Russland Hacker attackieren den Kreml

Der Kreml spricht von "einem mächtigen Cyberangriff": Hacker haben die Website der russischen Regierung lahmgelegt. Protestiert das Aktivisten-Netzwerk Anonymous gegen die neuen Netzsperren?

Kreml in der Abenddämmerung: Hackerangriff auf die Website
REUTERS

Kreml in der Abenddämmerung: Hackerangriff auf die Website


Moskau - Hacker-Angriff auf den Kreml: Unbekannte haben am Freitagvormittag offenbar mehrfach die Website der russischen Regierung lahmgelegt. Eine Kreml-Sprecherin sagte der Nachrichtenagentur Reuters, es laufe "ein mächtiger Cyberangriff gegen die Seite". Neben der Kreml-Website sei auch der Internet-Auftritt der russischen Zentralbank von Hackern angegriffen worden. Am Freitagmittag ließen sich die Seiten aber wieder erreichen.

Die Kreml-Sprecherin machte keine Angaben dazu, wer für die Angriffe verantwortlich sein könnte. Auf Twitter dagegen kursieren bereits Gerüchte. Ihnen zufolge könnte eine russische Splittergruppe des Aktivisten-Netzwerks Anonymous hinter der Attacke stecken. Unter dem Account-Namen "Anonymous Russia" schrieben Unbekannte am Freitag: "Tango Down, gern geschehen" - eine Fomulierung, die Soldaten der US-Armee benutzen, wenn sie ein terroristisches Ziel eliminiert haben. Weiter heißt es in der Nachricht: "Genießt es."

Am Abend zuvor waren über denselben Twitter-Account die Zensurmaßnahmen der russischen Regierung scharf kritisiert worden. Die Regierung hatte am Donnerstag die Websites führender Kritiker von Präsident Wladimir Putin sperren lassen, darunter die Nachrichtenportale grani.ru und ej.ju sowie die Blogs der Putin-Gegner Alexej Nawalni und Garri Kasparow.

Die Aufsichtsbehörde Roskomnadsor hatte die Seiten auf Anordnung der Generalstaatsanwaltschaft aus dem Netz genommen und eine Liste mit den blockierten Seiten veröffentlicht. Die Behörde überwacht die Massenmedien in Russland und sperrt Internetseiten auf Anweisung der Generalanwaltschaft. In einem Roskomnadsor-Statement heißt es: "Diese Seiten stiften zu illegalen Handlungen und zur Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen an, die bestehende Gesetze verletzen." Die Provider seien sofort damit beauftragt worden, die Erreichbarkeit der Seiten einzuschränken.

Bürgerrechtler sind besorgt

Bürgerrechtler in den USA zeigten sich besorgt über die Netzsperren. Die US-Organisation Electronic Frontier Foundation (EFF) verurteilte in einem Statement die staatlich angeordnete Zensur. "Uns macht vor allem betroffen, dass unabhängige Nachrichtenportale und gegensätzliche politische Meinungen zensiert werden." Die Organisation empfiehlt den Bürgern in Russland, die gesperrten Seiten über das Anonymisierungsnetzwerk Tor zu besuchen und so die Blockaden auszuhebeln.

Der ehemalige Schachweltmeister Garri Kasparow kritisierte bei Twitter die Sperrliste: "Das sind große Nachrichtenseiten, keine politischen Gruppen." Bevor sein Blog aus dem Netz genommen wurde, habe die russische Regierung seinen Administrator kontaktiert, damit dieser die Server abschaltet. "Sie arbeiten schnell", twitterte Kasparow.

Die Seite des Kreml-Kritikers Alexej Nawalni sei gesperrt worden, weil er gegen seinen Hausarrest verstoßen habe, heißt es in der Begründung der russischen Behörde. Er war im Dezember 2012 bei einer Demonstration festgenommen worden. Die russische Regierung hatte im Juni 2012 das Demonstrationsrecht verschärft und die Strafen für die Teilnahme an nicht genehmigten Demonstrationen um das 150-fache erhöht. Russland steht derzeit wegen des Vorgehens im Streit um die ukrainische Halbinsel Krim international in der Kritik.

jbr



insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
Drunken Masta 14.03.2014
1. mächtiger Cyberangriff^^
Vermutung ins Blaue: Da gestern auch etliche andere Seiten wie Steam, Origin etc mal wieder unter der Langeweile der Leute von Derp mit ihrem gekauften Botnetz leiden mussten, könnte die zeitliche Übereinstimmung darauf hinweisen, dass diese Kiddies auch ein paar Kreml Seiten mit ihrer ddos Aktion bedacht haben.
Ursprung 14.03.2014
2. Putin und seine Untertanen
Zitat von sysopREUTERSDer Kreml spricht von "einem mächtigen Cyberangriff": Hacker haben die Website der russischen Regierung lahmgelegt. Protestiert das Aktivisten-Netzwerk Anonymous gegen die neuen Netzsperren? http://www.spiegel.de/netzwelt/web/russland-hackerangriff-auf-website-der-regierung-war-es-anonymous-a-958636.html
Putin glaubt wohl, dass er ohne Abschaltung kritischer oder unabhaengiger Internetseiten ein spontanes Volksreferendum seiner Untertanen gegen ihn befuerchten muesste. Ein getuerktes auf der Krim scheint ihm da sicherer zu sein.
hartaberfair0815 14.03.2014
3.
Herr Putin ist eben ein "lupenreiner" Demokrat ;)
lupenreinerdemokrat 14.03.2014
4.
Zitat von sysopREUTERSDer Kreml spricht von "einem mächtigen Cyberangriff": Hacker haben die Website der russischen Regierung lahmgelegt. Protestiert das Aktivisten-Netzwerk Anonymous gegen die neuen Netzsperren? http://www.spiegel.de/netzwelt/web/russland-hackerangriff-auf-website-der-regierung-war-es-anonymous-a-958636.html
Warum sollte Anonymous ausgerechnet jetzt den Kreml attackieren? Viel wahrscheinlicher: da die Rechnung der US-EU nicht ganz aufging mit der Ukraine und Putin den Weltherrenmenschen schön ans Bein gepinkelt hat, sinnt man nun auf Rache und schießt aus dem Hinterhalt noch ein paar weitere Giftpfeile ab. Putin wird das äußerst peripher tangieren....
chronos-kronos 14.03.2014
5. Welche Seiten?
Die in ORF genannten Sieten funktionierten bis 13 Uhr in D und Ru noch.
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