich. Fever ist schnell, elegant gestaltet und bietet einzigartige Funktionen. In einer besonderen Ansicht ("Hot") zeigt der Dienst, welche Artikel in den eigenen Quellen besonders häufig zitiert werden.
Fever erstellt auf Wunsch einen RSS-Feed mit den als interessant markierten Artikeln. Diesen kann man nutzen, um Artikel und Links bei anderen Diensten wie Pinboard, Instapaper oder Evernote automatisch einfließen zu lassen. Die Mobilansicht von Fever ist auf Tablets gut im Browser nutzbar, für Android-Smartphones gibt es die kostenlose App Meltdown, fürs iPhone die App Sunstroke. Auch die beliebte iOS-Anwendung Reeder unterstützt Fever.
Die aktuelle Fever-Version läuft stabil und schnell - allerdings darf man in die nächster Zeit keine großen Innovationen erwarten. Entwickler Shaun Inman schreibt zum Ende des Google Reader: Fever werde auf absehbare Zeit offiziell nur mobile Geräte mit iOS unterstützen, er sei derzeit nahezu Vollzeit mit einem Spieleprojekt beschäftigt.
Fazit: Fever ist ausgereift, läuft stabil und schnell. Man ist nicht abhängig von den Serverkapazitäten eines Drittanbieters, muss allerdings selbst den Webspace organisieren.
Newsblur - derzeit langsam, aber mit tragfähigem Geschäftsmodell
Newsblur ist ein webbasierter Reader, er läuft auf den Servern des Entwicklers Samuel Clay. Die Funktionen des Dienstes entsprechen den des Google Reader weitgehend, nur das Layout wirkt leicht angestaubt. Newsblur sieht aus wie ein alter Outlook-Webclient, die kostenlosen Newsblur-Apps für iOS und Android zeigen aber, dass Clay auch schönere Schnittstellen entwerfen kann.
Der Dienst hat ein tragfähiges Geschäftsmodell: Wenn man mehr als 64 Quellen nutzen und häufig aktualisieren will, muss man mindestens einen Dollar im Monat zahlen. Derzeit läuft der Dienst wegen des großen Ansturms sehr langsam, laut Clay hat Newsblur derzeit das Fünfzehnfache der sonstigen Serverlast.
Fazit: Newsblur ist nicht so schön wie Feedly, aber das Geschäftsmodell erscheint tragfähiger. Wenn genug Menschen die zwölf Dollar Jahresgebühr zahlen, dürfte Entwickler Samuel Clay mehr Zeit für die Weiterentwicklung aufbringen. Man kann die Premiumgebühr als Investition in gute Software unabhängiger Entwickler sehen.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Web | RSS |
| alles zum Thema Internet | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH